Rosenmontagszug gestartet: Kölner Jecken lachen über die Finanzkrise
zuletzt aktualisiert: 23.02.2009 - 11:06Köln (RPO). Knapp 10.000 karnevalsbegeisterte Jecken haben sich zum Start des Rosenmontagszugs eingefunden. Unter begeisterten "Alaaf"-Rufen machten sich die Festwagen auf den 6,5 Kilometer langen Weg. Dominierendes Thema der bissigen Kommentierungen: die Wirtschafts- und Finanzkrise.
Am Vormittag machten sich die mehr als 10.000 aktiven Teilnehmer bei trübem Winterwetter vom Chlodwigplatz aus auf durch die Innenstadt der Karnevalshochburg. Mehrere Hunderttausend bunt kostümierte Jecken feierten bereits am Morgen unter dem Motto "Unser Fastelovend - himmlich jeck" den Höhepunkt des Straßenkarnevals. Erwartet wurden bis zu einer Million Zuschauer.
Die Kölner Wagenbauer nahmen in diesem Jahr vor allem die Wirtschafts- und Finanzkrise aufs Korn. Zu sehen war unter anderem die Symbolfigur der Vereinigten Staaten, "Uncle Sam", der sich vergeblich den umstürzenden Wolkenkratzern der amerikanischen Autohersteller und Banken in den Weg zu stellen versucht. Unter dem Slogan "Wir sind das Netz" bildeten die Bundesbürger auf einem anderen Wagen das Auffangnetz für einen Banker, der ohne Hosen auf einem Drahtseil balancierte.
Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ sich sich derweil im knappen schwarz-rot-goldenen Bikini Problemzonen wie Neuverschuldung und anderen politischen Ballast wegoperieren. Das Thema des Wagens, der wegen der Darstellung der fast nackten CDU-Politikerin bereits zuvor für Diskussionen gesorgt hatte, lautet: "Aus alt mach neu - Problemzonenlifting".
Himmlischer Beistand für die SPD
Ihr Fett weg bekam auch die SPD: Im Superwahljahr 2009 schickten die Kölner Wagenbauer Willy Brandt als Engel vom Himmel, um den Sozialdemokraten aus ihrem Allzeit-Stimmungstief zu helfen. Auch der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering war als Engel zu sehen - allerdings mit "Flügelproblemen".
Insgesamt bahnten sich am Montag rund 100 Fest-, Prunk- und Persiflagewagen sowie 124 Musikkapellen ihren Weg durch die Massen. Auf das närrische Volk sollte ein Regen von mehr als 150 Tonnen Süßigkeiten, 700.000 Tafeln Schokolade, 220.000 Schachteln Pralinen und Tausenden Stoffpuppen niedergehen.
Mainz und Düsseldorf
Mit zahllosen "Helaus" haben Zehntausende Narren den 108. Mainzer Rosenmontagszug begrüßt. Zu den Klängen des Narhallamarsches setzten sich mehr als 9.700 Aktive aus 24 Vereinen und 25 närrischen Garden in Bewegung. Trotz feucht-kühlem Wetter kamen schon am frühen Morgen zahllose Schaulustige in die Fastnachtshochburg am Rhein.
Der "närrische Lindwurm" hat in diesem Jahr eine Gesamtlänge von rund sieben Kilometern. Besonderer Blickfang sind wie in jedem Jahr die Schwellkoppträger und die närrischen Garden in ihren prächtigen Uniformen. Als Höhepunkt des Zuges gelten darüber hinaus die berühmten Motivwagen, mit denen die Mainzer Narren sich über Ereignisse der großen und kleinen Politik lustig machen.
In der konkurrierenden Karnevalshochburg Düsseldorf war der Start des traditionellen Rosenmontagszugs für 13.35 Uhr geplant. Dort wollen sich die Narren unter dem Motto "Do bes de platt" auf dem Weg durch die Altstadt machen.
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