Experten schlagen Alarm: Jeder vierte Jugendliche ist arm
zuletzt aktualisiert: 14.06.2008 - 21:47Berlin (RPO). Sie gehen jeden Tag zur Arbeit, lernen einen Beruf. Dennoch gibt es Jugendliche, die trotz ihres Ausbildungsvertrags kaum Geld in der Tasche haben. Nach Einschätzung von Experten nimmt die Armut unter Jugendlichen zwischen 16 und 24 in Deutschland erschreckend zu.
Die Arbeitsgemeinschaft der Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) wies am Samstag darauf hin, dass inzwischen jeder Vierte zwischen 16 und 24 Jahren in Armut lebt oder von Armut bedroht ist. Bundesweit seien dies mehr als 2,4 Millionen Jugendliche.
Es gebe Berufe, bei denen sogar die tarifliche Ausbildungsvergütung unter dem Hartz-IV-Satz liege, sagte der Vorsitzende des AGJ, Norbert Struck. "Ein Friseur-Azubi verdient im ersten Ausbildungsjahr im Westen gerade einmal 331 Euro pro Monat. Sein Mit-Azubi im Osten geht sogar mit 100 Euro weniger nach Hause", monierte Struck. Auch eine Floristin verdiene im ersten Lehrjahr 331 Euro (237 Euro im Osten).
"Damit kommt keiner über die Runden. Insbesondere dann nicht, wenn die Jugendlichen noch einen längeren Arbeitsweg haben und sich Bücher anschaffen müssen. Dann kommen sie ohne Unterstützung nicht klar", sagte der AGJ-Vorsitzende. Ein Führerschein und selbst der regelmäßige Discobesuch - das alles falle für diese Jugendlichen flach.
Das Problem könne nicht länger ignoriert werden, erklärte der AGJ-Vorsitzende Norbert Struck in Berlin. Hier sei die Politik dringend gefordert. "Kinderarmut in Deutschland ist ein gravierendes Problem. Weitaus dramatischer ist jedoch die Armut von Jugendlichen."
Für die kommende Woche ist Jugendarmut ein Kinder- und Jugendhilfetag (DJHT)in Essen geplant. Die Jugendarmut soll ein zentrales Thema sein.
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