Jahresrückblick 2003 - OKTOBER
zuletzt aktualisiert: 05.12.2003 - 09:5140. Woche bis 5. Oktober
1. Oktober:
- Bundesfinanzminister Eichel will das Koch/Steinbrück-Konzept zum Subventionsabbau nicht nur komplett übernehmen, sondern noch deutlich darüber hinausgehen. Auch die Grünen und die FDP wollen den Rotstift viel stärker ansetzen.
- Das israelische Kabinett stimmt einem Ausbau des Grenzzauns zu den palästinensischen Gebieten zu.
2. Oktober:
- Mit einer drastischen Reduzierung der Bundeswehr um insgesamt 75.000 Soldaten und zivile Mitarbeiter bis 2010 will sich Verteidigungsminister Struck den finanziellen Spielraum für eine umfassende Modernisierung der Ausrüstung der Armee schaffen. Gleichzeitig sollen voraussichtlich rund 100 der 530 Standorte der Armee geschlossen werden.
- Der südafrikanische Schriftsteller John Maxwell Coetzee erhält den Nobelpreis für Literatur.
- Der frühere neuseeländische Ministerpräsident David Lange wird mit einem Alternativen Nobelpreis geehrt.
3. Oktober:
- Mit einer zentralen Veranstaltung in Magdeburg feiert Deutschland zum 13. Mal den Tag der Wiedervereinigung.
- Nordkorea steht nach eigenen Angaben kurz vor dem Bau einer Atombombe.
- Der Zauberer Roy Horn vom Magierduo "Siegfried & Roy" wird bei einer Show in Las Vegas von einem seiner Tiger angegriffen. Er wird mit schweren Verletzungen in eine Klinik gebracht.
4. Oktober:
- Eine palästinensische Selbstmordattentäterin sprengt sich in einem Restaurant in der nordisraelischen Hafenstadt Haifa in die Luft. Neben ihr werden 19 Menschen getötet und 55 verletzt. Die Bluttat ereignet sich einen Tag vor Beginn des höchsten jüdischen Festes Jom Kippur. Zu dem Anschlag bekennt sich der Islamische Dschihad.
- Bei einem Treffen der Staats- und Regierungschefs der EU in Rom können die Mitgliedstaaten und Beitrittskandidaten ihre Differenzen bei der Ausgestaltung der geplanten Verfassung nicht ausräumen.
- Bundeskanzler Schröder beginnt in Kairo eine viertägige Nahostreise.
- Innerhalb der SPD eskaliert der Streit über die Reformagenda 2010 weiter. Parteilinke bekräftigen ihre ablehnende Haltung gegen die Reformgesetze und bestehen auf Veränderungen.
5. Oktober:
- Der Start der Lkw-Maut wird erneut verschoben, weil die Industrie auch den Stichtag 2. November nicht einhalten kann.
- Als Vergeltung für den Anschlag von Haifa bombardieren israelische Kampfflugzeuge erstmals seit zwei Jahrzehnten syrisches Gebiet. Der Angriff wird weltweit verurteilt.
- Achmad Kadyrow gewinnt die Präsidentschaftswahl in der russischen Kaukasusrepublik Tschetschenien. Seine stärksten Konkurrenten hatten sich zuvor zurückgezogen oder wurden an der Kandidatur gehindert.
41. Woche bis 12. Oktober
6. Oktober:
- Im Kampf gegen den internationalen Terrorismus wollen Deutschland und Saudi-Arabien stärker kooperieren. Geplant sei vor allem eine engere Zusammenarbeit der Sicherheitsdienste, sagt Bundeskanzler Schröder nach Gesprächen in der saudischen Hauptstadt Riad.
- Die CDU-Führung billigt das umstrittene Konzept der Herzog-Kommission zur Reform der Sozialsysteme und will es dem Parteitag im Dezember zur Entscheidung vorlegen. Es sieht vor allem einkommensunabhängige Kopfpauschalen in Höhe von etwa 264 Euro pro Person als Krankenkassenbeitrag sowie die Anhebung des Rentalters auf 67 Jahre vor.
