Anklage wegen Betrugs: Karsten Speck schweigt vor Gericht
zuletzt aktualisiert: 06.12.2010 - 19:54Frankfurt (RPO). Eröffnungstag im Prozess gegen Karsten Speck. Der früher so beliebte Schauspieler ist wegen Betrugs und Steuerhinterziehung angeklagt. Äußern will er sich öffentlich nicht. Doch sein Gesicht spricht Bände. Dem 50-Jährigen auf der Anklagebank ist die Anspannung deutlich anzusehen.
Der leicht ergraute 50-Jährige schaut in seine Akten und macht sich ab und an Notizen, während zum Auftakt des Prozesses gegen ihn am Montag die Anklage verlesen wird. Dem aus der ZDF-Serie "Hallo Robbie!" und zuvor als Moderator der DDR-Fernsehshow "Ein Kessel Buntes" bekannten Schauspieler ist anzusehen, dass ihn das Verfahren und der Medienauflauf im Landgericht Frankfurt (Oder) belasten. Er schweigt am ersten Verhandlungstag. "Die Anklage hat dreieinhalb Jahre herumgelegen", sagt Anwalt Götz Reuker auf Fragen zu Specks Befinden.
Der Schauspieler muss sich in dem Prozess erneut wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs sowie wegen Steuerhinterziehung verantworten. Oberstaatsanwalt Christian Schärf benötigt weit über eine Stunde, um die Vorwürfe vorzutragen. Speck und seine Frau Cora sollen Gläubigern in den Jahren 2002 bis 2006 eine Summe von insgesamt 931.000 Euro vorenthalten haben. Zudem sollen sie ihre Einkommenssteuer um rund 505.000 Euro gemindert haben.
Dubiose Geschäfte
Hintergrund sind Verbindlichkeiten des Ehepaars aus fehlgeschlagenen Immobiliengeschäften in den 1990er Jahren, die sich laut Schärf auf 17,2 Millionen D-Mark beliefen. Daher sei mit den Gläubigern eine Vereinbarung geschlossen worden, wonach Speck seine Einkünfte an einen Treuhänder zu zahlen habe, der diese dann unter Abzug eines Selbstbehalts für Speck und seine Frau an die Gläubiger weiterleite.
Um weit mehr für sich behalten zu können, soll ein Teil von Specks Einnahmen etwa aus der Serie "Hallo Robbie!" auf das Konto einer von seinen Schwiegereltern gegründeten Firma geflossen sein. Diese Firma habe ein Viertel von Specks Einnahmen für Managementleistungen kassiert, die aber nie erbracht worden seien, sagt Schärf. Auch Scheinrechnungen für nie geleistete Drehbucharbeiten seien ausgestellt worden. Zudem sollen Speck und seine Frau mit Kreditkarten der Firma private Rechnungen beglichen und eine Firmenimmobilie in Schildow bei Berlin ohne Gegenleistung genutzt haben.
Erst die Zeugenaussage
Specks Anwalt kündigt an, dass sich sein Mandant äußern werde, nachdem ein für nächsten Montag geladener früherer Treuhänder - der laut Anklage die fingierten Abrechnungen und Steuererklärungen gemeinsam mit dem Ehepaar erstellt haben soll - als Zeuge gehört wurde. Der Treuhänder, dessen Vertrag laut Staatsanwaltschaft nach Differenzen mit Speck 2005 gekündigt worden war, soll die Ermittlungen gegen den Schauspieler in Gang gebracht haben, weshalb Reuker ihn nach eigenen Angaben wegen Geheimnisverrats angezeigt hat.
Speck war bereits 2004 vom Landgericht Dortmund wegen Immobilienbetrugs zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt worden. Da ein Teil der jetzt angeklagten Vorwürfe in die Zeit vor 2004 fällt, müsse das damalige Urteil in eine jetzt zu bildenden Gesamtstrafe mit einfließen, erläutert der Staatsanwalt. Cora Speck wurde im vergangenen Jahr wegen Immobilienbetrugs vom Landgericht Dortmund zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Das Verfahren gegen ihre Eltern wurde vom jetzigen Prozess abgetrennt. Gegen sie wurden Strafbefehle beantragt.
Ein Urteil im neuerlichen Verfahren gegen Karsten Speck wird für Mitte Januar erwartet. Sollte er schuldig gesprochen werden, droht ihm wieder Haft. Schärf verweist darauf, dass auf Betrug bis zu zehn Jahre Gefängnis stehen.
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