11.11. in den Karnevalshochburgen: Jecken starten in die Session
zuletzt aktualisiert: 11.11.2010 - 16:56Köln/Düsseldorf/Mainz (RPO). Punkt 11.11 Uhr hat am Donnerstag in den rheinischen Karnevalshochburgen die fünfte Jahreszeit Einzug gehalten: Mit Alaaf- und Helau-Rufen starteten tausende Narren in Köln, Düsseldorf und Mainz in eine ungewöhnlich lange Karnevalssaison. Die jecke Zeit endet erst am 9. März 2011 mit dem Aschermittwoch.
Tausende verkleidete Jecken versammelten sich auf dem Kölner Heumarkt. Bei frostigen Temperaturen schunkelten sie sich zu kölschen Stimmungsliedern warm und freuten sich über den Sessionsauftakt. Allein in der Kölner Altstadt schunkelten mehrere zehntausend Kostümierte mit dem Dreigestirn aus Prinz, Bauer und Jungfrau in den Karneval, der in der Domstadt diesmal unter dem Motto steht "Köln hat was zu beaten".
Wem es zu kalt war, der reihte sich in die meterlangen Schlangen vor den Kneipen in der benachbarten Altstadt ein. Dort drängten sich Zehntausende Jecken durch die engen Gassen. Ab Mittag füllten sich dann auch die Straßen im universitätsnahen "Kwartier Latäng", so dass der Straßenbahnverkehr eingestellt wurde. Schon am frühen Morgen hatten die Narren die Bahnsteige des Hauptbahnhofs "besetzt" und für Verspätungen gesorgt.
20.000 Plastikbecher hatte die Stadt für ihre Aktion "Spaß ohne Glas" bereitgestellt. Die war erst wenige Tage zuvor vom Oberverwaltungsgericht Münster genehmigt worden. Um Unfälle und Verletzungen durch Glasscherben zu vermeiden, fanden an den Zugängen zu den beiden Festmeilen Kontrollen statt.
Zum Unmut vieler Narren wurden Glasflaschen eingesammelt. Bevor sie in den Container geworfen wurden, mussten sie aber entleert werden. Die einen kippten ihre Getränke schnell herunter, andere füllten sie in Plastikflaschen oder Becher um.
Die Verlustquote war dabei bisweilen gewaltig. Eine Gruppe aus der Eifel musste ihren ganzen Bierkasten umfüllen und verlor dabei ein gutes Viertel des Gerstensaftes. Dennoch nahmen sie es mit Humor und freuten sich auf das Feiern.
35 Euro Strafe für "Wildpinkler"
Damit das Glasverbot eingehalten wird, waren zur Überwachung 140 Ordnungskräfte im Einsatz. Sie hatten auch ein Auge auf "Wildpinkler", die sich abseits von Toiletten erleichterten. "Natürlich erwischen wir nicht jeden", sagte ein Ordner. Aber jeder, den er erwische, müsse sofort 35 Euro zahlen.
Narrenschelte in Düsseldorf
Unter dem Motto "Jebuddelt, jebaggert, jebützt" ("Gebuddelt, gebaggert, geküsst") läuteten in Düsseldorf rund 6000 Menschen den Karneval ein. Mit einem lautstarken "Hoppeditz erwache" lockten Tausende Jecken auf dem Düsseldorfer Rathausplatz pünktlich um 11.11 Uhr die Narrenfigur aus einem übergroßen Löwensenf-Kübel. Sofort begann der mit Pumphosen und rot-weißen Bommeln geschmückte Hoppeditz seine traditionelle Narrenschelte auf die politischen und gesellschaftlichen Ereignisse in der Landeshauptstadt.
Dabei thematisierte er unter anderem den Düsseldorfer U-Bahn-Bau und die Arbeitsmoral der Beamten im Rathaus. Einen Seitenhieb auf die rheinischen Karnevalskonkurrenten in Köln konnte sich die Narrenfigur ebenfalls nicht verkneifen. "Eine Straße nach Colonia hat wenig Sinn - denn wer will da schon hin", sagte der Hoppeditz unter dem begeisterten Gejohle der schunkelnden Menge.
Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) wies den Hoppeditz in seiner Gegenrede vom Balkon des Rathauses umgehend in seine Schranken. Die Narrenfigur könne allerdings froh sein, dass er Elbers und nicht Schäuble heiße, sagte der OB in Anspielung auf den schroffen Umgang von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) mit seinem Pressesprecher.
Die Kritik an den Kosten für die Ausrichtung des Eurovision Song Contests im kommenden Jahr konterte Elbers. Die Stadt werde dadurch "für eine Nacht der Mittelpunkt Europas". Zudem habe Düsseldorf den Zuschlag vor Berlin bekommen, "weil wir keine Luftschlösser bauen". Nachdem sich der Oberbürgermeister wieder in sein warmes Rathaus zurückgezogen hatte, feierten die Jecken auf dem Rathausplatz und in den Kneipen der Düsseldorfer Altstadt ausgelassen weiter.
Am Mainzer Fastnachtsbrunnen lautete die Parole "Egal, was kommt, egal, was ist - der Mainzer Narr bleibt Optimist". Laut Polizei feierten am Mittag etwa 1000 Menschen den Fastnachtsauftakt auf den Mainzer Straßen.
Auf dem Bonner Markt erwartete Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch (SPD) die närrische Prominenz, darunter Prinz und Bonna sowie die Wäscherprinzessin.
Die Cottbuser Narren dagegen müssen das Rathaus ohne neues Lausitzer Prinzenpaar stürmen: Es sei bisher kein Prinz gefunden worden, erklärte der Kanzler der Ehrensenatoren, Wolfgang Bialas, am Mittwoch. Dem Karneval-Verband-Lausitz (KVL) gehören gut 50 Mitgliedsvereine in und um Cottbus an.
In den kommenden Monaten dürfen sich die Karnevalisten nun wieder auf die traditionellen Sitzungen in der fünften Jahreszeit freuen. Die Eröffnung des Straßenkarnevals an Weiberfastnacht fällt auf den 3. März, ehe die neue Session ihrem Höhepunkt zustrebt - den Rosenmontagszügen am 7. März. Zwei Tage später heißt es für die Narren dann wieder: Am Aschermittwoch ist alles vorbei...
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