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Trend aus Japan erobert Deutschland
Kaffeetrinken mit dem Katzen-Rudel

Fotos: So sieht es im Katzen-Café aus
Fotos: So sieht es im Katzen-Café aus FOTO: dpa, Matthias Balk
München. Dem wohligen Schnurren einer Katze lauschen, während man genüsslich seinen Latte Macchiato schlürft: Der neue Trend für gestresste Großstädter kommt aus Japan und ist tierisch. In München und Berlin haben bereits sogenannte Katzen-Cafés eröffnet. Weitere sollen folgen.

Kater Jack springt mit einem Satz auf den Tisch, Katze Ayla räkelt sich derweil im plüschigen Körbchen eines Kratzbaums. Die Gäste des "Katzentempels" in München genießen währenddessen ihren Kaffee und schauen dem Katzen-Getümmel zu. Denn der Name "Katzentempel" ist Programm: Die Cafébesucher teilen sich den Gastraum des Cafés von Thomas Leidner mit vier Katzen. Hier und dort kullert ein Ball oder anderes Katzenspielzeug, an den Wänden hängen gepolsterte Regale, auf denen die Katzen herumtoben und faulenzen können. Mittendrin serviert Leidner rein pflanzliches Essen.

Weiteres Café in Planung

Auch in Berlin-Neukölln gibt es seit wenigen Tagen ein Katzen-Café. Das Konzept stamme aus Japan, sagt Inhaberin Andrea Kollmorgen. Ihre beiden Kater sollen sich im Café frei zwischen den Gästen bewegen. Der Idee liege auch ein therapeutischer Hintergrund zugrunde. "Gestresste Großstädter können herkommen und entspannen. Es ist bewiesen, dass die Anwesenheit von Katzen den Blutdruck senkt", sagt Kollmorgen. Neben hausgemachten Speisen soll es im Café Ausstellungen, Lesungen und Musik geben. Die Idee ist in Berlin nicht ganz neu. Ein weiteres Café ist bereits in Planung. Im September möchten die Gründer um die Dekorateurin Nini Gollong bekanntgeben, wann und wo es eröffnet werden soll.

Damit die Tiere in ihrem "Job" als Therapeuten nicht überfordert werden, müssen die Café-Betreiber für eine artgerechte Haltung sorgen. So brauchen die Katzen eine Rückzugsmöglichkeit, Schlafplätze, Katzentoiletten und Kratzmöglichkeiten. "Alles sollte dreidimensional gestaltet sein, Katzen möchten auch mal von oben runterschauen", sagt Daniela Schlegel, Sprecherin des Kreisverwaltungsreferats in München. Sie hat den dortigen "Katzentempel" genau unter die Lupe genommen.

Artgerechte Haltung

Und natürlich sollten die Tiere nur artgerechtes Futter bekommen und nicht am Kuchen naschen. Auch der Eingang zum "Katzentempel" ist auf die Tiere zugeschnitten: Weil die Katzen wegen des Verkehrs vor dem Café nicht raus dürfen, kommen und gehen die Gäste durch zwei Türen, die nacheinander geöffnet werden - eine Schleuse. "Der Betreiber hat auch von sich aus viele Dinge angeboten und eingerichtet. Er ist sehr bemüht, die Tiere artgerecht zu halten", meint Schlegel.

Leidner hat Verhaltensregeln für die Gäste aufgestellt. "Manchmal kommen Eltern mit ihren Kindern und sehen das als Streichelzoo an", berichtet Leidner. Deshalb sind die wichtigsten Regeln: Nicht mit Blitzlicht fotografieren, keine schlafende Katzen wecken und anfassen und nicht mit Straßenschuhen auf den Bänken herumtoben. "Eigentlich sind die Besucher bei den Katzen zu Gast", sagt der 30-Jährige. "Ich habe das Café um die Katzen aufgebaut."

Kritik von Tierschützern

Dennoch stößt das grundsätzliche Konzept der Katzen-Cafés nicht überall auf Begeisterung. Die Idee hat in Paris, wo ebenfalls ein solches Café geplant ist, Tierschützer auf den Plan gerufen. Die Stiftung der französischen Filmlegende und Tierschützerin Brigitte Bardot protestiert dagegen, "dass das Tier zum Objekt" gemacht werde.

Dem Erfolg tut das bislang aber keinen Abbruch. Täglich bekommt das Münchner Katzen-Rudel Besuch - viel Besuch. Die Tische des Cafés sind meist gut besetzt, Neugierige pressen von außen ihre Nasen an die Fenster. Er habe nicht gedacht, dass das Café so gut angenommen werde, sagt Besitzer Leidner, der selbst seit Jahren im Tierschutz aktiv ist. Die Geldgeber auch nicht: "Die Idee wurde eigentlich von allen belächelt, die Banken haben mich ausgelacht", erzählt er.

(dpa/areh)
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