- Neuer CSU-Fraktionschef im bayerischen Landtag wird als Nachfolger des zum Landtagspräsidenten gewählten Alois Glück dessen bisheriger Stellvertreter Joachim Herrmann.
- Forschungen zur Entwicklung der Magnetresonanztomographie bringen dem Amerikaner Paul C. Lauterbur und dem Briten Peter Mansfield den diesjährigen Medizinnobelpreis ein.
7. Oktober:
- Das türkische Parlament stimmt mit großer Mehrheit der Entsendung von Soldaten nach Irak zu.
- Bundeskanzler Schröder vereinbart mit den Vereinigten Arabischen Emiraten in Dubai eine Zusammenarbeit zur Ausbildung irakischer Sicherheitskräfte.
- Für ihre Forschungen zur Quantenphysik werden drei Wissenschaftler mit dem diesjährigen Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. Die beiden aus Moskau stammenden Physiker Alexei Abrikosov und Witaly Ginsburg sowie der gebürtige Brite Anthony Leggett werden geehrt "für bahnbrechende Arbeiten in der Theorie über Supraleiter und Supraflüssigkeiten".
- Mit dem Schwerpunktthema Russland wird die Frankfurter Buchmesse eröffnet.
8. Oktober:
- Mit großer Mehrheit wird der Schauspieler Arnold Schwarzenegger zum neuen Gouverneur von Kalifornien gewählt.
- Mit einem Spitzengespräch zwischen Bundeskanzler Schröder und dem russischen Präsidenten Putin beginnen in Jekaterinburg die sechsten deutsch-russischen Regierungskonsultationen.
- Der Nobelpreise für Chemie geht an die amerikanischen Forscher Peter Agre and Roderick MacKinnon für "Entdeckungen bezüglich der Kanäle in Zellmembranen".
- Für die Entwicklung statistischer Methoden zur Untersuchung komplizierter ökonomischer Zeitzusammenhänge erhalten der Amerikaner Robert Engle und der Brite Clive Granger den Nobelpreis für Wirtschaft.
- CSU-Chef Stoiber lehnt zentrale Punkte des von der CDU-Spitze befürworteten Herzog-Konzepts ab. Die CSU will sich mit eigenen Vorschlägen von der CDU absetzen. Außerdem kündigt Stoiber an, die CSU werde noch dieses Jahr ein eigenes Modell für eine tief greifende Steuerreform vorlegen.
9. Oktober:
- Die Arbeitslosenzahl wird die gefürchtete Fünf-Millionen-Marke nach Ansicht des Vorstandschefs der Bundesanstalt für Arbeit, Gerster, diesen Winter nicht überspringen. Mit den Septemberzahlen von 4,206 Millionen Joblosen scheint der Trend einer ständig wachsenden Arbeitslosigkeit laut Gerster durch erste Erfolge der Reformen am Arbeitsmarkt gebrochen.
- SPD und Grüne haben eine neue Lösung für die umstrittene Gemeindefinanzreform gefunden, die die Kommunen ab 2004 jährlich um drei Milliarden Euro entlasten soll. Dafür sollen Konzerne auch auf Mieten, Pachten und Leasingraten Gewerbesteuer zahlen. Die Union kündigt allerdings sofort Ablehnung im Bundesrat an.
- Bei einem Selbstmordanschlag in Bagdad kommen mindestens zehn Menschen ums Leben.
10. Oktober:
- Im Streit um das Dosenpfand erhöht die EU-Kommission den Druck auf Umweltminister Trittin. Die Brüsseler Behörde stoppt vorerst die geplante Novelle der Verpackungsverordnung. Gleichzeitig erhebt sie Bedenken gegen die von Trittin akzeptierten Rücknahmesysteme.
- Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr zum ersten Mal an eine Muslimin: Die iranische Anwältin Schirin Ebadi wird für ihren Einsatz für Demokratie und Menschenrechte geehrt.
- Bei einer israelischen Offensive im Gazastreifen werden sieben Palästinenser getötet. Unterstützt von Kampfhubschraubern rücken Truppen ins Flüchtlingslager Rafah ein.
