Nach Selbstmord des 17-jährigen Schülers: Kölner Polizei im Kreuzfeuer
VON JÜRGEN STOCK - zuletzt aktualisiert: 21.11.2007 - 10:05Köln (RP). Möglicherweise hat die Kölner Polizei bislang wesentliche Details des Ablaufs einer Vernehmung des tatverdächtigen Rolf B. nicht korrekt dargestellt. Wie der stellvertretende Schulleiter des Georg-Büchner-Gymnasiums, Michael Wagenführ, im Gespräch mit unserer Zeitung bestätigte, sei der 17-jährige Schüler zwei Vernehmungsbeamten während eines Gesprächs in der Schule entwischt.
Unmittelbar danach hatte sich der junge Mann etwa einen Kilometer von der Schule entfernt das Leben genommen. Er warf sich vor eine Straßenbahn.
Seit Sonntag hatte die Kölner Polizei stets behauptet, der Junge sei nach dem Gespräch entlassen worden, weil er glaubhaft dargestellt habe, dass er keinen Amoklauf geplant habe. Auf seiner Homepage hatten Mitschüler Bilder vom Amoklauf an der Columbine-Highschool in den USA entdeckt und die Lehrer informiert.
Lehrer mussten draußen warten
Laut Wagenführ sei der Junge am Freitagmorgen zu einem ersten Gespräch mit ihm und einem weiteren Lehrer gebeten worden. Anschließend hätten beide Lehrer die Polizei alarmiert, und das Gespräch mit Rolf B. sei in Anwesenheit der beiden Beamten fortgesetzt worden. Die beiden Lehrer hätten unterdessen in einem gegenüberliegenden Zimmer gewartet. Die Polizisten, so Wagenführ, hätten erreichen wollen, dass der Junge die Zustimmung zur Durchsuchung seines Zimmers gebe.
Nach ein paar Minuten seien die Beamten dann mit Rolf B. aus dem Vernehmungsraum gekommen. „Sie haben mir gesagt, dass der Junge nicht eingewilligt habe, sein Zimmer durchsuchen zu lassen“, berichtet Wagenführ. Laut Aussagen des Lehrers habe der Schüler dann gebeten, auf die Toilette gehen zu dürfen. Als er nach ein paar Minuten nicht zurückgekommen sei, hätten Polizisten und Lehrer gemeinsam das Schulgebäude abgesucht, aber lediglich die Schulsachen des Jungen gefunden. "Anschließend haben wir die Mutter angerufen und ihr erzählt, dass B. sich aus dem Staube gemacht habe."
In den folgenden Tagen hätten er und andere Mitglieder des Kollegiums sich zwar gewundert, dass die Polizei den Ablauf anders darstellte. „Aber für mich“, so der Pädagoge, „war das eine Nebensache. Wir mussten schließlich beraten, wie es an der Schule weitergehen sollte.“ Erst ein Schulpsychologe hatte die mögliche Panne an die Öffentlichkeit gebracht.
Der Kölner Polizeipräsident Klaus Steffenhagen wies die Darstellung des Lehrers zurück. Er betonte, dass die beiden Polizisten bereits das Gebäude verlassen hätten, als B. verschwunden sei. Der Junge habe sich somit in Obhut der Schule befunden.
An mehreren Schulen in Deutschland gab es gestern Alarm wegen anonymer Drohungen. Am ebenfalls nach dem Dichter Georg Büchner benannten Kaarster Gymnasium fiel der Unterricht aus, weil das Landeskriminalamt Hinweise aus Finnland auf einen geplanten Amoklauf erhalten hatte. Mehrere hundert Polizeibeamte durchsuchten das Schulgelände, allerdings ohne Ergebnis.
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