Demografie: Jeder fünfte Deutsche ist im Rentenalter
zuletzt aktualisiert: 11.01.2011 - 17:32Berlin (RPO). Von den rund 81 Millionen Einwohnern in Deutschland sind nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes Ende 2009 knapp 17 Millionen Menschen älter als 65 Jahre gewesen. Zum Vergleich: 15 Jahre und jünger waren nur gut elf Millionen. Damit war mehr als jeder fünfte Einwohner (20,7 Prozent) im Rentenalter.
Seit 1990 stieg die Zahl der älteren Menschen bundesweit um rund 42 Prozent (plus 5 Millionen Personen). Die Bevölkerungszahl insgesamt nahm im selben Zeitraum nur um 2,6 Prozent zu.
Die Mehrheit der älteren Menschen ist weiblich: Ende 2008 waren 57,7 Prozent der Personen ab 65 Jahren Frauen und 42,3 Prozent Männer. Rund drei von fünf Personen in dieser Altersgruppe waren verheiratet, dies war bei den Männern mit rund 75 Prozent weitaus stärker ausgeprägt als bei den Frauen (45 Prozent).
Zahl pflegebedürftiger Migranten nimmt stetig zu
Deutschland ist nach Ansicht des Berliner Altersforschers Peter Zeman nicht gut auf Migranten vorbereitet, die hier ihre letzten Lebensjahre verbringen wollen. Lange Zeit sei man davon ausgegangen, dass die Arbeitsmigranten nicht hierblieben, sondern in ihre Heimat zurückzukehrten, sagte er im dapd-Interview. Auch die meisten Migranten selbst hätten ursprünglich den Plan gehabt, nach einem Arbeitsaufenthalt in Deutschland in ihren jeweiligen Heimatländern den Ruhestand zu verbringen. Die zunehmende Zahl älterer Migranten stellt Pflegeeinrichtungen und medizinische Dienste vor besondere Herausforderungen. Es gebe inzwischen eine Reihe von Modellprojekten für den Umgang mit älteren Einwanderern, sagte Zeman. Wichtig sei aber auch, das Konzept interkultureller Öffnung in die Regelversorgung einzubinden.
Laut Schätzungen werden 2020 1,98 Millionen Über-60-Jährige mit Migrationshintergrund in der Bundesrepublik leben. 2030 werden es 2,85 Millionen sein. "Da rollt schon eine Welle auf uns zu", sagte der Wissenschaftler. Viele Migranten blieben hier wegen der Qualität der gesundheitlichen Versorgung und weil ihre Familie inzwischen in Deutschland lebe. Gerade bei Türken sei der Wunsch stark verankert, in der Familie gepflegt zu werden. Aber die Familienangehörigen seien damit oft überfordert, "das ist nicht viel anders als bei Deutschen auch".
Es gebe, was die Pflege und Versorgung Älterer betreffe, inzwischen das Konzept der interkulturellen Öffnung, sagte Zeman. Interkulturelle Kompetenz bestehe darin, Gruppen nicht automatisch kulturelle Eigenarten zuzuschreiben, sondern zu erkennen, wann Unterschiede kulturell bedingt seien oder zum Beispiel sozial beziehungsweise individuell. Zahlreiche Einrichtungen, Pflegedienste oder Ähnliches arbeiteten nach dem Prinzip. Hilfreich sei es auch, wenn jüngere Mitglieder einer Migrantengruppe an der Versorgung Älterer beteiligt werden. Darüber hinaus sollten bestehende Netzwerke wie Familien, die Nachbarschaft, das kulturelle Umfeld genutzt und in die Versorgung eingebunden werden.
Sprachprobleme und unterschiedliche Traditionen, zum Beispiel andere Essgewohnheiten, machen beispielsweise die Unterbringung pflegebedürftiger Migranten in stationären Einrichtungen schwierig. Hinzu kommt ein oft anderes Verständnis von Krankheit und Gesundheit. Vor allem in größeren Städten mit einem höheren Ausländeranteil gibt es Projekte zur Versorgung und Betreuung älterer Migranten, auch haben sich schon Pflegedienste auf einzelne Gruppen spezialisiert. Wie groß der Versorgungs- und Pflegebedarf bei älteren Migranten tatsächlich sein wird, ist bisher allerdings nur schwer absehbar.
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