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Schlägerei in der JVA Gelsenkirchen Panorama
  Foto: dapd, dapd
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Nach Massenschlägerei in Gelsenkirchen: JVA: Revierkämpfe im Drogenmilieu?

VON JÜRGEN STOCK - zuletzt aktualisiert: 05.10.2011 - 07:20

Gelsenkirchen (RP). Bei einer Auseinandersetzung zwischen verfeindeten Gruppen in der Haftanstalt Gelsenkirchen sind zwölf Insassen verletzt worden, einer davon schwer. Hintergrund der Schlägerei mit mindestens 45 Beteiligten sind möglicherweise Machtkämpfe im Drogenmilieu.

Mindestens 45 Menschen waren an der Schlägerei beteiligt.  Foto: dpa, dpa
Mindestens 45 Menschen waren an der Schlägerei beteiligt. Foto: dpa, dpa

Die Justizvollzugsanstalt (JVA) Gelsenkirchen galt noch bis vor Kurzem als so etwas wie ein Vorzeigegefängnis in NRW. Der 1998 in Betrieb genommene Gebäudetrakt für 600 Gefangene bietet den Insassen reichlich Sportmöglichkeiten. Um die Turnhalle, so schrieb unsere Redaktion bei der Eröffnung, würde mancher Schulleiter den Anstaltsdirektor beneiden.

Doch seit Montagmorgen möchte auch kein Gefängnisleiter mit Gelsenkirchens JVA-Chef Ralf Bothge tauschen. Da brach kurz nach neun Uhr morgens auf dem Freiganggelände des Männerhafthauses die Hölle los: 45 von 77 Gefangenen attackierten einander mit Scheren, Holzlatten und bloßen Fäusten. Andere Quellen berichten sogar von 70 Gefangenen, die sich an der wüsten Keilerei beteiligt hätten.

Sieben Streifenwagen im Einsatz

Unklar ist noch, wie viele Beamte zum Zeitpunkt des Ausbruchs der Meuterei den Freigang im Männerhaus beaufsichtigten. Die Gefängnisleitung spricht von fünf, der Bund der Strafvollzugsbediensteten (BSBD) dagegen nur von zwei Beschäftigten. Tatsache ist, dass das Aufsichtspersonal keine Chance gegen den massiven Gewaltausbruch hatte. "Die Gefangenen sind aufgefordert worden, die Freistunde zu räumen", berichtet Gefängnisdirektor Bothge. "Da ein Teil der Gefangenen dieser Aufforderung jedoch nicht freiwillig nachkam, wurde die Polizei um Hilfe gebeten."

Sieben Streifenwagen und ein Kradfahrer rückten aus. Als die 15 Polizisten ankamen, war der Spuk allerdings schon vorbei. "Die Gefangenen hatten sich schon in verschiedene Räume zurückgezogen. Sie ließen sich von unseren Männern widerstandslos zu ihren Zellen führen", berichtet Konrad Kordts von der Gelsenkirchener Polizei. Elf Gefangene wurden bei der Schlägerei leicht verletzt, einer brach sich das Handgelenk. Die Polizei ermittelt nun wegen gefährlicher Körperverletzung und Gefangenenmeuterei. "Jetzt müssen wir erst einmal sehen, wer überhaupt mit uns spricht", sagt Kordts.

Die Chancen, Gesprächspartner zu finden, dürften nicht besonders groß sein. "Das Ganze war vorbereitet. Da gibt es offensichtlich Strukturen, die wir jetzt zerstören müssen", sagt Anstaltsleiter Bothge. Er ließ 17 Gefangene, die an der Auseinandersetzung beteiligt waren, in andere Häuser verlegen, weitere Beteiligte sollen folgen.

Justizministerium: Keine Erkenntnisse 

Nach Auskunft von Klaus Jäkel, Landesvorsitzender des Bundes der Strafvollzugsbediensteten, sind Revierkämpfe zwischen deutsch-russischen Gangs auf der einen und libanesisch-türkischen Clans auf der anderen Seite um die Vorherrschaft im Drogenhandel innerhalb und außerhalb des Gefängnisses Auslöser der Massenschlägerei.

Der Gelsenkirchener BSBD-Vorsitzende Detlef Börner spricht von einem "Machtkampf, bei dem es darum geht, wer im Gefängnis das Sagen hat." Dabei würden Vollzugsbeamte in jüngster Zeit immer häufiger bedroht. "Das geht so weit, dass man sagt: ,Wir wissen, wo du wohnst.'" Börner und Jäkel sind sich einig, dass Personalmangel in der JVA ein Grund dafür sei, dass die Pläne für den Showdown in der Freistunde unentdeckt blieben.

Dem NRW-Justizministerium liegen dagegen "keinerlei Erkenntnisse über derlei ,Machtkämpfe' vor". Auch gebe es "keine Anhaltspunkte, dass Personalmangel etwas mit dem Ausbruch der Schlägerei zu tun hatte", betont ein Sprecher. "Die vorliegenden Zahlen lassen einen solchen Schluss nicht zu."

Quelle: RP

 
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