Hafenbecken ist inzwischen "biologisch tot": Keine Explosionsgefahr von Chemietanker
zuletzt aktualisiert: 03.07.2004 - 18:47Hamburg (rpo). Experten haben den im Hamburger Hafen gekenterten Schwefelsäure-Tanker "ENA 2" am Samstagnachmittag geborgen. Das sagte Feuerwehrsprecher Peter Braun. Explosionsgefahr bestehe keine mehr.
Nach tagelanger Vorbereitung ist der im Hamburger Hafen havarierte Schwefelsäure-Tanker "ENA2" am Samstag erfolgreich gehoben und gewendet worden. Um 17.45 Uhr kippte das Schiff von zwei Kränen an Stahlseilen gehalten wieder in seine normale Position zurück, wie eine Korrespondentin der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Befürchtungen, wonach das Wrack hätte auseinanderbrechen können, erfüllten sich nicht. Vor der Bergung hatten Fachleute sichergestellt, dass sich keine explosiven Gase mehr in den Tanks befanden. Nach Schätzung des Schiffseigentümers Norddeutsche Affinerie ist inzwischen so gut wie keine Schwefelsäure mehr in den Tanks der "ENA 2".
Mit der Wendung des am Montagabend gekenterten Tankers war der schwierigste Teil des Einsatzes abgeschlossen. "Die akute Gefahr ist jetzt beseitigt", sagte ein Feuerwehrsprecher. Vor der Bergung des Wracks waren die Tanks mit Stickstoff geflutet worden, um eine drohende Explosion zu vermeiden. Nach der Wendung sollte zunächst das Deck des Schiffes abgespült werden. Anschließend sollte noch einmal die Explosionsgefahr in den Tanks überprüft und der restliche Inhalt in spezielle Kesselwagen gepumpt werden. Ein Schlepper sollte das Wrack dann in eine Hamburger Werft bringen.
Der bei der Kollision seiner "ENA2" mit einem Containerschiff volltrunkene Kapitän wird nie mehr solch ein Schiff steuern dürfen. Er hatte mit seinem Tanker bei der Einfahrt in den Petroleumhafen am Montagabend das Containerschiff gerammt. Ihm soll jetzt auf Lebenszeit sein Patent entzogen werden. "Bei einem Promillegehalt von 2,1, und das auf einem Gefahrgut-Tanker, ist das keine Frage", sagte der Justiziar der zuständigen Kieler Wasser- und Schifffahrts-Direktion Nord, Jochen Hinz, dem "Hamburger Abendblatt" (Samstagausgabe).
Hafenbecken ist inzwischen "biologisch tot"
Aus dem mit ursprünglich 980 Tonnen Schwefelsäure beladenen Tanker soll der größte Teil der giftigen Chemikalie in die Elbe geflossen sein. Dies führte zu einem Fischsterben in der Umgebung des Havaristen. Das Hafenbecken ist nach Ansicht von Umweltschützern wegen der Säurebelastung inzwischen "biologisch tot".
Große Sorge bereitete dem eigens eingesetzten Krisenstab die Vermischung der Restladung mit Wasser. Es wurde befürchtet, dass sich im Raum oberhalb der Flüssigkeit ein explosives wasserstoffhaltiges Gas gebildet haben könnte. Dem begegneten die Experten mit der Einleitung des Stickstoffs.
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