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JVA Tegel
Beamte sollen Schmuggel in Gefängnis organisiert haben

JVA Tegel: Beamte sollen Schmuggel in Gefängnis organisiert haben
Überwachungskameras auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt Tegel. Medienberichten zufolge ermittelt die Polizei gegen mindestens einen Mitarbeiter der JVA. FOTO: dpa, pdz
Mainz. In Deutschlands größter Justizvollzugsanstalt Berlin-Tegel soll es einem Bericht zufolge einen regen Schmuggel von Waren in die Haftanstalt hinein und aus dem Komplex heraus gegeben haben.

In den Schwarzhandel seien angeblich mehrere Justizbeamte involviert gewesen. Das berichtete das ZDF-Magazin "Frontal 21" am Dienstag unter Berufung auf Gefangene. Ein Sprecher der Haftanstalt bestätigte demnach, dass die Vorwürfe bekannt seien und die Polizei eingeschaltet sei.

Das Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft ermitteln laut "Frontal 21". Gefangene berichteten demnach, mit Wissen von Beamten und Insassen seien über den Fahrdienst der Haftanstalt Material, Rohstoffe und Arbeiten von Sträflingen aus der Anstalt geschmuggelt und verkauft worden. "Die Beamten haben alles, was nicht niet- und nagelfest war und in der JVA produziert worden ist, mit nach Hause genommen", wurde ein Häftling zitiert. Zudem sei er von einem Beamten erpresst worden, als er eine Beteiligung abgelehnt habe.

"Ein Skandal erster Güte"

Gegen den Beamten wird dem Magazin zufolge wegen des Verdachts der Bestechlichkeit ermittelt. Weiter hieß es, Gefangenen seien als Belohnung für die Beteiligung am Schmuggel "freie Tage" gewährt worden. Die Beamten hätten Insassen außerhalb des Gefängnisses unbeaufsichtigt den Tag verbringen lassen. Dieser Vorwurf sei "bislang nicht bekannt gewesen", teilte die Anstaltsleitung auf Nachfrage mit.

Klaus Lederer, rechtspolitischer Sprecher der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, hält die Vorgänge für einen "Skandal erster Güte". Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, habe sich über Jahre ein System organisierter Kriminalität bilden können, sagte er "Frontal 21" und sprach von einem "gravierenden Missstand".

Die Sprecherin der Senatsverwaltung für Justiz, Claudia Engfeld, kann hingegen keinen Skandal erkennen. Es gebe bislang nur Beweise gegen einen Beamten, sagte sie dem Magazin und fügte hinzu: "Wenn sich daran etwas ändern sollte, werden wir auch gegen andere Beamte entsprechende Schritte ergreifen."

(sb/afp)
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