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Innenminister Herrmann
"Ansbach-Attentäter von Chat-Partner beeinflusst"

Bombenanschlag im bayerischen Ansbach
Bombenanschlag im bayerischen Ansbach FOTO: dpa, dka
Ansbach/Gmund. Nach dem Bombenanschlag in Ansbach gibt es neue Erkenntnisse zum Attentäter. So soll der Mann von einer unbekannten Person in einem Chat direkt beeinflusst worden sein. Ein Gutachter hatte ihm zudem bereits 2015 als "extremen Geist" eingeschätzt.

"Es hat offensichtlich einen unmittelbaren Kontakt mit jemandem gegeben, der maßgeblich auf dieses Attentatsgeschehen Einfluss genommen hat", sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann am Rande einer Kabinettsklausur am Tegernsee zu einer möglichen Beeinflussung des Täters von Außen. Ob es sich dabei um einen Kontakt zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gehandelt habe, konnte Herrmann nicht sagen. Dies sei Gegenstand der Ermittlungen. Man wisse auch noch nicht, wo sich der Chat-Partner aufgehalten habe.

Bei der Auswertung der Handys des Täters seien die Ermittler auf einen "intensiven Chat" gestoßen, berichtete Herrmann und fügte hinzu: "Der Chat endet unmittelbar wohl vor dem Attentat." Herrmann sagte, man wisse noch nicht, wie lange der Chat-Kontakt bereits bestanden habe - ob das Wochen oder Monate zurückreiche oder gar noch länger.

Gutachter schlug schon Anfang 2015 Alarm

Ein psychologischer Gutachter hatte bei dem Syrer bereits Anfang 2015 einen aufsehenerregenden Suizid für möglich gehalten. Der Mann sei ein "extremer Geist", und es sei ihm "durchaus zuzutrauen, dass er selbst seinen Selbstmord noch spektakulär in Szene setzt", heißt es in einer Stellungnahme eines Therapeuten, die für das Asyl-Gerichtsverfahren des späteren Attentäters erstellt wurde. Und weiter: "Er hat nach dem Tod seiner Frau und seines sechs Monate alten Sohnes nichts mehr zu verlieren."

Ein Sprecher des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Nürnberg bestätigte diesen Inhalt des Gutachtens, über das zuerst die "Bild"-Zeitung berichtet hatte. Der Syrer war wegen Depressionen und Suizidversuchen in psychiatrischer Behandlung.

Unklar ist nach den derzeitigen Ermittlungen auch, ob der Attentäter die Bombe tatsächlich in diesem Moment am Sonntagabend zur Explosion bringen wollte. "Es gibt aufgrund der ganzen Zeugenaussagen des Geschehens und übrigens auch des Chat-Verlaufs in der Tat Fragen, ob das in dem Moment jedenfalls von ihm beabsichtigt war, in dieser Minute die Bombe zu zünden", sagte Herrmann.

Hohe Geldbeträge im Zimmer des Täters gefunden

Als weiteres Indiz für Hintermänner zu der Explosion wertete Herrmann die bei dem Flüchtling am Tatort und in seinem Zimmer gefundenen Geldbeträge. Es sei "unwahrscheinlich", dass er dieses Geld allein durch seine Zuwendungen als Flüchtling habe sammeln können. So sei bei dem 27-Jährigen eine Rolle von 50-Euro-Scheinen gefunden worden sei. "Ich war dabei, wie sie gefunden wurde", sagte er. "Woher das Geld kommt, können wir heute natürlich noch nicht sagen." Er fügte aber hinzu: "Wenn man diese Geldbeträge in bar gesehen hat, dann ist es unwahrscheinlich, dass das allein aus dem, was ein Asylbewerber in Deutschland als Taschengeld bekommt, bezahlt werden kann", sagte Herrmann und verwies zusätzlich auf die Kosten für die Materialien zum Bombenbau. Um wie viel Geld es sich handelte, konnte Herrmann aber nicht sagen.

Der 27-jährige Syrer starb am Sonntag bei der Explosion einer Bombe, die er bei sich trug. 

Alle Informationen zum Attentat in Ansbach finden Sie in unserem Dossier.

(crwo/lai/afp/dpa)
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