- Der japanische Ministerpräsident Koizumi löst das Unterhaus des Parlaments auf und setzt Wahlen für den 9. November an.
- Nach sechsjähriger Bauzeit wird das größte Wasserstraßenkreuz Europas bei Magdeburg für den Schiffsverkehr freigegeben.
- Der Zaunkönig wird als "Vogel des Jahres 2004" vorgestellt.
- Niederlage für Dieter Bohlen im Bücher-Streit: Das Hamburger Landgericht gibt den "Tagesschau"-Sprechern Herman und Riewa sowie Schauspielerin Elvers in vollem Umfang Recht und bestätigt sechs Einstweilige Verfügungen gegen das Bohlen-Werk "Hinter den Kulissen".
11. Oktober:
- Gegen die Deutsche Bank gibt es ein weiteres Ermittlungsverfahren. Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft bestätigt einen Vorabbericht des "Spiegels", wonach wegen Betrugs und Untreue gegen Vorstandssprecher Ackermann und Aufsichtsratschef Breuer ermittelt wird. Hintergrund ist der Verkauf der Versicherungsfirma Deutscher Herold an die Zurich Financial Services im April 2002.
- Ein 35-jähriger Jugoslawe nimmt in Hamburg auf der Flucht vor der Polizei nacheinander vier Frauen als Geiseln. Die Polizei kann ihn auf der Flucht nach kurzer Zeit bei einer Großfahndung festnehmen.
12. Oktober:
- Der palästinensische Ministerpräsident Kureia kündigt nach nur einer Woche seinen Rücktritt an. Anlass ist ein Streit mit Arafat, wer die Aufsicht über die palästinensischen Sicherheitsorgane haben soll.
- Ein amerikanisches Ärzteteam in Dallas im US-Staat Texas trennt das am Kopf zusammengewachsene Zwillingspaar Mohamed und Ahmed aus Ägypten in einer 34-stündigen Operation.
- Bei einem Brand in einer psychiatrischen Anstalt in Randilowschtschina in Weißrussland kommen 30 Patienten ums Leben.
- Kuwait führt das Frauenwahlrecht bei Kommunalwahlen ein.
42. Woche bis 19. Oktober
13. Oktober:
- Die EU stellt für den Wiederaufbau Iraks zunächst 200 Millionen Euro zur Verfügung.
- Mit einem neuen Abkommen wollen der britische Premierminister Blair und der irische Ministerpräsident Ahern den festgefahrenen Friedensprozess in Nordirland wieder in Gang bringen.
- Auf deutsche Initiative stimmt der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen der Ausweitung des Mandats für die internationale Friedenstruppe in Afghanistan zu.
- Im ersten Prozess zum Kinderschänder-Fall Pascal gesteht der Angeklagte vor dem Saarbrücker Landgericht, den seit zwei Jahren vermissten Jungen mehrmals sexuell missbraucht zu haben. Der 49-Jährige gibt außerdem zu, auch einen Spielkameraden von Pascal im Hinterzimmer einer Saarbrücker Bierkneipe mehrmals missbraucht zu haben.
14. Oktober:
- Vier Tage vor der Schlussabstimmung im Bundestag billigt die SPD-Fraktion einstimmig die umstrittene Arbeitsmarktreform.
- Die Pannenserie beim Lkw-Mautsystem hat erste personelle Konsequenzen: Der Chef der Betreiberfirma Toll Collect, Rummel, muss gehen.
- Der bayerische Ministerpräsident Stoiber macht seinen Staatskanzleichef Huber zum Bundesratsminister mit weit reichenden Kompetenzen bei den anstehenden Reform-Entscheidungen im Berliner Vermittlungsausschuss. Als Sonderminister soll er zugleich eine große Verwaltungsreform in Bayern organisieren.
- Das erste Treffen serbischer und albanischer Politiker seit Ende des Kosovo-Krieges endet im Streit. Serbien lehnt die Forderung nach einer Unabhängigkeit Kosovos ab.
15. Oktober:
- Der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan wird über den Raum Kabul hinaus ausgeweitet und um weitere zwölf Monate verlängert. Das Bundeskabinett billigt die Entsendung von maximal 450 Soldaten in die nordafghanische Stadt Kundus.
