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Kaufhausdetektive
Der tägliche Kampf gegen Ladendiebe

Kaufhausdetektive: Der tägliche Kampf gegen Ladendiebe
FOTO: dpa, hpl vbm fux
Parfum, Kosmetik oder Smartphones: In vielen Läden wird geklaut. Vor allem Banden machen immer größere Probleme, sagt Lothar Faust vom Sicherheitsdienst Securitas. Von Ludwig Krause

Einmal kurz umgeschaut, dann geht der Griff in die Jackentasche. 26 Millionen Mal wird nach Schätzungen  des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI pro Jahr geklaut. "Eigentlich wird alles gestohlen, was einen Wert hat", sagt Lothar Faust, vom Sicherheitsdienst Securitas. "Von Kleinigkeiten zum Eigenbedarf bis hin zu teuren Luxusartikeln, die sich relativ gut weiterverkaufen lassen."

Faust ist beim Sicherheitsunternehmen im Management für Kunden aus dem Einzelhandel zuständig, kennt die teils ausgefeilten Maschen der Täter. "Den typischen Ladendieb gibt es nicht", sagt er. "Unserer Erfahrung nach klauen mehr Männer als Frauen. Aber beides kommt vor."

Gelegenheitsdiebe richten dabei immer noch den größten Schaden an. "Wir bekommen aber auch immer mehr Probleme mit organisierten Banden. Da geht nicht nur einer rein, schnappt sich die Ware und geht wieder. Die Banden sind deutlich besser organisiert. Sie arbeiten im Team, bleiben unauffällig", sagt Faust.

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Der Handel erleidet jährlich Milliardenschäden durch Diebstahl. Mehr als 98 Prozent bleiben dabei unentdeckt. Die Branche investiert vor allem in neue Technik und Mitarbeiterschulung. "Eine Kamera wird einen Ladendetektiv mit Erfahrung und Gefühl aber nie komplett ersetzen können – sie ist aber eine gute Ergänzung und ein wichtiges Werkzeug, um Schäden aus Ladendiebstählen zu reduzieren. Die intelligente Komination von Mensch und Technik machts", meint der Sicherheitsfachmann.

Eine Ersatzpolizei seien die Detektive aber nicht. Sie arbeiten auf Basis des Jedermannsrechts. Ladendetektive dürfen einen Verdächtigen nicht ohne Grund festhalten oder in ihr Büro bringen. Auch eine Durchsuchung ist ihnen verboten.

"Wenn ein Täter angesprochen wird, steht er kurz unter Schock. Dann ist es für unsere Leute besonders wichtig, sofort deeskalierend zu wirken", sagt Lothar Faust. "Viele Täter fühlen sich erwischt und kommen einfach mit. Wir haben aber auch schon erlebt, dass Diebe gewalttätig werden oder fliehen wollen. Wir bemerken auch, dass jugendliche Täter schneller und öfter zu Gewalt bereit sind. Dennoch, dass jemand auf uns direkt losgeht, ist aber eher selten."

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Mit den Jahren entwickelt man ein Gespür für Verdächtige, sagt der Fachmann. "Darauf werden Ladendetektive auch speziell geschult", sagt Faust. "Wir beobachten zum Beispiel die Augen des Verdächtigen, seine Laufwege oder Körperhaltung. Je professioneller der Dieb ist, desto schwieriger wird das Beobachten aber. Ein Profi wird nicht einfach rot, der bleibt ganz gelassen."

Aber auch Gelegenheitsdiebe entwickeln immer aufwendigere Methoden, im Internet oder Fernsehen finden sie haufenweise Anleitungen zum vermeintlich leichten Diebstahl. "Das führt von grundlegendenden Tipps bis zu vorgeblichen Deaktivierungsgeräten für Sicherheitsvorkehrungen", sagt Faust.

Auch das Verkaufspersonal wird mittlerweile geschult, um den Dieben auf die Spur zu kommen. Schwierig wird es, wenn diese besonders dreist vorgehen. "Bei Frauen sind die Detektive aus Sorge vor möglichen Belästigungsvorwürfen manchmal vorsichtiger. Und das versuchen einige auszunutzen, etwa wenn es um den Diebstahl von edler Unterwäsche oder teurer Kosmetik geht."

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Die Branche will als Gegenmittel die Videoüberwachung ausbauen und Mitarbeiter verstärkt schulen. Fast jedes dritte Unternehmen plant, künftig das Kassenpersonal oder auch Verkäufer und Führungskräfte besser auszubilden, 70 Prozent der Unternehmen setzen zudem auf Kamera- und Videotechnik.

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