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Auszeichnung
Karlspreisehre auch für Papst Franziskus

Das sagt Papst Franziskus zu Europa und der Flüchtlingskrise
Das sagt Papst Franziskus zu Europa und der Flüchtlingskrise
Aachen. Eine 450-köpfige Delegation aus Aachen bricht nach Rom zur Preisverleihung auf. Die Kaiserstadt selbst zeigt eine Sonderausstellung. Von Lothar Schröder

Die Papsttreuen in Deutschland haben eine Heimat - und die heißt Aachen. Denn innerhalb von bloß zwölf Jahren wird zum zweiten Mal ein Pontifex mit dem Karlspreis geehrt, dem vielleicht wichtigsten Europapreis. 2004 nahm Johannes Paul II. die hohe Auszeichnung entgegen; am Freitag wird Franziskus auf diese Weise gepriesen. Was die zwei Heiligen Väter eint: ihre Abwesenheit. Konnte Johannes Paul II. - ein Jahr vor seinem Tod - aus gesundheitlichen Gründen die Reise über die Alpen nicht mehr antreten, so ist es beim umtriebigen Franziskus der dichte Terminkalender.

450 Delegierte

Darum ziehen die Aachener auch diesmal wieder in großer Zahl nach Rom. Rund 450 Köpfe zählt ihre Delegation, die an der Verleihung im Apostolischen Palast teilnehmen wird. Eine solche Pilgerreise hat in Aachen Tradition. Schon der Namensgeber des Preises, Karl der Große, begab sich einst ehrenhalber in die Ewige Stadt. Das war im Jahre 800, als er sich am 25. Dezember von Papst Leo III. zum Kaiser krönen ließ. Über die Machtverhältnisse damals darf man sich keine Illusionen machen. Der Papst gehörte mehr oder weniger zur Ausstattung einer Zeremonie, die mit päpstlicher Mitwirkung halt noch ein bisschen glorreicher wurde.

Die damaligen Kräfteverhältnisse lassen sich schlicht am Karlsschrein im Dom zu Aachen ablesen: Auf der Stirnseite - die normalerweise Christus vorbehalten ist - thront Karl, neben ihm stehen Papst und Bischof. Dennoch überragt der Kaiser beide Kirchenvertreter. Die Botschaft ist simpel: Kein anderer als Kaiser Karl ist der Stellvertreter Christi auf Erden.

Fast könnte man meinen, die Verhältnisse hätten sich im 21. Jahrhundert verkehrt. So reisen zur Preisverleihung nicht nur die Stadtoberen aus Aachen an, sondern auch der spanische König Felipe, Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie elf weitere ehemalige und namhafte Preisträger.

TV ist live dabei

Das sorgt für reichlich Auftrieb. Aus Rom wird das ZDF ebenso wie der WDR und der Bayerische Rundfunk die Zeremonie am Freitag live übertragen, die mit einer Heiligen Messe in der Apsis des Petersdoms beginnt; Kurienkardinal Walter Kasper wird zelebrieren und der Aachener Domchor singen. Zudem könnte das Aufgebot der Redner europäischer nicht sein: Alle drei EU-Präsidenten werden zu hören sein: Martin Schulz (Parlament), Donald Tusk (Rat) sowie Jean Claude Juncker (Kommission). Die daheimgebliebenen interessierten Aachener dürfen wenigstens in die Röhre schauen. Im Krönungssaal des Rathauses wird die Verleihung auf großer Leinwand übertragen. Zumindest das Ambiente stimmt dann.

Doch im Grunde bereitet sich Aachen schon seit einem Monat auf den Karlspreis vor - mit zahlreichen Vorträgen, Konzerten und auch einer Sonderausstellung in der schicken Domschatzkammer. Wobei der Titel "Rom und Aachen" ein bisschen übertrieben ist, da er eine Art Städtepartnerschaft verspricht, die ganz so bedeutungsschwer nicht gewesen ist. Zumal Aachen lange Zeit als Krönungsstadt bedeutsam war und erst im 19. Jahrhundert für begrenzte Zeit auch Bischofssitz wurde. Die Kommunikation zwischen beiden Städten nördlich und südlich der Alpen war oft auch machtpolitisch motiviert.

Dazu gehört ein Schreiben aus Rom vom 13. Juni 1583. Papst Gregor XIII. gewährt in dieser dick versiegelten und fast einen halben Meter langen Urkunde dem Karls-Altar zu Aachen "das Privileg des absoluten Ablasses". Charmant formuliert: Für die Pilgerstadt war dieses Recht einfach Gold wert.

Reichlich Gold findet sich auch im jetzt ausgestellten Josephinischen Ornat, eine Stiftung von 1690. Lauter Textilien - 47 Teile insgesamt - die für eine feierliche Messe vielleicht nicht notwendig sind, aber die alles noch viel prachtvoller machten: vom Baldachin über Priestergewänder, Lesepultdecken und Kleider fürs Gnadenbild bis hin zur Palla, mit der ein Messkelch bedeckt wurde. Eine komplette und edle Ausstattung: Das meiste ist aus Seidenbrokat mit Goldstücken - und dementsprechend teuer. Schon damals wurde der Wert des Josephinischen Ornats auf 40.000 Reichstaler geschätzt; heute wären das gut und gerne zwei Millionen Euro. Die Ausstellung ist natürlich hochkarätig, aber überschaubar. Wer sich also nach Aachen aufmacht, sollte es nicht bei einem Besuch in der Domschatzkammer belassen. Zumal der Dom ja praktisch Tür an Tür liegt und neben dem Karlsschrein zum Thema "Rom und Aachen" in der Chorhalle Wandteppiche zeigt, die vom Herrschaftsanspruch des zwölfjährigen Königs Josephs I. künden.

Ausbaufähig

Dass Aachen mit seiner Preisvergabe der vergangenen Jahre im Bann der römischen Päpste steht, wird schon im Straßenbild ablesbar. Der Weg zur Domschatzkammer führt über die Johannes Paul II.-Straße. Das alles scheint ausbaufähig zu sein: Nach einem polnischen und einem argentinischen Papst könnte auch noch ein Pontifex deutscher Herkunft für europäische Verdienste mit dem Preis des alten Kaisers bedacht werden.

Quelle: RP
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