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Armin M.: "Ich bereue meine Tat": "Kannibale": Kontakt zu 204 möglichen Opfern

zuletzt aktualisiert: 16.01.2004 - 11:42

Kassel (rpo). Der so genannte Kannibale von Rotenburg hatte nach Polizeiangaben Kontakt zu 204 weiteren möglichen Opfern. Seine Taten bereitete er akribisch vor. So modelllierte er geplante Misshandlungen an Puppen oder mit Marzipan.

Die hohe Anzahl möglicher Opfer habe sich aus der Auswertung von 16 Computern und mehr als 2000 Datenträgern beim Landeskriminalamt in Wiesbaden ergeben, sagte der Kriminalbeamte Wolfgang Buch am Freitag vor dem Kasseler Landgericht.

Einige dieser Personen hätten "nur gequält werden" wollen, die meisten aber hätten sich "als Schlachtopfer angeboten". Der Vater des vom Angeklagten Armin M. getöteten Mannes, ein ehemaliger Arzt aus Berlin, warf dem Angeklagten bei einer vor Gericht verlesenen Vernehmung unehrliches Bedauern und "Effekthascherei" vor.

Der 42-jährige M. hatte vor Gericht gestanden, in der Nacht zum 10. März 2001 in seinem Haus in Rotenburg-Wüstefeld den 43-jährigen Diplomingenieur Bernd B. aus Berlin vor laufender Videokamera erstochen, wie ein Schlachttier ausgenommen und später teilweise gegessen zu haben.

Vor Gericht verlas M. Briefe an B.s Vater und an seinen Lebensgefährten, die er im vergangenen September aus dem Gefängnis abgeschickt habe. "Entgegen den Presseberichten bereue ich meine Tat", schrieb danach M. "Ich wollte ihn aufessen, aber töten wollte ich ihn nicht."

Misshandlungen an Puppen oder mit Marzipan modelliert

Der Kriminalbeamte Buch sagte, M. habe sich in den vergangenen vier bis fünf Jahren in seiner Freizeit wohl kaum noch mit anderen Dingen als seinen Fantasien beschäftigt. Das müsse man aus dem enormen Umfang des Materials schließen.

So habe M. "richtig liebevoll im Detail" Verletzungen und Misshandlungen an Puppen oder mit Marzipan modelliert sowie unzählige Fotos gemacht und im Computer bearbeitet. Das müsse sehr viel Zeit in Anspruch genommen haben. "Was ich hier erlebt habe, habe ich vorher nicht für möglich gehalten", sagte Buch unter Hinweis auf seine über 20-jährige Berufserfahrung. Er und auch Kollegen hätten nach dem Dienst häufig nichts mehr essen können.

Bei seinen Internet-Kontakten habe M. allerdings großen Wert darauf gelegt, dass die Partner volljährig und zu freien Entscheidungen fähig seien. "Das hat sich immer wieder gezeigt", betonte Buch. Wenn die Kontakte konkreter geworden seien, habe M. sich dies "auch schriftlich geben lassen".

Neben den 204 möglichen Opfern habe der Computerexperte auch Kontakt zu 13 Internet-Nutzern gehabt, die Interesse gezeigt hätten, bei einer Schlachtung dabei zu sein. 29 hätten angegeben, selbst ähnliche Taten begangen zu haben oder begehen zu wollen.

"Ich habe nie einen Hinweis auf psychopathologische Störungen entdeckt", so ein Gutachter über den Kannibalen Armin Meiwes.  Foto: RPO
"Ich habe nie einen Hinweis auf psychopathologische Störungen entdeckt", so ein Gutachter über den Kannibalen Armin Meiwes. Foto: RPO

 
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