- Das Bundesverkehrsministerium und der Mautbetreiber Toll Collect streiten sich jetzt öffentlich. Minister Stolpe wirft dem Konsortium wegen der Pannenserie bei der Autobahngebühr für Lkw "gezielte Fehlinformationen" vor. Toll Collect weist das zurück. Unterdessen reichen zwei Speditionen beim Landgericht Berlin erste Staatshaftungsklagen ein, um Schadenersatz vom Verkehrsministerium zu fordern.
- Bei einem Bombenanschlag auf einen Konvoi von Diplomaten im Gazastreifen kommen drei Amerikaner ums Leben, ein weiterer wird schwer verletzt. Die USA blockieren mit ihrem Veto eine UN-Resolution, mit der Israel wegen des Baus eines Sperrwalls im Westjordanland verurteilt werden sollte.
- China ist seit Mittwoch das dritte Land der Welt mit einer bemannten Raumfahrt: Vier Jahrzehnte nach der Sowjetunion und den USA gelingt der Start ins All. Der Flug der Raumkapsel mit dem 38-jährigen Oberstleutnant Yang Liwei an Bord verläuft ohne Schwierigkeiten.
- Bei einem Fährunglück in New York kommen zehn Menschen ums Leben, weitere 65 werden zum Teil schwer verletzt: Die Fähre war von Manhattan kommend bei der Anfahrt auf Staten Island gegen eine Kaimauer geprallt.
16. Oktober:
- Im diplomatischen Tauziehen um eine neue Irak-Resolution erringen die USA einen Sieg: Der UN-Sicherheitsrat billigt die vorgelegte Entschließung einstimmig. Diese sieht vor, dass bis zum 15. Dezember ein Zeitplan für Wahlen in Irak sowie für die Ausarbeitung einer Verfassung vorgelegt werden soll. Es wird festgelegt, dass das Mandat der von der Resolution autorisierten internationalen Truppen mit der Wahl einer irakischen Regierung endet.
- Als vierter Papst in der rund 2.000 Jahre alten Geschichte der katholischen Kirche feiert Johannes Paul II. sein 25-jähriges Pontifikat.
- Die Krise in der Reisebranche treibt überraschend den Ferienflieger Aero Lloyd in die Pleite. Rund 8.500 Passagiere sitzen auf Flughäfen weltweit fest. Das Unternehmen hatte um 06.00 Uhr den Flugbetrieb komplett eingestellt, weil der Mehrheitsgesellschafter Bayerische Landesbank ein Sanierungskonzept abgelehnt hat.
- Das frühere Deutsche-Bank-Vorstandsmitglied Fischer wird neuer Chef der angeschlagenen Westdeutschen Landesbank.
- Die Weißtanne wird zum "Baum des Jahres 2004" erklärt.
17. Oktober:
- Nach wochenlangem Ringen um sozialverträgliche Lösungen bringt die rot-grüne Regierungskoalition ihre Arbeitsmarktreform mit eigener Mehrheit über die erste parlamentarische Hürde.
- Der Bundestag beschließt mit rot-grüner Mehrheit das Vorziehen der Steuerreformstufe 2005 auf 2004.
- Die Gesundheitsreform nimmt die letzte parlamentarische Hürde. Nach dem Bundestag stimmt auch der Bundesrat dem Kompromiss von Koalition und Union zu. Damit kann die Reform wie geplant zum 1. Januar 2004 in Kraft treten.
- Die Vereinigung Kalifatstaat des Kölner Islamistenführers Kaplan bleibt verboten. Nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts verstößt das von Bundesinnenminister Schily ausgesprochene Verbot nicht gegen das Grundrecht der Religionsfreiheit.
- Unter Spionageverdacht wird ein Mitarbeiter des BND verhaftet. Ihm wird vorgeworfen, von Ende 1999 bis September 2003 einer Angehörigen eines ausländischen Nachrichtendienstes geheimhaltungsbedürftige Unterlagen übergeben zu haben. Nach unbestätigten Medienberichten handelt es sich um den bulgarischen Geheimdienst.
