Drei Verdachtsfälle in NRW: Keine Schulschließungen wegen Schweinegrippe
zuletzt aktualisiert: 01.05.2009 - 21:25Düsseldorf (RPO). Die Schulen sollen trotz der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verkündeten Warnstufe 5 wegen Schweinegrippe offen bleiben. Eine solche Maßnahme komme "erst in Frage, wenn die unkontrollierbare Ausbreitung der Krankheit" drohe, erklärte die Bundesregierung. US-Forscher haben zudem entdeckt, dass den Viren die aggressiven Bestandteile fehlen, die die Spanische Grippe von 1918 hatte, an der 40 bis 50 Millionen Menschen starben.
"An die Schließung von Schulen wegen der Schweinegrippe ist zurzeit nicht gedacht", sagte der Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums, Klaus Vater, der "Frankfurter Rundschau" laut Vorabbericht. Bei der aktuellen Anzahl von Fällen könne von der unkontrollierbarkeit der Ausbreitung nicht die Rede sein, sagte Vater. Bei der am Mittwochabend in Kraft gesetzten Warnstufe 5 der WHO wird eine Schließung von Schulen angeraten.
Nach Informationen der Zeitung wird zu Beginn der kommenden Woche zum ersten Mal der zentrale Krisenstab der Bundesregierung unter Federführung des Bundesinnenministeriums zusammentreten. Bisher kooperieren die Krisenstäbe der Gesundheitsministerien des Bundes und der Länder.
Viren fehlt virulenter Bestandteil der Pandemie von 1918
Nach Angaben der US-Behörden fehlt dem Erreger aber eine wichtige Eigenschaft von dem Erreger der katastrophalen Spanischen Grippe von 1918/19. "Wir sehen nicht die Merkzeichen für die Virulenz, die in dem Virus von 1918 festgestellt wurden", sagte die Grippeexpertin Nancy Cox von US-Zentrum für Seuchenkontrolle und Prävention am Freitag. Bei den fehlenden Genen handele es sich um Abschnitte, die den Auslöser der Spanischen Grippe so tödlich gemacht habe. Das neue Virus sei eine "sehr ungewöhnliche" Kombination aus menschlichen Genen und Schweinegenen, die in Nordamerika, Asien und Europa gefunden wurden, sagte Cox weiter.
Robert-Koch-Institut rechnet mit weiteren Fällen
Die neue Grippe wurde bundesweit bislang bei fünf Menschen nachgewiesen. Am Freitag wurde der erste Fall einer Ansteckung mit dem Virus innerhalb Deutschlands bekannt. Laut Bundesgesundheitsministerium hat sich die Frau aus Niederbayern nicht in Mexiko aufgehalten, sondern sei durch den Kontakt mit einer bereits infizierten Person erkrankt. Mittlerweile sei sie wieder gesund. Der Präsident des Berliner Robert-Koch-Instituts (RKI), Jörg Hacker, rechnet unterdessen mit weiteren Fällen.
Für die deutsche Bevölkerung besteht laut RKI weiter "keine allgemeine Gefährdung" durch das Virus. Hacker sagte jedoch, man könne "nicht ausschließen", dass die Schweinegrippe auch in Europa Todesopfer fordere. Damit teile er die Meinung der EU-Kommission. Die Grippemedikamente seien jedoch wirksam, betonte er. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) rief dazu auf, "wachsam" zu sein, ohne aber gleich in Panik zu verfallen. Die Ministerin hob hervor, sie sei froh, dass es einen nationalen Pandemieplan gebe.
Die höhere Warnstufe der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beurteilte der RKI-Präsident als "sachgerecht". Die WHO hatte am Mittwoch wegen der sich ausbreitenden Schweinegrippe die Warnstufe für eine Grippe-Pandemie von 4 auf 5 heraufgesetzt. Die Warnstufen beziehen sich nicht auf die Aggressivität der Viren, sondern auf die Verbreitung. Die Produktion eines Impfstoffes sei indes noch nicht angelaufen, sagte Hacker. "Die Entscheidung wird in der nächsten Zeit kommen."
Drei Verdachtsfälle in NRW
In Nordrhein-Westfalen gibt es derzeit drei Verdachtsfälle auf Schweinegrippe. Nach Angaben des Landesgesundheitsministeriums kommen die Betroffenen aus dem Rhein-Kreis Neuss, aus Wuppertal und aus Siegen-Wittgenstein.
Bei einem 28-jährigen Mann aus dem Kreis Olpe bestätigte sich der Verdacht auf Erkrankung an Schweinegrippe nicht. Auch bei einem 26-Jährigen aus Paderborn konnte Entwarnung gegeben werden. Am Mittwoch hatte sich der Verdacht bei einem Paar aus Recklinghausen ebenfalls nicht bestätigt.
Flug von München in USA umgeleitet
Eine Maschine der US-Fluggesellschaft United Airlines hat am Freitag auf dem Flug von München nach Washington eine unplanmäßige Zwischenlandung in Boston eingelegt, weil eine Passagierin über grippeartige Beschwerden geklagt hat. Der Pilot habe sich daraufhin vorsichtshalber zu dem Zwischenstopp entschlossen.
Frankreich bestätigt zwei Erkrankungen
In Frankreich ist bei zwei Patienten offiziell die Schweinegrippe diagnostiziert worden. Ein 49 Jahre alter Mann und eine 24-jährige Frau würden in Pariser Krankenhäusern mit Medikamenten behandelt, sagte Gesundheitsministerin Roselyne Bachelot am Freitagabend im Fernsehsender TF1. Vermutlich werde sich auch ein dritter Verdachtsfall bestätigen. Den Patienten gehe es gut. Sie seien alle aus Mexiko gekommen und hätten sich somit nicht in Frankreich angesteckt.
Erste Fälle in Dänemark und Hong Kong
Die Schweinegrippe hat auch Skandinavien erreicht. Die dänischen Gesundheitsbehörden bestätigten am Freitag ihren ersten Fall. In Dänemark hatte es bislang zwölf Verdachtsfälle auf Infektionen mit dem A/H1N1-Virus gegeben. Auch Hongkong hat einen ersten Fall von Schweinegrippe gemeldet. Damit wurde der Erreger der neuen Grippe erstmals auch in Asien nachgewiesen.
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