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Jena, Hamburg, Leipzig
Manipulationen bei Organtransplantation nachgewiesen

Jena, Hamburg, Leipzig: Manipulationen bei Organtransplantation nachgewiesen
Bei Transplantationslisten wurde in der Vergangenheit immer wieder gepfuscht. (Symbolbild) FOTO: dpa, Jan-Peter Kasper
Berlin. Die Transplantationsmedizin in Deutschland kommt nicht zur Ruhe. Kontrolleure haben an drei Universitätskliniken Manipulationen bei der Transplantation begehrter Spenderorgane bis zum Jahr 2015 festgestellt.

Systematische Richtlinienverstöße und Manipulationen seien bei Lungentransplantationen an der Universitätsklinik Jena aufgefallen, teilten die Prüfungs- und Überwachungskommissionen von Ärzten, Kliniken und Krankenkassen am Dienstag in Berlin mit. Geprüft worden seien die Jahre 2013 bis 2015.

Zudem seien bei den Lungentransplantationsprogrammen der Unikliniken Hamburg-Eppendorf und Leipzig systematische Manipulationen und Auffälligkeiten festgestellt worden. Diese Prüfungen bezogen sich auf den Zeitraum 2010 bis 2012. Die überwiegende Zahl der Prüfungen habe dagegen keine Auffälligkeiten ans Licht gebracht.

In Jena wurden laut Kommissionsbericht 21 Lungentransplantationen geprüft. Bei elf Patienten seien falsche Angaben bei einschlägigen Anträgen für die Organ-Vermittlungsstelle Eurotransplant gemacht worden. So seien Patienten kränker dargestellt worden, als sie es waren. Bestimmte Gehtests bei Patienten seien ohne die vom Patienten benötigte und sonst auch gegebene Sauerstoff-Zufuhr gemacht worden. "Die Kommissionen gehen weiterhin davon aus, dass diese Verstöße auch bewusst und gewollt geschehen sind." Die Klinik habe das kritisierte Vorgehen 2014 eingestellt.

Patientenakten waren nicht mehr auffindbar

Der medizinische Vorstand der Klinik, Jens Maschmann, erklärte am Dienstag, finanzielle Anreize könnten ausgeschlossen werden. Es müsse davon ausgegangen werden, "dass ein Grund auch darin lag, den betreuten, sehr schwer erkrankten Patienten helfen zu wollen, ohne dass damit der festgestellte Sachverhalt gerechtfertigt werden kann".

In Hamburg-Eppendorf seien bei 27 Lungentransplantationen 14 Verstöße festgestellt worden. Der Fall hatte bereits im November für Schlagzeilen gesorgt. Bekannt geworden waren Unregelmäßigkeiten bei Patientenakten, in einigen Fällen sollen Akten nicht mehr auffindbar gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft wollte weitere Unterlagen einsehen. Die Klinik hatte Übertragungsfehler bei der Weitergabe von Patientendaten eingeräumt. Die Organvergabe sei dadurch aber nicht beeinflusst worden.

In Leipzig stießen die Kontrolleure bei 67 Transplantationen auf 29 Verstöße, wie die Kontrolleure mitteilten. "Die Kommissionen mussten feststellen, dass es in erheblichem Umfang (...) zu Falschangaben insbesondere im Hinblick auf die Beatmungssituation, die Blutgaswerte, die Diagnosestellung und mitunter auch zu Veränderungen von Originaldokumenten gekommen ist." Es habe sich nicht um punktuelle Versehen, sondern um ein systematisches Fehlverhalten gehandelt.

Manipulationen seien heute kaum noch möglich

Vor vier Jahren hatte ein Organvergabeskandal das Vertrauen in die Transplantationsmedizin in Deutschland erschüttert. Ein Oberarzt stand im Verdacht, zuerst in Regensburg und später in Göttingen Krankenakten gefälscht zu haben. Dabei soll er die Krankheit auf dem Papier verschlimmert haben, damit den Patienten schneller eine neue Leber implantiert wurde - obwohl andere sie vielleicht nötiger gehabt hätten.

Die Politik und die Selbstverwaltung im Gesundheitswesen reagierten mit schärferen Regeln und Kontrollen. Der Arzt wurde im Mai 2015 freigesprochen, obwohl das Gericht sein Verhalten als verwerflich einstufte. Die Staatsanwaltschaft ging in Revision, darüber ist noch nicht entschieden.

Nach Angaben der Kommissionen wurden nun 14 Transplantationsprogramme vor Ort und 17 weitere schriftlich geprüft. Der ganz überwiegende Teil habe korrekt gearbeitet. So habe es bei Nierentransplantationen keine Verstöße gegeben. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, wertete die strengeren Regeln als erfolgreich: Manipulationen bei der Organvergabe seien heute kaum noch möglich.

(dpa)
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