Prozess: "Kannibale von Rotenburg" betete vorher
zuletzt aktualisiert: 31.01.2006 - 14:09Frankfurt/Main (rpo). Bevor er sein Opfer schlachtete und verspeiste, betete der "Kannibale von Rotenburg" zu Gott. Wie der wegen Mordes angeklagte Armin Meiwes heute vor dem Frankfurter Landgericht sagte, habe er Gott um Gnade und Vergebung für seine Tat gebeten. Sein Opfer, der Ingenieur Bernd B., lag derweil ohnmächtig auf der Schlachtbank.
Obwohl ihm klar gewesen sei, dass er großes Unrecht begehe, habe er nicht daran gedacht, aufzuhören, fügte Meiwes auf Nachfrage der Staatsanwaltschaft hinzu.
In der rund zweistündigen Befragung sagte Meiwes am vierten Prozesstag, das Töten sei die Voraussetzung gewesen, um den 43-jährigen Bernd Jürgen B. schlachten und verspeisen zu können. Letzteres habe für ihn "eine Art Vermählung" mit dem Anderen bedeutet. "Ich wollte Bernds Geist in mir aufnehmen", sagte Meiwes.
Auf Nachfrage erzählte der 44-Jährige weiter, den echten Namen seines Opfers erst bei der Amputation von dessen Geschlechtsteil erfahren zu haben. Vorher hätten sie sich die gesamte Zeit über mit ihren Pseudonymen aus dem Internet angeredet. Das Gericht reagierte auf diese Aussage irritiert, da Meiwes stets beteuert hatte, er habe B. eine Woche zum gegenseitigen Kennenlernen Zeit geben wollen, bevor man zur Tat schreite.
Das Gericht begann am Dienstag mit der Vernehmung der ersten Zeugen. Dazu sollten drei Internet-Bekannte von Meiwes befragt werden. Alle drei erklärten, sie wollten unter Ausschluss der Öffentlichkeit aussagen.
Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.
Ein Film über den Fall ist bereits abgedreht und soll im März in die deutschen Kinos kommen. In "Rohtenburg" spielt der deutsche Hollywoodstar Thomas Kretschmann die Rolle des Kannibalen.
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