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Aktion "Lies!"
Staatsschutz beobachtet Koran-Verteiler seit Jahren

Salafisten verteilen den Koran
Salafisten verteilen den Koran FOTO: dpa, Henning Kaiser
Düsseldorf/Berlin . Seit Jahren sorgt die islamistische Vereinigung "Die wahre Religion" wegen ihrer Koran-Verteilaktionen für Schlagzeilen. Auch in Städten wie Hilden, Mönchengladbach, Köln und Duisburg sind sie aktiv. Ihr Ziel: Jedem Haushalt in Deutschland eine Koran-Übersetzung zur Verfügung zu stellen.

Gründer der Vereinigung ist der gebürtige Palästinenser Ibrahim Abou-Nagie (52). Er sagt, bis Mitte 2016 sind rund 3,5 Millionen Exemplare des Korans verteilt worden. Doch für den deutschen Verfassungsschutz ist das Verteilen der heiligen Schrift in Fußgängerzonen nur Fassade, um für eine verfassungsfeindliche Ideologie zu werben. 

Das Predigernetzwerk wurde laut den Behörden 2005 gegründet und konzentrierte sich zunächst auf Vorträge und Seminare, bevor es mit den Koran-Verteilaktionen mehr Aufmerksamkeit erlangte. Die Kampagne "Lies!" wurde nach Angaben des Bundesamtes für Verfassungsschutz Ende 2011 ins Leben gerufen. Im Herbst 2013 hat die "Die wahre Religion" (DWR) erklärt, den Koran an Nicht-Muslime in ganz Europa in den jeweiligen Landessprachen verteilen zu wollen.

Die Salafisten richteten sich laut Verfassungsschutz vermehrt an ein sehr junges Publikum. NRW-Innenminister Ralf Jäger sagte bereits früher, dass nicht der Koran das Problem sei, sondern die Absicht, mit dem Koran in der Hand extremistische Ideologien zu verbreiten.

Gründer der Vereinigung "Die wahre Religion" ist der gebürtige Palästinenser Ibrahim Abou-Nagie. FOTO: dpa, hka fdt

Beitrag zur Rekrutierung dschihadistischer Islamisten

Verboten sei das Verteilen des Korans nicht, so die Behörden. Der Staatsschutz Düsseldorf habe aber seit Jahren ein Auge auf die Koran-Verteiler, heißt es. Sie seien in der ganzen Region aktiv. Man wolle wissen, wer die Stände anmeldet und wer dabei ist. Denn die Behörden sehen in "Die wahre Religion" eine Gruppe, die zur Rekrutierung dschihadistischer Islamisten beiträgt. Führende Akteure, Unterstützer und Aktivisten glorifizierten Terroranschläge und stünden der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nahe.

Teilnehmer seien bereits zur Beteiligung am Dschihad, dem "Heiligen Krieg", nach Syrien oder in den Irak gereist. Dem Salafisten-Netzwerk sollen mehrere hundert Personen angehören. Die Gemeinden könnten gegen die Verteilung des Korans kaum etwas tun.

Netzwerkgründer Abou-Nagie wurde in Köln im Februar verurteilt – allerdings wegen gewerbsmäßigen Betrugs. Das Amtsgericht Köln sah es als erwiesen an, dass sich der Salafistenprediger Hartz-IV-Leistungen in Höhe von 54.000 Euro erschlichen hatte. Er bekam eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und einem Monat. Zuletzt forderte der NRW-Landtag alle staatlichen Institutionen auf, die Aktivitäten des Netzwerks unverzüglich zu unterbinden. Ein Vereinsverbot liege allerdings in der Zuständigkeit des Bundesinnenministers, befand der NRW-Landtag noch im Oktober. 

(dpa/jeku)
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