| 19.35 Uhr

38 Festnahmen
Italienische Polizei nimmt Schleuserring hoch

Italienische Polizei nimmt Schleuserring hoch
Unser Archivfoto zeigt Somalis, die an der Küste auf ihre illegale Überfahrt warten. FOTO: AFP, AFP
Rom. In Italien hat die Polizei einen international aktiven Schleuserring gesprengt. Insgesamt wurden 38 Verdächtige in Sizilien, Rom und Norditalien festgenommen, wie die Polizei mitteilte. Offenbar gibt es auch Verbindungen zum illegalen Organhandel. 

Den Festgenommenen - die meisten von ihnen äthiopische und eritreische Staatsbürger - wird vorgeworfen, Tausende Migranten nach Europa geschmuggelt zu haben. Die Verdächtigen seien Teil eines der "bedrohlichsten Schmugglerringe", hieß es in der Polizei-Mitteilung. Die Gruppe sei in Nordafrika, Italien und mehreren anderen europäischen Ländern aktiv. Angestoßen wurde die Operation durch einen Informanten. Diese hatte nach seiner Festnahme 2014 mit der Polizei kooperiert.

Kosmetikladen in Rom diente als Basis für Aktivitäten

25 Eritreer, zwölf Äthiopier und ein Italiener seien festgenommen worden, sagte Innenminister Angelino Alfano am Montag. Außerdem wurden mehr als 500.000 Euro in Bar in einem Kosmetikladen in Rom beschlagnahmt, den das Netzwerk als Basis für ihre illegalen Aktivitäten genutzt habe. "Es war der Ort, an dem das Geld der Migranten gesammelt wurde, die nach Italien gelangen wollten", sagte Staatsanwalt Francesco Lo Voi aus Palermo, wo die Bande ihren zweiten Sitz hatte.

Die Polizei von Palermo teilte mit, dass sie über einen 2014 festgenommenen Eritreer auf die Spur des Netzwerks gekommen sei. Durch seine Aussagen sei es den Behörden erstmals gelungen, tiefen Einblick in die Arbeit der Schlepperbanden in Nordafrika und Italien zu bekommen, hieß es. Diese organisieren gegen Zahlung hoher Summen auf oft seeuntauglichen Booten Überfahrten für Flüchtlinge nach Italien. Hundertausende kamen auf diesem Weg in den vergangenen Jahren übers Mittelmehr. Einige Tausend von ihnen bezahlten die gefährliche Überfahrt aber auch mit dem Leben.

Auch in Serbien nahm die Polizei acht mutmaßliche Schleuser fest. Die Gruppe habe Dutzende Migranten von Serbien nach Ungarn und weiter nach Österreich geschmuggelt, teilte die Polizei mit. Pro Person hätten sie 1100 bis 1200 Euro eingestrichen. Die drei Länder liegen an der sogenannten Balkanroute, auf der im vergangenen Jahr mehr als eine Million Menschen in die wohlhabenden Staaten Europas gezogen waren. Im März wurde die Route durch Grenzschließungen blockiert. Deshalb versuchen zahlreiche Migranten, illegal an den Kontrollen vorbei zu kommen.

(dpa/isw)
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