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Offenbar vergewaltigte Frau abgewiesen: Klinikaffäre: Kardinal Meisner entschuldigt sich

zuletzt aktualisiert: 22.01.2013 - 17:40

Köln (RPO). Kardinal Joachim Meisner hat die Abweisung einer offenbar vergewaltigten Frau durch zwei katholische Kliniken in Köln bedauert und sich dafür entschuldigt. "Dieser Vorgang beschämt uns zutiefst", erklärte der Kölner Erzbischof am Dienstag.

"Ein solcher Fall darf sich nie wiederholen": Kardinal Joachim Meisner. Foto: dpa, Oliver Berg
"Ein solcher Fall darf sich nie wiederholen": Kardinal Joachim Meisner. Foto: dpa, Oliver Berg

Es gebe keine kirchliche Anweisung, Vergewaltigungsopfer anders zu behandeln oder abzuweisen. Zugleich lehnte der Kardinal jegliche Maßnahmen ab, "welche die Tötung eines möglicherweise schon gezeugten Kindes bedeuten".

Nach den Worten Meisners darf sich ein solcher Fall nicht wiederholen. "Deshalb muss jetzt genau erforscht werden, was dazu führte, diese Frau nicht aufzunehmen", sagte der Erzbischof. Die Patientin habe in großer Not Hilfe gesucht und keine Aufnahme gefunden. Eine Vergewaltigung sei ein schlimmes Verbrechen. "Gerade hier müssen wir jede notwendige medizinische, seelsorgliche und menschliche Hilfe leisten", so Meisner. Dies schließe die Spurensicherung ein.

Das Heilig-Geist-Gesundheitszentrum in Köln, eine der beiden katholischen Kliniken. Foto: dpa, Henning Kaiser

Meisner räumte ein, dass das Nein der Kirche zu Abtreibungen nach Vergewaltigungen von vielen Menschen nicht geteilt werde. Er sprach von einer "grundsätzlichen und bedrängenden moralischen Entscheidung" und einer "geradezu unerträglichen Entscheidungssituation". Dennoch sei er davon überzeugt, "dass wir diese Position des absoluten Lebensschutzes nicht relativieren dürfen, weil wir sonst die Menschenwürde insgesamt relativieren". Die Menschenwürde sei unteilbar. "Der Ruf unseres Gewissens verpflichtet uns, alles zu tun, dass die Entscheidung immer zugunsten des Lebens ausfällt", erklärte der Erzbischof.

Unterdessen wurde bekannt, dass das Erzbistum Köln bereits vor einem Jahr allen katholischen Krankenhäusern das strikte Verbot der "Pille danach" eingeschärft hatte. In dem Schreiben der Diözesan-Arbeitsgemeinschaft der katholischen Krankenhäuser vom 13. Februar 2012 wurden die angeschlossenen Kliniken aufgefordert, alle Vorkehrungen zu treffen, damit die "Pille danach" nicht verschrieben wird. Zudem sollen die Kliniken überprüfen, ob ihre eigene Ambulanz von einer im selben Haus untergebrachten Notfallpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung ausreichend personell und räumlich getrennt ist.

Hintergrund ist laut Rundschreiben, dass sich eine Frau in den Notfallpraxen auf dem Gelände von vier katholischen Kölner Kliniken testweise ein "Pille danach" verschreiben ließ. Darüber habe dem Erzbistum ein mit dem inzwischen abgeschalteten hetzerischen Internet-Portal kreuz.net verbundener Herr Miller berichtet. Ihm habe der damalige Generalvikar und heutige Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp in einem Brief versichert, dass bei Schwangerschaftsabbrüchen in katholischen Kliniken eine "Null-Toleranzgrenze" gelte. Zudem stellte Schwaderlapp die "investigative" Testmethode deutlich in Frage, wie ein Sprecher des Erzbistums mitteilte.

Der Katholische Krankenhausverband Deutschlands (KKVD) wies Forderungen von Gesundheitspolitikern von CDU, SPD und Grüne zurück, dass katholische Krankenhäuser "vom Netz genommen werden" sollten. Im konkreten Kölner Fall seien Fehler gemacht worden, sagte KKVD-Geschäftsführer Thomas Vortkamp im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Freiburg. Dennoch sei es lächerlich, dass "jetzt manche Gesundheitspolitiker meinen, katholische Kliniken in Gänze infrage stellen zu müssen".

Im Dezember hatte eine Notärztin in Köln versucht, die Spurensicherung bei einem mutmaßlichen Vergewaltigungsopfer in zwei vom katholischen Cellitinnen-Orden getragenen Kliniken vornehmen zu lassen. Beide Häuser verweigerten dies jedoch unter Hinweis auf ihre Ethikrichtlinien. Der Träger entschuldigte sich und bezeichnete den Vorfall als "Missverständnis". Vergewaltigte Frauen würden nicht abgewiesen, allerdings werde ihnen die "Pille danach" nicht verschrieben. Weil diese eine befruchtete Eizelle töten kann, lehnt die katholische Kirche sie wie jede Methode der Abtreibung ab.

Quelle: kna/jre/csi
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