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Amoklauf in München
Was wir jetzt tun müssen

Kommentar zum Amoklauf in München: Was wir jetzt tun sollten
Trauer in München: Viele Menschen haben am Tatort Blumen, Kerzen und Botschaften an die Getöteten niedergelegt. FOTO: dpa, htf
Meinung | Düsseldorf. Wieder Blut. Wieder Tote. Nur dieses Mal ist es ein Amoklauf aus der Mitte unserer Nation. Wie in Erfurt und Winnenden. Vereinzelung, Sehnsucht nach Rache und Aufmerksamkeit. Wer außerhalb der Gesellschaft steht, ist eine Bedrohung für sie. Die Antwort kann nur Empathie sein. Hinsehen. Zuhören. Handeln. Von Michael Bröcker

Nur Amok, kein Terror. Es ist die Perfidie in diesen Krisenzeiten, dass eine gewisse Erleichterung durch das Land zog, als die Hintergründe des Münchner Blutbads bekannt wurden. "Nur" die Einzeltat eines Wahnsinnigen.

Den Opfern und ihren Angehörigen hilft das nicht. Wer seinen Liebsten verliert, erlebt maximalen Schmerz. Tätersoziologie ist da egal. Zunächst und vor allem ist deshalb das Gedenken an die Opfer und die Hilfe für die Angehörigen die Pflicht einer Gesellschaft, die sich solidarisch nennt und die den Schutz des Menschen als Leitbild verankert hat. Hilfe und Anteilnahme. Nicht nur in den ersten Tagen nach der Tat. Auch noch in Jahren. Das ist die wichtigste Aufgabe. 

Und dann? Was sagt uns die Tat? Muss der Staat reagieren? Die Polizei in München könnte als Vorbild dienen: besonnen, konzentriert, sachlich. Differenzierung ist in einer aufgeheizten Atmosphäre das wirksamste Mittel. Die Ursachenforschung führt uns nach Erfurt und Winnenden, zum Düsseldorfer Amokflieger Andreas Lubitz, und nicht nach Nizza, Paris oder Würzburg.

Die Münchner Toten, in der Mehrheit junge Menschen mit Migrationshintergrund, sind nicht Opfer des Islamismus, sondern Opfer eines Verirrten, der sich gemobbt und gedemütigt fühlte, nach Rache sann und Aufmerksamkeit suchte. Das heißt nicht, dass die Propaganda islamischer Extremisten nicht das zentrale Sicherheitsproblem in der Welt bleibt und mit allen legalen Mitteln bekämpft werden muss. Würzburg muss aufgearbeitet werden. In München aber tötete der 18-jährige Ali David S. ohne den IS. 

Wie entsteht der Hass?

Die zentrale Frage: Wie entsteht der Hass, den ein junger Mann entwickeln kann, der gezielt Klassenkameraden in eine Falle lockt und exekutiert? Der Täter hat in dem Zwiegespräch mit dem Anwohner Hinweise geliefert. Er sei gemobbt worden, in ärztlicher Behandlung gewesen. Rache ist ein starkes Motiv. Wohl auch der Wunsch nach "Anerkennung" und "Ruhm".

Wer ist der Todesschütze von München? FOTO: Twitter/Screenshot

Die Amokläufer von Winnenden und Oslo sollen ihn fasziniert haben, sagt die Polizei. Von "Hartz-IV-Gegend" sprach der Täter auch. Puzzlestücke eines Außenseiterlebens in einem schwierigen sozialen Umfeld. Die Flucht auf die virtuellen Schlachtfelder als Flucht vor der Realität. 

Eine leistungsorientierte, kulturell heterogene Gesellschaft wird nie verhindern können, dass Menschen gemobbt werden und in die innere Abschottung abtreiben. Dennoch muss die Gesellschaft, müssen Politiker, Eltern und Lehrer, Nachbarn und Freunde wachsamer sein, damit aus der Vereinzelung kein Mordmotiv wird. Zuhören und Aufmerksamkeit wirken Wunder.

Der selbstgerechte Mythos der Mörder

Zur Erziehung eines jungen Menschen gehört auch die Lehre, dass Enttäuschungen und Niederlagen zum Leben gehören. Auch die auf dem Schulhof. Sie können einen stärker machen, reifen lassen. Auch dieser irre, selbstgerechte Mythos des Amokläufers, den es ähnlich beim islamistischen Selbstmordattentäter gibt, muss als das entlarvt werden, was er ist. Schnöder und feiger Mord.  

Wir müssen die Außenseiter in den Blick nehmen, sie zurückholen in die Gesellschaft. In der Schule, in der Nachbarschaft. Überall. Wenn Eltern dazu nicht in der Lage sind, muss der Staat einschreiten. Es kann doch nicht sein, dass diese wohlhabende Gesellschaft mit ihren vielfältigen Bildungswegen Verlierer produziert, die so verzweifelt sind, dass sie alles Menschliche vergessen.

Empathie, das ist das Zauberwort einer Nation im Stress. Dazu gehören übrigens auch Worte des Trostes und der Zuversicht. Die von Angela Merkel beispielsweise kamen am Samstag reichlich spät. 

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