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Proteste gegen Flüchtlinge
Glückwunsch, liebe Asylkritiker, Jan Leyk ist auf Eurer Seite

Der Facebook-Hooligan und Proll-DJ Jan Leyk hat bisher nur gegen die Deutsche Bahn und Sebastian Edathy gehetzt. Nun hat er auch Flüchtlinge als Ziel seiner Wutanfälle entdeckt. Von Sebastian Dalkowski

Frauke Petry ist nicht gerade das, was man einen Popstar nennt. Deshalb haben die besorgten Bürger und Asylkritiker ein Problem: Sie haben zwar (zu) viele Unterstützer, aber keine prominenten Fürsprecher. Die haben sich bisher lieber für Flüchtlinge eingesetzt. Nun aber haben sie einen Promi für sich gewonnen, der kaum besser zu ihnen passten könnte: Jan Leyk.

 

Mallorca!! ☀️🏄🚤❤️✌️ #freiheit #lieblingsinsel #moments #friends #ruhevordemsturm #tourstop

Ein von Jan Leyk (@jan_leyk_official) gepostetes Foto am

Wenn Jan Leyk, 31, etwas sagt, dann sagt er das nicht zwischen den Zeilen, sondern streicht die Zeilen durch und schreibt seinen Text mit Edding drüber. Ohne Rücksicht auf Rechtschreibung, Tonfall und die Gefühle von Ausrufezeichen.

So beschimpfte er während des Lokführerstreiks im Mai in einem Posting GDL, Lokführer und "Herr Hitl**.....ähhhhh Weselsky" als "Vollspasstis" und "faules, undankbares Halbzeller Pack". Bis heute gefällt das 27.238 Menschen. Dem SPD-Politiker Sebastian Edathy wünschte er im Zuge der Ermittlungen wegen des Besitzes von Kinderpornographie, dass er "an jedem Ort auf diesem Planeten bespuckt und mit Steinen beworfen" werde. Nun hat er einen Eintrag an die Spitze seiner Facebook-Pinnwand geheftet, der ein neues Ziel hat: Flüchtlinge.

Bekannt geworden ist Leyk als Darsteller in der Reality-Seifenoper "Berlin - Tag & Nacht". 2012 kündigte ihm RTL II, weil ein Video veröffentlicht worden war, in dem Leyk gegenüber seiner damaligen Freundin Gewalt verübte. Seitdem ist er als DJ in der ganzen Welt unterwegs und seit Juni beim Major-Label Universal unter Vertrag. Jan Leyk folgen 1,2 Millionen Menschen bei Facebook. Was er sagt, verbreitet sich im Netz. Jan Böhmermann nannte ihn in seiner Sendung "Neo Magazin Royale" das "Sprachrohr des sehr kleinen Mannes". Das Wutposting gegen Weselsky war Leyks Durchbruch.

Beim Thema "Flüchtlinge" hatte er sich bisher auf die Seite der Flüchtlinge gestellt. Noch am 31. August wandte er sich gegen die so genannten besorgten Bürger und "Ich bin ja kein Nazi, aber..."-Sager: "Ziehe für zwei Wochen in eine echte Flüchtlingsunterkunft und genieße den unbeschreiblichen Luxus, nichts tun zu müssen und dich hemmungslos durchschmarotzen zu können. Wenn du nach diesen zwei Wochen noch "Ja, aber..." sagst, darfst du diesen Luxus für immer behalten."

Nun hat er offensichtlich die Seiten gewechselt. In einem Posting, das er fest an die Spitze seiner Facebook-Pinnwand geheftet hat und das bisher fast 70.000 Likes hat, hält er die Aufnahme-Kapazitäten Deutschlands für erschöpft: "Es ist die Rede von über 2 Millionen Flüchtlingen.....Machen wir uns nichts vor, dass funktioniert doch vorne und hinten nicht!!!"

Dann kommt er auf die angeblich zahlreichen kriminellen Asylbewerber zu sprechen: " JA.....jeder Mensch hat das Recht auf Asyl....find ich gut....aber dann soll er sich auch dementsprechend benehmen und sich der Situation anpassen!!" Und weiter: "Es erreichen mich ohne Ende Nachrichten, in denen man von Übergriffe auf Leute lesen muss, die bereit waren zu teilen und das es für viele kriminelle Flüchtlinge die hier hergekommen sind trotzdem noch nicht genug war!!!"

Damit er aufgrund der Vorverurteilung von Flüchtlingen und der ungeprüften Übernahme von "ohne Ende Nachrichten" bloß nicht für fremdenfeindlich gehalten wird, greift er zu zwei beliebten Tricks besorgter Bürger. Erstens - darauf verweisen, dass man mit Ausländern befreundet ist: "Mein bester Freund ist Afghane.....war selber Kriegsflüchtling mit seiner Familie....hat noch nie auch nur einen Apfel geklaut oder jemandem auf die Fresse gehauen, weil derjenige vielleicht etwas besser angezogen war."

Zweitens – einfach sagen, dass das alles nicht fremdenfeindlich gemeint ist: "Das alles hat überhaupt nichts mit Ausländerfeindlichkeit oder sonstigem zu tun."

Doch wenn das so offensichtlich ist, warum betont er es dann? Ach nee, so. Mit Edding: Doch wenn das so offensichtlich ist, warum betont er es dann???!!!

 
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