- Der bolivianische Präsident Gonzalo Sanchez de Lozada tritt zurück. Die Amtsgeschäfte übernimmt der bisherige Vizepräsident Carlos Mesa.
- In der taiwanischen Hauptstadt Taipeh steht der höchste Wolkenkratzer der Welt, das Hochhaus "Taipeh 101". Es ist mit 508 Meter 50 Meter höher als die bisherigen Weltrekordhalter, die Petronas Towers in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur. Das höchste Bauwerk überhaupt ist nach wie vor der Fernsehturm von Toronto, der 553 Meter hohe CN Tower.
18. Oktober:
- Zwei auf einer Nebenbahnstrecke im Sauerland abgestellte Arbeitswaggons machen sich selbstständig und rollen ins Stadtzentrum von Attendorn im Kreis Olpe, wo sie auf einem Bahnübergang Autos und Passanten rammen: Zwei Fußgängerinnen werden getötet, acht weitere Menschen werden verletzt.
- Der unter Stasi-Verdacht geratene Geschäftsführer der Bewerbungskomitee Leipzig 2012 GmbH, Dirk Thärichen, wird mit sofortiger Wirkung abberufen. Er hatte bereits zuvor sein Amt wegen der gegen ihn erhobenen Vorwürfe ruhen lassen.
- Die Staaten der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (APEC) einigen sich auf eine schärfere Kontrolle des Raketenhandels und gemeinsame Maßnahmen gegen die Lungenkrankheit Sars.
- Als sechster Astronaut der Europäischen Raumfahrt-Behörde ESA startet der Spanier Pedro Duque zur Internationalen Raumstation ISS. An Bord der russische Sojus-Rakete ist neben Duque auch die neue ISS-Besatzung.
- Der Fernsehsender El Dschasira verbreitet ein neues Tonband mit der Stimme von Osama bin Laden. Darin wird allen Ländern mit Anschlägen gedroht, die den Irak-Krieg der USA unterstützt haben. Zugleich werden die Iraker zum Widerstand gegen die amerikanischen Truppen aufgerufen.
19. Oktober:
- Papst Johannes Paul II. spricht die Ordensgründerin Mutter Teresa selig. 300.000 Gläubige aus aller Welt strömen auf den Petersplatz in Rom, um der Zeremonie für den "Engel der Armen" beizuwohnen.
- Bei der Parlamentswahl in der Schweiz gewinnt die rechtskonservative SVP die meisten Mandate.
- Der Rentenbeitrag bleibt 2004 bei 19,5 Prozent stabil. Dafür kommt es erstmals in der Geschichte der Republik zu einer faktischen Rentenkürzung. Entsprechende Beschlüsse teilt Bundeskanzler Schröder nach einer Klausurtagung der Koalition mit. Union und FDP üben heftige Kritik und betonen, sie würden keinesfalls die Hand zum Konsens reichen.
- Ex-Verteidigungsminister Scharping kündigt an, sein Amt als stellvertretender SPD-Vorsitzender aufzugeben.
- Der FDP-Parteivorsitzende Westerwelle ruft sich selbst zum Spitzenkandidaten seiner Partei bei der nächsten Bundestagswahl im Jahr 2006 aus.
43. Woche bis 26. Oktober
20. Oktober:
- In Bangkok beginnt ein zweitägiges Gipfeltreffen der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (APEC).
- Eine Serie von Luftangriffe im Gazastreifen kostet acht Palästinensern das Leben.
- Ver.di-Chef Bsirske ruft auf dem Bundeskongress seiner Organisation in Berlin die Gewerkschaften zu mehr Widerstand gegen die Agenda 2010 auf.
- Die positiven Signale für die deutsche Wirtschaft werden immer deutlicher. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag rechnet für 2004 mit einem Wachstum von 2,0 Prozent.
- Der größte Lotto-Jackpot seit Einführung des Euros ist geknackt. Zwei Spieler aus Bayern und Rheinland-Pfalz teilen sich die 14,6 Millionen Euro.
