Tierschützer: Eisbär ist verhaltensgestört: "Knut ist durchgeknallt"
VON TINA STOCKHAUSEN - zuletzt aktualisiert: 19.06.2010 - 10:40(RP). Das niedliche Winken, mit dem Deutschlands bekanntester Eisbär Knut im Berliner Zoo die Besucher begrüßt, ist laut Tierschützern Beweis für eine erhebliche Verhaltensstörung des Tieres. Das geht aus einer neuen Peta-Studie zur Eisbär-Haltung in Deutschland hervor, die Dr. Edmund Haferbeck für die Tierschutzorganisation erstellt hat. "Knut ist durchgeknallt", sagt der Tierschützer. "Die Menschen sind schuld daran."
Die vielen Zoo-Besucher, die seit der Geburt des Eisbären vor dreieinhalb Jahren täglich an seinem Gehege stehen und winken, hätten Knut zu einem "vermenschlichten Verhalten" getrieben. "Knut ahmt mit seinem Winken die Menschen nach", erklärt Haferbeck. "Das ist ein Zeichen dafür, dass er die Monotonie und Langeweile in dem viel zu kleinen Gehege mit artfremdem Verhalten kompensieren muss."
Das Gehege des Eisbären biete Knut nicht genügend Freiraum und Abwechslung. "Er rennt ständig auf und ab, um sich irgendwie zu beschäftigen", sagt Haferbeck. "Das Tier leidet enorm." Außerdem hat Knut laut der Studie heftige Ticks entwickelt, so strecke der Eisbär beispielsweise bis zu 200-mal am Tag die Zunge heraus.
Ticks entwickelt
Von den 34 Eisbären, die in deutschen Zoos gehalten werden, sind laut Haferbecks Studie 24 Tiere verhaltensgestört. Sechs Zoos würden nicht einmal die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestanforderungen an Eisbär-Haltung erfüllen, darunter Berlin, Wuppertal und Gelsenkirchen. "Wir haben diese Zoos angeschrieben und ihnen eine Frist von sechs Monaten gesetzt, die Mängel zu beheben", sagt Haferbeck. "Wenn bis dahin nichts passiert, erstatten wir Anzeige."
Der Berliner Zoo wies die Vorwürfe umgehend zurück. Die Studie sei "lächerlich", und Knut gehe es bestens. Peta fordert nun ein sofortiges Zuchtverbot für Eisbären, da die Gehege niemals groß genug sein könnten, um dem immensen Platzbedarf eines Eisbären gerecht zu werden.
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