Pharmariese verspricht schnelle Lösung: Kinder-Impfstoff bald wieder lieferbar
zuletzt aktualisiert: 08.02.2010 - 17:35Frankfurt/Main (RPO). Der Lieferengpass für einen der wichtigsten Mehrfachimpfstoffe für Kinder soll nun doch schneller als erwartet behoben werden. Ab dem kommenden Montag soll eine größere Menge des Impfstoffs wieder lieferfähig und dann Mitte kommender Woche in den Kinderarztpraxen verfügbar sein, teilte das Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline am Montagnachmittag mit.
Das Paul-Ehrlich-Institut habe bereits knapp 200.000 Impf-Dosen freigegeben, was etwa einem Monatsbedarf entspreche. Zunächst hatte es geheißen, dass der Sechsfachimpfstoff für die Krankheiten Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Kinderlähmung, Hepatitis B sowie Hib erst Ende Februar wieder verfügbar sein werde.
Weiterhin erst Anfang März soll der Vierfachimpfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken wieder lieferbar sein und erst Anfang April ein Fünffachimpfstoff gegen die gleichen Krankheiten wie der Sechsfachimpfstoff mit Ausnahme von Hepatitis B, wie Firmensprecherin Anke Helten der Nachrichtenagentur DAPD sagte. Bis dahin rät das Unternehmen das Ausweichen auf mehrere zugelassene Impfstoffe anderer Hersteller, wobei die beliebten Vierfach- und Sechsfach-Vaxine nach eigenen Angaben nur von GSK auf dem Markt sind.
Erst kleine Babys impfen
Experten raten dazu, vorerst vorrangig die ganz kleinen Babys zu impfen beziehungsweise die Grundimmunisierung vorzunehmen. "Säuglinge im vollendeten zweiten und dritten Lebensmonat sollen bevorzugt gegen die wichtigsten Krankheitserreger geschützt werden. Die weiteren Impfungen im vollendeten vierten beziehungsweise ab dem vollendeten elften Lebensmonat können bei vorhandener Impfstoffknappheit verschoben werden", hob der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte am Montag hervor.
Der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, warnte in einer vom Bundesgesundheitsministerium verbreiteten Erklärung vor Panik: "Es besteht bei dem derzeitigen Lieferengpass eines Herstellers kein Grund zur Besorgnis. Es gibt Alternativen, so dass kein Kind in Deutschland ungeimpft bleiben muss." Informationen zur Verfügbarkeit einiger Alternativprodukte werden auf der Homepage des Bundesinstituts fortlaufend aktualisiert. Die Bundesregierung setzt nach diesen Angaben darauf, dass die Unannehmlichkeiten für Ärzte, Eltern und Kinder rasch entschärft werden.
Letzte Lieferung am 13. Januar
Das Unternehmen bedauerte am Montag erneut die Verzögerungen bei der Produktion, betonte aber, rechtzeitig informiert zu haben. Am 13. Januar gingen nach diesen Angaben die letzten Lieferungen an die Großhändler, am 15. Januar wurden Ärzte erstmals und am 28. Januar zum zweiten Mal informiert. Verantwortlich für die Probleme ist nach diesen Angaben in einem Fall "mittelbar" die Herstellung des Schweinegrippe-Impfstoffes, für den die Abfüllkapazitäten umgestellt werden mussten. In einem anderen Fall seien bestimmte Chargen nicht freigegeben worden.
Kinderhilfe fordert Sicherstellung durch Bundesregierung
Die Deutsche Kinderhilfe forderte angesichts der Impfstoff-Knappheit Reformen von der Bundesregierung. "Die aktuelle Situation zeigt, dass die Prioritäten in diesem Bereich falsch gesetzt wurden. Die Bundesregierung hat dafür zu sorgen, dass die die Produktion der Impfstoffe auf Vorrat von den Herstellern garantiert wird. Ferner ist es Aufgabe der Regierung, die Öffentlichkeit hinsichtlich dieser lebensrettenden präventiven Maßnahme zu sensibilisieren", erklärte die Vorstandssprecherin der Organisation, Julia Gliszewska.
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