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Ärger wegen Ekel-Fotos
Heim bestreitet Rauswurf von fotografierendem Rentner

Fünf Ekelessen aus dem Altenheim
Fünf Ekelessen aus dem Altenheim FOTO: privat
Nürnberg. Muss der Altenheim-Bewohner Jürgen, der mit Fotos seines wenig appetitlichen Heim-Essens bundesweit bekannt geworden ist, doch nicht ausziehen? Ein Sprecher des Heimbetreibers sagt, ihm sei nie gekündigt worden. Von Judith Conrady und Sebastian Dalkowski

Angefangen hatte alles damit, dass sich Jürgen, ein früherer DJ, über das wenig appetitliche Essen in seinem Seniorenheim in Nürnberg geärgert hatte. Weil er eine schwere Lungenkrankheit hat und kaum aufstehen kann, kann der 63-Jährige nicht mehr allein leben. Wer die Gerichte sieht, die dem Frührentner Tag für Tag vorgesetzt werden, könnte denken, Jürgen könne auch nicht mehr kauen: Auf den Tellern befindet sich an vielen Tagen ein Klecks Brei von undefinierbarer Farbe. Jürgen hat zwar ein paar Probleme mit seiner Zahnprothese, kann aber problemlos feste Nahrung zu sich nehmen. Das jedenfalls sagte seine Bekannte Eva Patricia Rußegger, eine Parteifreundin aus der Satire-Partei "Die Partei".

Der 63-Jährige veröffentlichte Fotos des Essens zunächst auf seiner privaten Facebookseite. Später erstellte er mit Hilfe von Rußegger eine eigene Seite nur für die Essensfotos. Seit Anfang der Woche berichten Medien deutschlandweit über Jürgen und den Brei auf seinen Tellern, und seine Facebook-Seite hat inzwischen mehr als 28.000 Fans.

Den Betreibern des Heims gefällt das nach Angaben von Rußegger gar nicht. Sie hätten Jürgen mitgeteilt, dass er innerhalb von acht Wochen aus dem Heim ausziehen müsse, sagt Rußegger. Und ihm verboten, sich weiter öffentlich zu dem Thema zu äußern. Jürgen wird seine Facebook-Seite deshalb nicht mit mehr mit neuen Fotos aktualisieren. Sie bleibt aber vorerst online.

Eine andere Bekannte sagt, sie habe an diesem Gespräch teilnehmen wollen, doch die Heimleiterin habe dies abgelehnt, obwohl Jürgen sie hatte dabeihaben wollen. Der Betreiber "Pro Seniore" bestreitet sowohl diesen Vorgang als auch die Kündigung und das Verbot für Jürgen, sich weiter zu äußern.

Das Heim bestreitet auch die anderen Vorwürfe. "Wegen seiner Krankheit muss laut Arzt sein Essen püriert werden", sagt Peter Müller, Pressesprecher von Pro Seniore. Sonst könne er daran ersticken. Dass auf einigen Fotos nicht-zerkleinerte Gerichte zu sehen seien, begründet er damit, dass die Bewohner, wenn möglich, vorher das Essen als Ganzes sehen sollten, bevor es mundgerecht gemacht wird. Müller nennt Jürgen einen "Menschen mit Eigenarten", der "partielle Wahrnehmungsstörungen" habe. Er lebe stark in seiner Traumwelt mit hohen Ansprüchen, die er noch von seinem DJ-Leben kenne.

Einige Fotos von Jürgens Essen im Heim sehen Sie hier.

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