21. Oktober:
- Nach Verhandlungen mit EU-Außenministern sagt Iran zu, sein Programm zur Urananreicherung auszusetzen. Außerdem will Teheran das von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) geforderte Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag unterzeichnen, das unangekündigte Kontrollen der Atomanlagen ermöglicht.
- In einem öffentlichen Konsistorium auf dem Petersplatz beruft Papst Johannes Paul II. 30 neue Kardinäle.
- Ver.di-Chef Bsirske wird auf dem Gewerkschaftstag in Berlin für vier Jahre in seinem Amt bestätigt.
- Der Autobauer DaimlerChrysler muss im dritten Quartal wegen einer Abschreibung auf seine Beteiligung am Rüstungskonzern EADS einen Verlust von 1,65 Milliarden Euro einstecken.
22. Oktober:
- Trotz massiven Widerstands selbst aus der Koalition hält die Bundesregierung an der Aberkennung von Ausbildungszeiten bei der Rente fest.
- Der Start der Lkw-Maut verzögert sich immer weiter. Verkehrsminister Stolpe übergibt dem zuständigen Ausschuss des Bundestags erstmals Kopien des Vertrags mit Toll Collect.
- Nach einer Geldspritze kann die insolvente Ferienfluggesellschaft Aero Lloyd ihren Flugbetrieb in kleinem Umfang wieder aufnehmen. Die Bayerische Landesbank (BLB) stellt als Haupteigentümerin fünf Millionen Euro zur Verfügung, damit Aero Lloyd ein bis zwei Maschinen wieder einsetzen kann.
- Trotz Verurteilung durch die UN-Vollversammlung will Israel am Bau seiner Sperranlagen im Westjordanland festhalten.
- US-Präsident Bush trifft zum Abschluss seiner Asienreise in Australien ein. Der Besuch wird von Demonstrationen begleitet.
23. Oktober:
- Mit einem Appell an die Kritiker der US-Besatzungsrolle in Irak eröffnet UN-Generalsekretär Annan die Internationale Geberkonferenz in Madrid.
- In das Bergwerk von Sapadnaja in der Gegend von Rostow am Don bricht aus einem unterirdischen See Wasser ein, so dass den 77 dort arbeitenden Kumpels der Weg ins Freie versperrt ist. 25 können sich dennoch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Zwei Tage später werden 33 verschüttete Bergleute aus fast 800 Metern Tiefe gerettet.
- Das monatelange Tauziehen um den Nivea-Hersteller Beiersdorf hat ein Ende: Die Allianz verkauft 40 Prozent ihres Anteils an dem Traditionsunternehmen an eine Investorengruppe unter Führung des Kaffeekonzerns Tchibo.
- Das Seehundsterben im Wattenmeer hat den Bestand der Tiere halbiert. Während im vergangenen Jahr noch rund 21.000 Seehunde gezählt wurden, waren es im laufenden Jahr nur noch 10.800. Die Seuche gilt nach Angaben des Internationale Wattenmeersekretariats inzwischen als überwunden.
24. Oktober:
- Knapp ein Jahr nach dem Scheitern des Zuwanderungsgesetzes vor dem Verfassungsgericht nehmen Koalition und Opposition die Verhandlungen über das Reformprojekt wieder auf.
- Eine internationale Geberkonferenz in Madrid endet mit Zusagen von 13 Milliarden Dollar an Aufbauhilfe für Irak. Mit einem US-Grundstock von 20 Milliarden steigt die für den Wiederaufbau zugesagte Summe damit auf mehr als 33 Milliarden Dollar. Bei einem großen Teil der Zusagen handelt es sich aber nur um Kredite.
- In ganz Italien legen mehrere Millionen Menschen für vier Stunden ihre Arbeit nieder. Mit dem landesweiten Generalstreik protestieren die drei größten Gewerkschaften gegen die Rentenreform-Pläne der Regierung.
- Die Ära des Überschalljets Concorde geht nach rund drei Jahrzehnten mit einem letzten Flug von New York über den Atlantik nach London- Heathrow zu Ende. Gemeinsam mit dem Flugzeug aus New York landen zwei weitere Concordes in Heathrow.
