Ex-Jesuitenpriester gesteht: Kindesmissbrauch ist "traurige Tatsache"
zuletzt aktualisiert: 30.01.2010 - 11:26Hamburg (RPO). Der Priester des Berliner Canisius-Kolleg hat sich zu den Vorwürfen des jahrelangen Kindesmissbrauchs bekannt. Der frühere Sportlehrer und Jesuitenpater Wolfgang S. schrieb eine Erklärung an die Opfer, der Missbrauch sei eine "traurige Tatsache". Der zweite Beschuldigte bestreitet die Vorwürfe weiterhin.
Im Skandal um den jahrelangen sexuellen Missbrauch von Schülern am Berliner Canisius-Kolleg hat einer der beschuldigten Priester die Vorwürfe bestätigt. Der frühere Sportlehrer und Jesuitenpater Wolfgang S. schrieb in einer vom "Spiegel" veröffentlichten Erklärung an seine Opfer, es sei "eine traurige Tatsache, dass ich jahrelang Kinder und Jugendliche unter pseudopädagogischen Vorwänden missbraucht und misshandelt habe". Daran sei "nichts zu entschuldigen".
Der zweite Beschuldigte, der ehemalige Religionslehrer Peter R. aus Berlin, bestreitet dem Bericht zufolge dagegen sämtliche Vorwürfe.
Der "Spiegel" zitierte wörtlich aus der Erklärung des ehemaligen Sportlehrers S.: "Was ich dir und euch angetan habe, tut mir leid. Und falls du fähig bist, mir diese Schuld zu vergeben, bitte ich darum." Das Schreiben ist demnach datiert auf den 20. Januar. S. trat laut Bericht 1992 aus dem Orden aus. Dem Magazin sagte der ehemalige Priester, er sei mit seiner Vergangenheit vor Gott und der Welt im Reinen.
Der heute in Südamerika lebende 65-Jährige gab an, bereits 1991 seine "damaligen deutschen Provinzialoberen eingehend über meine verbrecherische Vergangenheit informiert" zu haben. Der heutige Provinzialrat der Jesuiten in Deutschland, Stefan Dartmann, sagte dem "Spiegel", dass der Orden Kenntnis von den Straftaten des Paters am Canisius-Kolleg hatte. Der Orden habe jetzt eine Anwältin mit einer Prüfung der Akten beauftagt, "um festzustellen, was genau die Jesuiten damals wussten und welche Konsequenzen erfolgten".
Der Rektor des Canisius-Kollegs, Pater Klaus Mertes, hatte in einem am Donnerstag bekannt gewordenen Brief an 500 ehemalige Schüler geschrieben, dass mindestens zwei katholische Pater in den 70er und 80er Jahren die Straftaten begangen hätten. Bis Freitag meldeten sich laut "Spiegel" rund 20 ehemalige Schüler, die von sexuellen Übergriffen durch Wolfgang S. und Peter R. berichteten. Das Berliner Landeskriminalamt nahm Ermittlungen auf.
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