Bundesweit 465 Tatverdächtige: Kinderporno-Ermittler zerschlagen Handy-Tauschring
zuletzt aktualisiert: 23.01.2009 - 16:34Kassel (RPO). Erstmals ist es Ermittlern gelungen einen Kinderpornoring zu sprengen, der Fotos und Videos per Handy austauscht. Nach Angaben der Polizei soll es sich um den bisher größten Tauschring dieser Art handeln. Insgesamt handele es sich um 465 Tatverdächtige.
"Die Dimension ist eine außerordentliche", sagte der Kasseler Oberstaatsanwalt Manfred Jung am Freitag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Polizei. Insgesamt seien bei der bundesweiten Polizeiaktion 465 Tatverdächtige ermittelt worden. In den vergangenen Tagen waren in ganz Deutschland Wohnungen durchsucht worden.
Der jüngste Tatverdächtige sei 20 Jahre alt, der älteste 83. Aufgeflogen ist der Kinderporno-Tauschring nach Angaben der Ermittler über einen 33-jährigen Mann aus dem Schwalm-Eder-Kreis in Nordhessen. Die Polizei Bremen hatte in einem anderen Fall Hinweise auf den Besitz von Kinderpornografie bei dem Mann erhalten. "So kam der Stein ins Rollen", sagte der Leiter der Kriminalpolizei Homberg/Efze, Achim Kaiser.
Bei dem geständigen Verdächtigen seien im Spätsommer 2008 erhebliche Mengen an Kinderpornografie entdeckt worden. Diese seien per Handy als Bildnachrichten in großem Umfang weiterversandt worden. "Wir mussten dann die einzelnen Anschlussinhaber der gefundenen Handy-Nummern ermitteln", erläuterte der Leiter der eigens eingerichteten Operation "Susi", Klaus Quanz.
Tausende Computer und Speichermedien sichergestellt
Bei der bundesweiten Razzia, die in Abstimmung mit den Landeskriminalämtern erfolgte, wurden den Ermittlern zufolge 212 PCs, 109 Laptops, 2.197 Festplatten oder Speicherkarten, 644 Mobiltelefone und 16.282 gebrannte CDs und DVDs sichergestellt. In den meisten Fällen habe man auch Kinderpornografie entdeckt, betonte Quanz.
In zwei bis vier der 465 Fälle gibt es nach Worten der Ermittler in Hinweise auf einen möglichen aktuellen Kindesmissbrauch. Es müssten aber noch die aufgefundenen Daten und Aussagen ausgewertet werden.
Insgesamt seien bei den Ermittlungen und den Durchsuchungsaktionen 1.000 Beamte eingesetzt worden. Die Operation "Susi" wurde vom Landeskriminalamt Hessen unterstützt. "Eine Vielzahl der Kinderpornos wurde über das Handy mittels MMS versandt und empfangen", sagte Quanz. Bislang habe es in Deutschland noch keinen Fall gegeben, bei dem in solchem Ausmaß Kinderpornografie über das Handy versandt worden sei. Die Ermittlungsarbeit habe sich über Wochen hingezogen. In vielen Fälle habe sich der Tatverdacht bestätigt, da vielfach Beweismaterial eindeutig als Kinderpornografie eingestuft worden sei.
Verdächtige in allen Bundesländern
Hauptsächlich handele es sich bei den Tatverdächtigen um Männer. "In 20 Fällen haben wir auch Frauen als Anschlussinhaber der Handys ermittelt", sagte Quanz. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass auch andere Personen das Handy zum Tauschen benutzt haben. Allein aus Nordrhein-Westfalen seien 85 Tatverdächtige und in Bayern 76 ermittelt worden. Es seien aber alles 16 Bundesländer betroffen.
Wie genau der Tausch ablief, könne noch nicht gesagt werden. Bei einem Schuldspruch droht den mutmaßlichen Tätern für den Besitz und das Verbreiten von kinderpornografischen Schriften eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren.
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