25. Oktober:
- Mit dem Eintreffen eines Vorausteams von 27 Bundeswehrsoldaten läuft die erste Mission der ISAF-Schutztruppe in Kundus an. Bis zum Frühjahr sollen maximal 450 deutsche Soldaten in der nordafghanischen Region eingesetzt werden.
- Ein halbes Jahr nach dem Baubeginn geraten die Arbeiten am Holocaust-Mahnmal in Berlin ins Stocken. Das Stiftungskuratorium beschließt, einen Auftrag an die Chemiefirma Degussa zur Lieferung eines Graffiti-Schutzmittels für die Stelen zu stornieren. Während der NS-Zeit hatte eine Tochtergesellschaft der Degussa das Gift Zyklon B produziert, mit dem in den Vernichtungslagern Millionen Juden und andere Verfolgte getötet wurden.
- Zehntausende Amerikaner gehen in Washington und San Francisco gegen die Irak-Politik von US-Präsident Bush auf die Straße. An den Kundgebungen nahmen nach Angaben der Veranstalter rund 100.000 Menschen teil.
26. Oktober:
- Bei der Kommunalwahl in Brandenburg muss die SPD dramatische Verluste hinnehmen. Sie verliert 15,4 Prozentpunkte und wird mit noch 23,5 Prozent Stimmenanteil erstmals nur zweite Kraft hinter der CDU (27,8 Prozent). Die PDS bleibt mit 21,3 Prozent nahezu konstant.
- Auf ihrem Parteitag in Chemnitz bekennt sich die PDS mit einem neuen Grundsatzprogramm erstmals in ihrer Geschichte zu unternehmerischem Handeln und Gewinninteresse.
- US-Vizeverteidigungsminister Wolfowitz entkommt unverletzt einem Anschlag in Bagdad. Bei dem Raketenangriff auf das Hotel El Raschid, in dem Wolfowitz und seine Begleiter während ihres Irak-Besuchs untergebracht sind, wird ein US-Soldat getötet.
- In Kalifornien wüten verheerende Waldbrände. 13 Menschen kommen ums Leben gekommen. Mehr als 800 Häuser verbrennen.
- Mit einem Plädoyer für ausgeglichenes und nachhaltiges Wirtschaftswachstum wird in Mexiko-Stadt ein Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der G-20 eröffnet.
44. Woche bis 31. Oktober
27. Oktober:
- Ein Selbstmordattentäter bringt einen mit Sprengstoff beladenen Krankenwagen vor dem Sitz des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in Bagdad zur Explosion. Zwölf Menschen werden getötet, darunter zwei irakische Rotkreuz-Mitarbeiter. Bei einer Serie von weiteren Anschlägen kommen 27 Menschen ums Leben.
- Die Festnahme des russischen Unternehmers Michail Chodorkowski erschüttert die Finanzmärkte. Der Aktienkurs des Ölkonzerns Jukos, dessen Vorstandsvorsitzender Chodorkowski war, bricht um 20 Prozent ein.
- Der CSU-Vorsitzende Stoiber und der DGB-Chef Sommer betonen nach einem Spitzengespräch Gemeinsamkeiten in der Sozialpolitik. Trotz gegensätzlicher Meinungen zur Arbeitsmarktreform seien sie an einer Fortsetzung des "fairen Dialoges" interessiert.
28. Oktober:
- Die Ablehnungsfront der Union gegen das Vorziehen der Steuerreformstufe 2005 auf 2004 erhält einen weiteren Riss. Nach seinem baden-württembergischen Kollegen Teufel kündigt der thüringische Ministerpräsident Althaus (beide CDU) an, notfalls aus dem Unionslager auszuscheren und dem Projekt im Bundesrat zum Erfolg zu verhelfen.
- Mehr als zwei Monate nach Beendigung des Geiseldramas in der Sahara trifft Außenminister Fischer in Mali ein. Der Kurzbesuch ist Auftakt zu einer einwöchigen Afrika-Reise, die den Minister auch nach Namibia und Südafrika führt.
