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Regenchaos in Deutschland: Ist dieses Wetter noch normal?

zuletzt aktualisiert: 10.08.2007 - 12:43

Düsseldorf (RPO). Schwere Unwetter in Deutschland. Jahrhunderthochwasser in der Schweiz. Zwei Tote in Nordrhein-Westfalen. In 24 Stunden 117 Liter Niederschlag pro Quadratmeter in Delbrück. Das sind nur Auszüge der Chaos-Bilanz der ersten Augusttage. Ist dieses Gruselwetter nur ein Vorbote klimabedingter Veränderungen oder noch normal?

Der Regen: Punktuell fielen am späten Donnerstagabend in Essen laut Angaben des Deutschen Wetterdienstes 20 bis 35 Liter pro Quadratmeter. Innerhalb von 24 Stunden gingen im ostwestfälischen Delbrück 117 Liter nieder.

Zum Vergleich: Die Niederschlagswerte in Delbrück betragen laut DWD sonst durchschnittlich gerade einmal 67,8 Liter pro Quadratmeter monatlich. An einem Tag musste der Boden mehr Wasser verkraften als im gesamten August.

Delbrück ist kein Einzelfall. An vielen Orten in Deutschland regnete es in den beiden vergangenen Tagen so viel wie sonst im ganzen Monat. Die Zahlen des Deutschen Wetterdienstes DWD sprechen eine klare Sprache.

  • Remscheid, Nordrhein-Westfalen: Mittwoch und Donnerstag 105 Liter pro Quadratmeter - Monatsdurchschnitt 95
  • Bad Lippspringe, Nordrhein-Westfalen: Mittwoch und Donnerstag 84 Liter - Monatsdurchschnitt 83
  • Marienberg, Sachsen: Mittwoch und Donnerstag 82 Liter - Monatsdurchschnitt 89
  • Sigmarszell, Bayern: Mittwoch und Donnerstag 201 Liter - Monatsdurchschnitt 171
  • Konstanz, Baden-Württemberg: Mittwoch und Donnerstag 105 - Monatsdurchschnitt 88

Nicht nur das. Schon der Juli war viel zu nass. Und zwar auf 97 % der Fläche Deutschlands. Besonders große Niederschlagsüberschüsse gab es laut DWD in Nord- und Ostdeutschland. Dort fiel örtlich mehr als das doppelte der normalen Regenmenge. Ist das noch normal?

Experte Uwe Kirsche, Sprecher des DWD, gibt sich ganz gelassen: "Das ist nicht ungewöhnlich, das gibt es immer wieder. Wir sind in den vergangenen Jahren durch die tollen Sommer auch einfach verwöhnt worden." Derartige sturzartige Regenfälle wie wir sie in den vergangenen Tagen erlebt haben, sind in den Augen des Wetterfachmanns nichts besonderes. Drei Viertel der sonst im August üblichen Niederschlagsmenge von 58 Litern pro Quadratmetern seien allerdings schon niedergegangen, räumt Kisch ein, weist aber darauf hin, dass ein sonniges Wochenende angkündigt ist.

Ein Blick auf die historischen Wetterrekorde relativiert die Regengüsse in NRW tatsächlich. Selbst für den Sturzregen in Delbrück reicht es nicht. Der Regenrekord stammt aus dem Jahr 1920. Damals gingen in Füssen im Allgäu innerhalb von acht Minuten 126 Liter nieder. Der deutsche 24-Stunden-Rekord aus dem Jahr 2002 beträgt 312 Liter auf den Quadratmeter. Zinnwald im Osterzgebirge war der Schauplatz des Ereignisses.

Nicht nur der Regen hinterließ den Eindruck, das mit diesem Sommer etwas nicht stimmt. Wir haben noch weitere Daten unter die Lupe genommen.

Der Pegel: Für die Schweizer Voralpen entlang des Rheins, der Aare und der Biese galt am Donnerstag die höchste Warnstufe. Jahrhunderthochwasser. Auch am Oberrhein sind die Menschen in Alarmbereitschaft. Dramatische Überschwemmungen drohen. Ist das noch normal?

Am Freitag zeigt sich die Lage am Oberrhein weniger schlimm als erwartet. Nach Angaben der Hochwasservorhersagezentrale (HVZ) wird sich das Hochwasser im Raum Basel stromab immer weiter abschwächen und der für Freitagmittag in Karlsruhe erwartete Scheitel als zehnjähriges Hochwasser ankommen. Der Höchststand am Pegel Maxau bei Karlsruhe werde dann bei 8,35 Meter liegen. Beim Jahrhunderthochwasser von 1999 lag der Pegel dort bei 8,84 Meter.

Die Temperatur: "Kalter Sommer", mögen viele beim Gedanken an den Juli und August denken. Am großen Regentag betrugen die Temperaturen zwischen 12 und 18 Grad. Ist das noch Sommer?

Für den Freitag haben die Meteorologen schon wieder besseres Wetter angekündigt. 22 bis 24 Grad sollen es werden. Auch im Donnerstag so verregneten Nordrhein-Westfalen soll gelegentlich die Sonne hervorkommen.

Zum Vergleich: Im August 2006 war es noch viel kälter. Die Monatsmitteltemperaturen lagen bei etwa 18 °C. Offenbar verhagelt einem der Regen auch das richtige Temperaturempfinden.

Sonnenscheindauer: Wo Regen ist, bleibt nicht viel Sonne. Am Donnerstag war der Himmel in weiten Teilen der Republik wolkenverhangen. Ein Novembertag. Auch im Juli lagen die Monatssummen unter dem Durchschnitt. Im Norden und in den Mittelgebirgen blieben sie unter 80 Prozent des Normalwerts.

Zum Vergleich: Der August 2006 war in Sachen Sonne eine Katastrophe. Örtlich maßen die Experten vom DWD weniger als 50 Prozent der normalen Sonnenscheindauer.


 
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