Hannover und München: Kopten feiern Weihnachtsfest unter Polizeischutz
zuletzt aktualisiert: 06.01.2011 - 21:47Lehrte (RPO). Unter Polizeischutz hat die koptische Gemeinde in Lehrte-Ahlten (Region Hannover) am Donnerstagabend ihr traditionelles Weihnachtsfest gefeiert. Die bayerischen Kopten feierten in München ebenfalls unter Polizeischutz. Etwa eine Stunde vor Beginn des Gottesdienstes durchsuchten Beamte mit einem Sprengstoffhund die Kirche, am Eingang kontrollierten sie die Taschen der Gläubigen, rund um das Gotteshaus war ein Parkverbot eingerichtet.
Ungeachtet aktueller Terrordrohungen waren rund 25 Gemeindemitglieder in die St. Theresia Kirche in Lehrte-Ahlten gekommen. Auf das gemeinsame Festmahl im Anschluss an die kirchliche Feier wurde jedoch aus Respekt vor den 21 Toten am Neujahrsmorgen in Ägypten verzichtet.
Vor der Kirche hatten sich an die 40 Bürger zu einer spontanen Kundgebung zusammengefunden. Mit Kerzen in den Händen wollten sie ein Zeichen setzen für Meinungs- und Religionsfreiheit. Auch vor der Kirche in München bezeugten Mitglieder einer katholischen Nachbarpfarrei mit Kerzen und Schildern ihre Solidarität mit ihren "Schwestern und Brüdern".
"Wir lassen uns das Fest nicht verderben", sagte Said Basta Badres, einer der Vorsitzenden der Gemeinde. Anlass für die Sicherheitsvorkehrungen bei den Weihnachtsfeiern der Kopten im ganzen Land war ein Bombenanschlag auf eine koptische Kirche im ägyptischen Alexandria, bei dem in der Silvesternacht 21 Menschen getötet wurden.
Islamistische Terroristen hatten im Dezember im Internet auch zu Angriffen auf Kirchen der koptischen Christen in Deutschland aufgerufen. Nach Angaben des niedersächsischen Innenministeriums wurde dabei explizit die koptische Gemeinde in Lehrte-Ahlten als mögliches Ziel benannt.
Bereits vor zwei Wochen war die Polizei an die Gemeinde herangetreten. "Sie haben mir gesagt, dass wir aufpassen sollen, wenn fremde Leute zu uns in die Kirche kommen", sagte Badres, der gemeinsam mit seiner Frau und seinen vier Kindern den Gottesdienst besuchte. Zu der koptischen Gemeinde gehören rund 250 Christen aus dem südlichen und mittleren Niedersachsen. Sie bilden die Gemeinde "St. Athanasious Koptische Orthodoxe Kirche". Koptische Christen feiern traditionell am 6. und 7. Januar das Weihnachtsfest.
Frankfurter Kopten-Messe schwach besucht
Bei der Christmette der koptisch-orthodoxen St.-Markus-Gemeinde in Frankfurt am Main sind am Donnerstagabend viele Stühle im Andachtsraum leer geblieben. Nur rund 100 Gläubige besuchten die Feier, die wegen Hinweisen des Bundeskriminalamts auf Anschlagsdrohungen gegen die koptische Kirche auch in Deutschland unter dem Schutz der Polizei stand. Die Beamten hatten das Terrain im Stadtteil Bockenheim zuvor mit Sprengstoffspürhunden abgesucht. "Wir werden heute Abend besonders viele Gebete sprechen", sagte der Pater der St.-Markus-Gemeinde, Pigol Bassili, vor Beginn der Feier.
Feier auch in Alexandria
In der von einem Anschlag getroffenen Kirche im ägyptischen Alexandria haben koptische Christen dem Terrorismus die Stirn geboten und am Donnerstagabend ihr Weihnachtsfest gefeiert. "Um zu überleben, müssen wir der Angst und dem Schmerz trotzen. Wir müssen stärker sein als die Terroristen", sagte die 27-jährige Maureen, die in die Kirche in Alexandria kam, vor der in der Silvesternacht 21 Menschen bei einem Anschlag getötet worden waren. Ein 50-jähriger Kopte sagte, er fühle sich stark angesichts der Unterstützung durch muslimische Landsleute. Diese hatten zuvor angeboten, die Kopten beim Schutz ihrer Kirchen zu unterstützen.
Ägypten verschärfte anlässlich des Weihnachtsfestes, das noch bis zum Freitag geht, landesweit die Sicherheitsvorkehrungen. Rund 70. 000 Polizisten wurden für die Bewachung der Kirchen abgestellt, Sicherheitsbarrieren und Parkverbote wurden eingerichtet. Rings um eine Kirche in dem vornehmlich von Kopten bewohnten Viertel Mokkatam wurden Überwachungskameras installiert.
Die Kopten sind die größte christliche Glaubensgemeinschaft im Nahen Osten. Sie machen bis zu zehn Prozent der 80 Millionen Einwohner im überwiegend muslimischen Ägypten aus und sehen sich im Alltag Diskriminierungen und Benachteiligungen ausgesetzt. Vor allem macht ihnen ein Gesetz zu schaffen, das für den Bau einer Kirche eine Genehmigung des Staatschefs vorschreibt, während Muslime diese für den Bau einer Moschee nicht benötigen.
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