Für Günther Jauch war die Debatte eine "Werbeveranstaltung für die Große Koalition". Gleichzeitig zeigte er aber auch Verständnis für das etwas behäbige Duell, das einer Meinung nach "keins war": "Eine große Koalition ist natürlich auch ein großer Mist, um politisches Profil zu zeigen".
Der Sprecher der SPD-Linken, Björn Böhning, sieht nach dem TV-Duell keine Chance mehr für eine schwarz-gelbe Mehrheit nach der Bundestagswahl. "Steinmeier war konzeptionell und inhaltlich deutlich besser. Er hat bei den Unentschlossenen gepunktet, das wird die entscheidenden Prozentpunkte für den Swing bringen", sagte er gegenüber unserer Redaktion. Die SPD habe in ihrer Klientel das "deutlich höhere Mobilisierungspotenzial", so Böhning.
CSU-Chef Host Seehofer hat sich "sehr zufrieden" über den Auftritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel geäußert. Seehofer sagte allerdings am Montag in München zugleich, die Bundestagswahl sei "offen". Die Union müsse in den nächsten beiden Wochen noch engagiert und hart kämpfen, um zu gewinnen.
Auch Bayerns Ex-Ministerpräsident verteidigte die große Einigkeit der Duellanten: "Sie haben beide zusammen vier Jahre Politik gemacht - und dazu stehen sie auch".
Bunte-Chefredakteurin Patricia Riekel vermisste etwas die Menschlichket bei der sachorientierten Debatte: "Ich habe erwartet, dass die Duellanten Menschlichkeit zeigen". "Es geht doch nicht nur um Finanzmarktsteuern, es geht auch um die Menschen in diesem Land". Merkel überzeugte sie mehr.
Schauspielerin Ursela Monn ist von dem SPD-Kandidaten überzeugt: "Ich wünsche ihm, dass er Kanzler wird - und ich wünsche es auch uns."
SPD-Parteichef Franz Münteferig war natürlich voll des Lobes für seinen Kanzlerkandidaten. "Das war ein Durchbruch in diesem Wahlkampf", sagte er am Sonntag gegenüber dem ZDF.
Die mit Abstand schärfste Kritik des Abends kam von Theateregisseur Claus Peymann: "Es war wirklich zum Einschlafen". "Wenn es im Theater so langweilig wäre, würden wir vor leerem Haus spielen", ergänzte er in der ARD. Angesichts dieser Langeweile sehne er sich sogar nach Sarkozy und Berlusconi.
Familienministerin Ursula von der Leyen war dagegen natürlich voll des Lobes für ihre Chefin: "Sie hat sich die Butter nicht vom Brot nehmen lassen".
Auch die Reaktion vom "Supernanny" Katharina Saalfrank war vorherzusehen. Schließlich macht sie für die SPD Wahlkampf - hier mit Hubertus Heil. Saalfrank über Steinmeier: "Er hat sich sehr klar positioniert mit einer großen Freundlichkeit. Frau Merkel fand ich sehr schablonenhaft."
Scharfe Kritk an dem Format eines Kandidatenduells zwischen Union und SPD gab es von Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin: Er habe den Eindruck gewonnen, als ginge es um amerikanische Präsidentenwahlen. Keiner der beiden Kontrahenten werde ohne Hilfe einer oder zwei weiterer Parteien in das Kanzleramt einziehen können, es sei denn, "sie haben sich jetzt schon darauf verständigt, dass sie weitermachen wollen".
FDP-Generalsekretär Dirk Niebel sagte derweil im ARD-"Morgenmagazin", die Äußerungen von SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier im TV-Duell mit Merkel hätten deutlich gemacht, dass es zwischen SPD und FDP keine inhaltliche Basis gebe. "Die Inhalte passen nicht zusammen, also kann man auch nicht zusammen regieren", betonte er.
FDP-Chef Guido Westerwelle war in diesem Punkt voll auf Linie der Grünen: "Es wäre richtig gewesen, dass die drei Oppositionsfraktionen im Deutschen Bundestag mitdiskutiert hätten", sagte der FDP-Politiker am späten Sonntagabend bei "Ihre Wahl! Die Sat.1-Arena". Er fügte hinzu: "Das gehört sich auch so."