| 14.09 Uhr

Wirbel um Kinderschokolade-Fotos
Danke, Ferrero!

Bilder: So sahen die DFB-Stars als Kind aus
Bilder: So sahen die DFB-Stars als Kind aus FOTO: RP ONLINE
Meinung | Düsseldorf. Mit einer simplen Werbebotschaft hat der Kinderschokoladen-Hersteller Ferrero Fremdenfeinde demaskiert. Pegida-Anhänger kritisierten die Bilder von dunkelhäutigen Kindern auf den Packungen – und beschimpften in Wirklichkeit unsere deutschen Nationalhelden.  Von Michael Bröcker

Das dürfte die günstigste und wirkungsvollste Marketingkampagne eines Süßwarenproduzenten in der jüngeren Vergangenheit gewesen sein. Auf einigen Packungen der neuen Kinderschokolade-EM-Edition sind statt des bekannten, blonden Jünglings mehrere dunkelhäutige Kinder zu sehen. Aha, die Entvolkung erreicht nun auch das Süßwarenregal, dachten sich da wohl einige Pegida-Anhänger in Baden-Württtemberg und kritisierten auf Facebook das Konterfei auf der Schokolade. "Armes Deutschland", echauffierte sich ein Nutzer. Ein anderer schrieb: "Gibt's die echt so zu kaufen? Oder ist das ein Scherz?" Ein weitere Nutzer ruft zum Boykott der Kinderschokolade auf.

In ihrem Eifer hatten die Hobby-Hetzer wohl den kleinen Satz auf der Packung ganz links übersehen. Da steht: "Unsere Fußball-Stars als Kinder! Na, erkannt?" Die Fotos zeigen die deutschen Fußball-Helden Ilkay Gündogan und Jerome Boateng als Kinder. Gündogan ist gebürtig aus Gelsenkirchen; Boateng, übrigens bekennender Christ mit Jungfrau-Maria-Tattoo auf dem Arm, kam in Berlin zur Welt. In wenigen Wochen dürften einige der Schokoladen-Kritiker diesen Herren bei EM-Spielen mit "Deutschland, Deutschland"-Rufen  zujubeln, vielleicht sogar mit schwarz-rot-goldenem Schal um den Hals. Ohne die Boatengs, Khediras, Özils und Mustafis sähen die Erfolgschancen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft jedenfalls düster aus. Der italienische Süßwarenkonzern hat das erkannt. Pegida nicht.

Reflexhafte Abneigung

Man muss Ferrero dankbar sein für diese Idee. Nicht, weil man sich jetzt mit Hohn und Häme über die vermeintlich dumpfen Rechten auslassen kann, wie es im Netz nun in Hunderten Kommentaren passiert. Das treibt die Pegida-Anhänger nur noch enger zusammen. Sondern weil die reflexhafte Abneigung eines dunkelhäutigen Kindes auf einer Schokoladenpackung eindrucksvoll zeigt, wie tief der Fremdenhass in einigen Köpfen verankert ist.

Ausländerfeindlichkeit ist ein Reflex, der den Verstand ausschaltet und das Nachdenken zu einer nutzlosen menschlichen Eigenschaft degradiert. Eine Kombination aus Einfalt und Angst. Die Vorstellung der Rechten, dass sich unser Land (heimlich unterstützt von einem linksgrünen Mainstream) schrittweise seiner Identität beraubt, ist ja auch im Bürgertum en vogue. Wenn aber die Untergangsszenarien des Abendlandes in einem dunkelhäutigen Kinderkopf auf einer Schoko-Packung kulminieren, sollte uns das zu denken geben.

Die besorgten Bürger müssen wir sein. Wie implementieren wir demokratische Gelassenheit und gelebte Toleranz in dem Einwanderungsland Deutschland? Dass aus der diffusen Angst vor dem Anderen gefährlicher (und gewalttätiger) Hass werden kann, zeigt in seiner Größe und Grausamkeit die deutsche Geschichte. In deutlich kleinerem Maßstab aber auch schon die jüngste Kriminalitätsstatistik in Deutschland. Darüber lohnt es sich zu diskutieren. Selbst, wenn nur ein schwarzer Junge auf einer Schokoladentafel den Anlass gibt. 

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