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Konkurrenzkampf unter Sicherheitsfirmen
Prozess um Handgranatenwurf auf Flüchtlingsunterkunft

Konstanz: Prozess um Handgranatenwurf auf Flüchtlingsunterkunft
Der Vorfall hatte zu massiver Kritik an sicherheitsfirmen in Baden-Württemberg geführt. FOTO: dpa, pse htf bwe
Konstanz . Wegen eines Handgranatenwurfs auf eine Flüchtlingsunterkunft in Villingen-Schwenningen stehen in Konstanz sechs Angeklagte vor Gericht. Die Mehrzahl von ihnen bleibt schweigsam - und die anderen verstricken sich in Widersprüche.

Im Prozess um den Handgranatenwurf auf den Wachcontainer einer Flüchtlingsunterkunft kommen Einzelheiten nur langsam ans Licht. Lediglich zwei der sechs Angeklagten machten am Donnerstag vor dem Landgericht Konstanz zunächst Angaben zur Tat - ihre Versionen deckten sich jedoch nicht in allen Teilen. Die Granate war am 29. Januar an dem Container in der Einrichtung in Villingen-Schwenningen in Baden-Württemberg aufgeschlagen, aber nicht explodiert. Verletzt wurde niemand. Den Beschuldigten im Alter zwischen 23 und 38 Jahren wird unter anderem versuchter Mord vorgeworfen.

Konkurrenzkampf unter Sicherheitsfirmen

Als Tatmotiv gilt ein Konkurrenzkampf unter Sicherheitsfirmen. Zwei der Angeklagten hätten selbst ein Überwachungsunternehmen in Villingen betrieben, heißt es in der Anklage. Sie hätten die Aktion in Auftrag gegeben, um einen verloren gegangenen Bewachungsauftrag zurückzubekommen. Der Anschlag habe die fremden Wachleute einschüchtern und zeigen sollen, dass die Konkurrenzfirma nicht zu einer ordentlichen Bewachung der Unterkunft in der Lage sei.

Einer der Angeklagten gab am Donnerstag an, dass die Handgranate von ihm stamme. Er habe zu einem früheren Zeitpunkt zwei Stück für "Dekorations-Zwecke" von einem Bekannten erhalten - sie seien aber nicht scharf gewesen. "Die hätte nie losgehen können", sagte der 24-Jährige. Die Handgranate wurde später durch Spezialkräfte der Polizei kontrolliert gesprengt.

Der Vorfall in Villingen-Schwenningen hatte zu massiver Kritik an Sicherheitsunternehmen in Baden-Württemberg geführt. Das Regierungspräsidium Freiburg hatte nach dem Anschlag den Vertrag mit einem Unternehmen, das unter anderem in Villingen-Schwenningen zuständig war, gekündigt. Es bestanden "wesentliche Zweifel" an der Zuverlässigkeit, hieß es bei der Behörde.

(lai/dpa)
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