Polizei informierte Arbeitsagentur: Kinderschänder betreute Mädchen-Mannschaft
zuletzt aktualisiert: 16.06.2009 - 17:08Leipzig (RPO). Die Tätigkeit eines vorbestraften Kinderschänders als Betreuer in einem Sportverein sorgt in Leipzig für Wirbel. Wie am Dienstag bekanntwurde, war der Mann trotz eines Warnhinweises der Polizei weiter als Trainer einer Fußball-Mädchenmannschaft tätig. Die Leipziger Arbeitsagentur, die die Tätigkeit vermittelte, bestätigte den Fall. Die Polizei wurde demnach bei den Ermittlungen im Mordfall Michelle auf den Mann aufmerksam.
Ein Sprecher der Arbeitsagentur räumte ein, bereits Mitte Mai seien Vereinsspitze und Arbeitsagentur über die Vorstrafen informiert worden. Man habe die Arbeitsbeschaffungsmaßnahme dennoch nicht beendet, weil der Verein versprochen habe, den 41-Jährigen nicht aus den Augen zu lassen. "Es gab dann ja auch keine Beschwerden", sagte er. Wegen eines neu aufgetauchten Verdachts werde der Vertrag nun aber in Absprache mit der Vereinsspitze beendet. Der Mann sei ab sofort beurlaubt worden.
Seit wenigen Tagen wird ermittelt
Zuvor hatte die "Dresdner Morgenpost" über den Fall berichtet und auf aktuelle Ermittlungen hingewiesen. Ein Sprecher der Anklagebehörde sagte, gegen den Beschuldigten werde seit wenigen Tagen wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen ermittelt. Dies habe aber nichts mit der Vereinstätigkeit zu tun. Auslöser sei eine Strafanzeige.
Zusammenhang mit Michelle-Ermittlungen
Nach Angaben der Ermittler saß der Mann bereits wegen Kindesmissbrauchs im Gefängnis. In dem Verein war er unter anderem als Betreuer einer Mädchen-Fußballmannschaft tätig. Der Sportverein SV Leipzig Nordwest war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.
Die Sonderkommission der Polizei überprüfte bei der Suche nach dem Mörder der achtjährigen Michelle auch vorbestrafte Sexualstraftäter in der Region und stieß dabei auf den Fall des Betreuers in dem Sportverein. Der mutmaßliche Mörder Michelles wurde im März gefasst.
Laut Arbeitsagentur hat der Mann bei der ABM-Vergabe seine Gefängnisstrafe eingeräumt, den Grund für die Haft jedoch verschwiegen. Mitte Mai habe dann die Polizei die Arbeitsagentur auf den Fall aufmerksam gemacht. "Der Verein hat uns dann zugesagt, dass der Mann nur noch unter Aufsicht und nicht mehr direkt mit Kindern arbeiten darf", erklärte Leistner. Sollte dies trotz Zusage nicht so sein, "dann müsste die ABM aufgelöst werden." Dies hat die Arbeitsagentur jetzt getan. "Das nun bekanntgewordene Ermittlungsverfahren macht eine Fortsetzung unmöglich. Wichtig ist auch, den guten Ruf des Vereines vor weiterem Schaden zu bewahren", sagte Arbeitsagentur-Sprecher Leistner. Noch am Dienstag war auf der Internetseite des Vereins der Mann offiziell als Co-Trainer der Mädchenmannschaft vorgestellt worden.
Der Sportverein war am Dienstag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.
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