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Bevölkerungsprognose
Jung zu sein ist schön, aber auch eine große Last

Bevölkerungsprognose: Jung zu sein ist schön, aber auch eine große Last
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Meinung | Berlin. Jeder Dritte wird im Jahr 2060 nicht mehr im erwerbstätigen Alter sein, heute ist es erst jeder Fünfte. Zusammen mit der kleinen Gruppe der Kinder wird die Hälfte der Bevölkerung in 45 Jahren keiner Beschäftigung nachgehen, sondern von der anderen Hälfte versorgt werden müssen. Auf die nachkommenden Generationen kommt damit eine große Last zu: Jeder, der heute geboren wird, wird später nicht nur sich selbst, sondern auch noch einen anderen Menschen miternähren müssen. Von Birgit Marschall

Die Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung werden also erheblich steigen. Gerne wird das in der Politik verdrängt, wenngleich die beängstigende Bevölkerungsprognose allen seit Langem bekannt ist. Doch die Politik unterliegt der Verführung der kurzen Frist. Denn kurzfristig kann es bis etwa 2020 sogar noch zu Beitragssenkungen kommen. Demografiebedingt sind momentan noch so viele Menschen wie noch nie in Beschäftigung, sie sorgen für volle Kassen in der Sozialversicherung. Erst ab 2020 wird auch die Babyboomer-Generation in Rente gehen, und dann steigen die Beiträge.

Spätestens dann werden sich auch die rentenpolitischen Entscheidungen der großen Koalition rächen. Denn durch die Einführung der Rente mit 63 und die Anhebung der Renten älterer Mütter schnurren die Reserven der Rentenkasse schneller zusammen als wir hinschauen können. Im materiellen Interesse der jüngeren Generationen und der Ungeborenen war das nicht, auch wenn die Mehrheit der Jüngeren ihren Müttern die höhere Rente von Herzen gönnt. Statt die Renten-Reserven zu verpulvern wäre es besser gewesen, neue Reserven aufzubauen und sie für die gegenwärtigen Rentner-Generationen unantastbar zu machen.

Stärker noch dürften die stark steigenden Ausgaben für Pflege und Gesundheit die nachfolgenden Generationen belasten. Eine obligatorische Pflegeversicherung könnte eine Lösung sein. Viele Pflegebedürftige und ihre Familien werden sich die exorbitanten Pflege-Kosten nicht mehr leisten können, zumal viele von ihnen kinderlos bleiben. Die gesetzliche Pflegeversicherung deckt schon jetzt in vielen Fällen allenfalls die Hälfte der Betreuungskosten ab. Am Ende wird der Steuerzahler den größten Teil der demografiebedingten Mehrkosten schultern müssen. Die Zuschüsse aus dem Staatshaushalt in die Sozialversicherung werden deutlich zunehmen. Die Kommunen werden viel Geld brauchen für den altengerechten Umbau der öffentlichen Infrastruktur. Auch die Altersarmut wird zunehmend zum Problem, weil es nicht nur vermögende Erben gibt. Jung zu sein, ist zwar schön, aber die materiellen Aussichten jüngerer Generationen sind es nicht.

 
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