Stadtarchiv-Einsturz: Kläger ziehen Stadt Köln vor Gericht
zuletzt aktualisiert: 17.11.2009 - 16:18Köln (RPO). Zum ersten Mal wird der Einsturz des Kölner Stadtarchivs das Kölner Landgericht beschäftigen. Nach Angaben eines Gerichtssprechers werfen Leihgeber in zwei Schadenersatzklagen der Stadt Köln Nachlässigkeit im Umgang mit den von ihnen gestellten Archivalien vor
Gut acht Monate nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs hat sich erstmals ein Gericht mit der Aufarbeitung der Katastrophe beschäftigt. Drei Leihgeber des Archivs fordern von der Stadt Köln die Herausgabe ihrer Archivalien und Schadenersatz. Die Stadt habe sich grob fahrlässig verhalten und trotz Warnhinweisen im Vorfeld des Unglücks nichts unternommen, erklärte der Anwalt Louis Peters am Dienstag vor dem Kölner Landgericht.
"Man hätte räumen müssen", sagte Peters. Der Ärger bei den Leihgebern sei unermesslich. "Sie dachten, es ist alles in sicheren Händen, und auf einmal ist alles weg", betonte er. Wegen "absoluter Schlechtverwahrung" sei die Kommune schadenersatzpflichtig. Rechtsvertreter der Stadt Köln beantragten dagegen die Abweisung der Klage. Es habe keine Veranlassung für eine Evakuierung gegeben, sagte Anwalt Winfried Schnepp.
Die Frage in diesem Fall sei, ob die Stadt mehr hätte tun müssen, erklärte der Vorsitzende Richter der Zivilkammer, Reinhold Becker. Diese Frage sei bislang nur sehr zurückhaltend zu beantworten. So habe die Stadt Köln zwei Gutachter zurate gezogen, nachdem sich Ende 2008 im Archiv vermehrt Risse in den Wänden gezeigt hätten. Beide hätten keine Gefahr für die Standfestigkeit des Gebäudes gesehen.
"Was soll die Stadt anderes machen, als Fachleute zu befragen", sagte Becker und deutete damit eine mögliche Entscheidung gegen die Leihgeber an. Bevor die Kammer am 12. Januar jedoch ein Urteil fällt, will das Gericht zunächst noch eine Stellungnahme der Stadt einholen.
450 Jahre alte Dokumente anvertraut
Zu den drei privaten Klägern zählt unter anderem die Familie von Wittgenstein, deren Vorfahr Heinrich von Wittgenstein im 19. Jahrhundert den modernen Karneval in Köln mitbegründete. Sie hatte dem Archiv laut Peters 450 Jahre alte Dokumente anvertraut.
Bei dem Einsturz des Historischen Kölner Stadtarchivs am 3. März waren zwei Menschen getötet und zahllose wertvolle Unterlagen, Briefe oder Fotos verschüttet worden. Auslöser der Katastrophe waren wahrscheinlich die Bauarbeiten für eine neue U-Bahn-Strecke in unmittelbarer Nachbarschaft des Archivs.
Der Prozess soll am 8. Dezember fortgesetzt werden.
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