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Rückzieher nach scharfem Protest aus
KaDeWe nimmt Siedler-Weine wieder ins Programm

KaDeWe nimmt Siedler-Weine wieder ins Programm
Das KaDeWe hat eine nach eigenen Worten übereilte Entscheidung zurückgenommen. FOTO: dpa
Berlin. Nach scharfer Kritik aus Israel hat das Berliner Kaufhaus des Westens wieder Weine ins Sortiment genommen, die aus israelischen Siedlungsgebieten stammen. Die EU hatte zuvor eine Kennzeichnungspflicht verhängt.  

Das Kaufhaus werde ab sofort wieder acht israelische Weine ins Sortiment aufnehmen, die entfernt worden waren, erklärte das KaDeWe am Sonntag. Nach der Empfehlung der EU sei "hausintern zu rasch und unsensibel gehandelt worden". Das Kaufhaus bedauerte sein Vorgehen.

"Wir bedauern, dass es durch dieses falsche Verhalten seitens der KaDeWe Group zu Missverständnissen gekommen ist und bitten, dies zu entschuldigen", hieß es in der Stellungnahme der Geschäftsleitung. Das KaDeWe sei stolz auf sein internationales Sortiment, zu dem "selbstverständlich auch über 200 israelische Produkte" gehörten. "Das KaDeWe steht für Weltoffenheit und Internationalität. Wir lehnen jede Form von Diskriminierung und Intoleranz ab."

Der Bundestagsabgeordnete Volker Beck (Grüne) begrüßte die Ankündigung. "Boykott israelischer Produkte durch das KaDeWe Berlin beendet", schrieb der Politiker im Kurzbotschaftendienst Twitter. Beck war Anfang November für seinen Einsatz gegen Antisemitismus mit dem Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden in Deutschland ausgezeichnet worden.

Die EU-Kommission hatte am 11. November eine Kennzeichnungspflicht für Waren aus israelischen Siedlungen in den besetzten Palästinensergebieten beschlossen. Künftig soll in allen 28 EU-Mitgliedstaaten die korrekte Herkunftsbezeichnung für Erzeugnisse aus dem Westjordanland und Ost-Jerusalem sowie von den Golanhöhen durchgesetzt werden. Das KaDeWe nahm daraufhin acht Weine aus dem Sortiment, bei denen der Siedlungs-Hinweis fehlte.

Am Sonntag kritisierte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu diesen Schritt. Zu Beginn der wöchentlichen Kabinettssitzung verwies er darauf, dass das KaDeWe ursprünglich jüdische Besitzer hatte, bevor es von den Nationalsozialisten beschlagnahmt wurde.

"Absurd erweise kennzeichnet das Kaufhaus nun Produkte aus Gemeinden in Judäa, Samaria und den Golanhöhen", fügte Netanjahu hinzu. Dass sogar Produkte aus den Regalen genommen würden, sei "ein Boykott in jeder Hinsicht". Die israelische Regierung protestiere gegen diesen "moralisch inakzeptablen" Schritt, fügte Netanjahu hinzu. Er forderte die Bundesregierung auf, auf "diese schlimme Angelegenheit" zu reagieren.

(AFP)