Prozess in Düsseldorf: Kofferbomber: Erst studieren, dann sterben
zuletzt aktualisiert: 27.02.2008 - 17:27Düsseldorf (RPO). Der Kofferbomber von Köln wollte als Märtyrer sterben. Das hat ein Zeuge während des Prozesses in Düsseldorf ausgesagt. Der Angeklagte bestreitet dies. Er habe vor der Tat lediglich gesagt, der Märtyrertod sei erstrebenswert, aber er wolle zuerst sein Studium beenden.
«Er hat immer wieder davon gesprochen, als Märtyrer zu sterben», sagte ein ehemaliger Kommilitone am Mittwoch vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht. Der Angeklagte Youssef E.H. selbst betonte, er habe lediglich zu dem Freund gesagt, der Märtyrertod sei etwas Erstrebenswertes, «aber ich will jetzt studieren».
Der Aufstand der Muslime gegen die westliche Welt sei für E.H. ein wichtiges Thema gewesen, sagte der ehemalige Studienkollege. Die Terroranschläge auf die Züge in London und Madrid habe er gut gefunden. Laut einer am Mittwoch ebenfalls als Zeugin befragten früheren Mathe-Lehrerin des Angeklagten hatte dieser sich auch über die Mohammed-Karikaturen in dänischen Zeitungen aufgeregt. Bei einer Diskussion über das Thema sei E.H. «sehr entrüstet und aufgebracht» gewesen. Er habe erklärt, die Karikaturen seien «für einen Muslim die schlimmste Form der Beleidigung», berichtete die Lehrerin.
Der Angeklagte selbst erklärte am Mittwoch, mit den geplanten Anschlägen auf zwei Kölner Regionalzüge im Juli 2006 habe er Panik und Schrecken verbreiten wollen. «Die Menschen sollten politisch aufwachen und erkennen, warum jemand versucht hat, sie zu erschrecken.» Anlass für die Anschlagspläne sollen die auch in Deutschland veröffentlichten Mohammed-Karikaturen gewesen sein. Die Aktion habe im Namen des Dschihad erfolgen sollen - er habe dann aber begriffen, dass das nicht der richtige Weg gewesen sei.
E.H. räumte auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Ottmar Breidling zumindest teilweise auch Verständnis für die Terror-Anschläge des 11. September ein. Er sei in einem Zwiespalt, ob er die Anschläge für gut oder schlecht halten solle, sagte er in seiner Erklärung. «Wenn ich Menschen direkt leiden gesehen hätte, hätte ich die Tat zu 80 Prozent verurteilt», fügte er hinzu. Zu seiner angeblichen Bewunderung für Terroristenführer Osama Bin Laden sagte er, dieser sei keineswegs sein Idol. Er finde einiges an Bin Laden gut, aber auch einiges schlecht.
Ein früherer Kommilitone hatte E.H. am Dienstag in einer Zeugenaussage als streng gläubigen Muslim und Anhänger des Dschihad beschrieben. Bin Laden sei für den Angeklagten ein Vorbild gewesen. Die Anschläge vom 11. September 2001 habe er begrüßt, bei der Nachricht vom Tod des irakischen El-Qaida-Chefs Abu Mussab al Sarkawi habe er geweint. Bei einem Referat zum Thema Terrorismus soll er außerdem wutentbrannt das Klassenzimmer verlassen habe, als Bin Laden und Al Kaida terroristischen Organisationen zugerechnet worden seien.
Zusammen mit dem im Libanon bereits für die Tat verurteilten Jihad Hamad soll E.H. im Juli 2006 Sprengsätze in zwei Regionalzügen deponiert haben. Nach Ansicht der Anklage verhinderte nur ein handwerklicher Fehler, dass die Kofferbomben ein Blutbad unter Dutzenden Reisenden anrichteten. E.H. hat hingegen ausgesagt, den Anschlag absichtlich sabotiert zu haben. Ihm sei klargeworden, dass die Tat ein Fehler sei.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