- Die norddeutsche Polizei zerschlägt eine Gruppe von gewaltbereiten Neonazis mit dem Kampfnamen "Combat 18". Dabei handelt es sich um den bewaffneten Arm der im Jahr 2000 verbotenen rechtsextremistischen Gruppe Blood and Honour.
29. Oktober:
- Die Regierung billigt die höchste Jahresneuverschuldung in der Geschichte der Bundesrepublik. Finanzminister Eichel ist nun ermächtigt, 2003 Kredite über 43,4 Milliarden Euro aufzunehmen.
- In einem dramatischen Wettlauf gegen die Zeit werden elf der 13 verschütteten Bergleute in Südrussland nach fast einer Woche unter Tage lebend geborgen. Einer der Kumpel wird tot geborgen, ein weiterer wird noch vermisst.
- Die britischen Konservativen wählen ihren Oppositionsführer Iain Duncan Smith in einer Vertrauensabstimmung ab.
30. Oktober:
- Der Exodus internationaler Hilfsorganisationen aus Bagdad setzt sich fort. Die Vereinten Nationen kündigen an, bis auf weiteres alle Mitarbeiter aus der irakischen Hauptstadt abzuziehen.
- Der Vorstoß von Bundesjustizministerin Zypries (SPD) zur Lockerung des Embryonenschutzes löst einen Sturm der Entrüstung aus. Politiker von Unionsparteien, Grünen und auch SPD, sowie Ärzte und Kirchen wenden sich gegen eine Aufweichung der geltenden Restriktionen. Nur von der FDP kommt Zustimmung.
- Ungewöhnlich starke Sonnenaktivitäten zaubern Polarlichter an den Himmel. Bei der UFO-Meldestelle in Mannheim gehen zahlreiche Berichte über "seltsame Himmelsphänomene" ein.
31. Oktober:
- Politischen Wirbel löst eine Rede des nordhessischen CDU-Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann aus. Er sagte in dem bereits am 3. Oktober in Neuhof bei Fulda gehaltenen Vortrag, vor allem jüdisch-stämmige Bolschewisten seien für Verbrechen der kommunistischen Revolution in Russland verantwortlich gewesen und benutzt das Wort "Tätervolk".
- Auf pensionierte Beamte kommen nach Angaben des Bundesinnenministeriums 2004 die gleichen Einschnitte zu wie auf Rentner.
- Die Polizei sprengt bei einer Großrazzia einen Münchner Kinderschänderring und nimmt zwölf Verdächtige fest.
- Nach 22 Jahren im Amt tritt der malaysische Ministerpräsident Mahathir Mohamad zurück. Als Nachfolger wird sein Stellvertreter Abdullah Ahmad Badawi vereidigt.
- Zum Abschluss seiner Afrika-Reise trifft Außenminister Fischer mit Südafrikas Präsident Mbeki zusammen.
Tote im OKTOBER:
2. Gunther Philipp, 85, österr. Schauspieler, Kabarettist und
Lustspielautor, in Bonn
5. Neil Postman, 72, US-Medienwissenschaftler und Kulturkritiker,
in New York
11. Fredy Knie, 83, schweiz. Zirkus-Direktor, in Rapperswil
13. Erwin Kurt Scheuch, 75, dt. Soziologe, in Köln
14. Léon Schwartzenberg, 79, frz. Krebsforscher, in Paris
14. Ben Metcalfe, 83, kanad. Journalist und Umweltaktivist, einer
der Gründer von Greenpeace, in Vancouver Island
18. Manuel Vazquez Montalban, 64, span. Autor, in Bangkok
19. Alija Izetbegovic, 78, ehem. bosnischer Präsident, in
Sarajevo
23. Mayling Soong, genannt Madame Chiang Kai-shek, 105, Witwe des
chin. Nationalistenführers, in New York
26. Kim Yong Sun, 69, nordkorean. Politiker, in Seoul
27. Peter Schlüter, 57, dt. langjähriger Hauptgeschäftsführer des
Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV)
28. Takashi Sonobe, 62, Chef des jap. Autoherstellers Mitsubishi
30. Franco Corelli, 82, ital. Tenor, in Mailand
31. Kamato Hongo, 116, Japanerin, älteste Frau der Welt
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