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Bertelsmann-Studie
Kosten für Pflegeheime überfordern viele Senioren

Gütersloh. Kostet ein Platz im Heim in NRW zwischen 130 Euro pro Tag in Herne und 153 Euro in Köln oder Krefeld, sind es in weiten Teilen Ostdeutschlands weniger als 100 Euro. Oft können Senioren sich die Heimplätze nicht leisten.

Weil die Pflegekosten in NRW besonders hoch sind, können sich viele Rentner keinen Ruhesitz in einem Altenheim leisten. Einer in Gütersloh vorgestellten Studie der Bertelsmann-Stiftung zufolge reicht die durchschnittliche Kaufkraft der über 80-Jährigen rein rechnerisch nirgendwo im Land, um den fälligen Eigenanteil ein volles Jahr zu finanzieren. In fast allen Fällen deckt das durchschnittliche Haushaltsbudget der Hochbetagten nur maximal zehn Monate ab. Andernfalls springen Angehörige als Pflegende oder der Staat über zusätzliche Sozialleistungen ein.

Die Untersuchung offenbart große regionale Unterschiede bei der Frage, für wie viel Pflege das durchschnittliche Haushaltsbudget ausreicht: Auch im Saarland, Rheinland-Pfalz und Teilen Baden-Würtembergs und Bayerns ist die Situation ähnlich wie in Nordrhein-Westfalen. Im Nordosten Deutschlands dagegen ist das Durchschnittseinkommen der Senioren mehr als ausreichend, um sich die dort deutlich günstigere Pflege zu leisten.

Ausschlaggebend für die regionalen Kostenunterschiede ist den Experten zufolge die enorme Spanne bei den Durchschnittslöhnen im Pflegebereich. So verdient ein Pflegender in Borken mit mehr als 3175 Euro brutto im kreisweiten Durchschnitt fast doppelt so viel wie in Leipzig mit 1714 Euro. Die niedrigsten Löhne NRW-weit bringen Mitarbeiter der Pflege in Herford nach Hause, dort verdienen sie immerhin noch 2390 Euro im Schnitt.

Mangel an Pflegekräften

Eine Erklärung für das vergleichsweise faire Lohnniveau könne die hohe Tarifbindung in NRW sein, vermuten die Experten. "Allerdings handelt es sich dabei um eine leistungsgerechte Vergütung, man sollte nicht den Fehler machen und glauben, es wäre angemessen, das Lohnniveau in NRW zu senken", sagt Stefan Etgeton, Gesundheitsexperte der Bertelsmann-Stiftung und Projektleiter der Studie. Wohlfahrtsverbände mit meist besserer Bezahlung ihrer Pflegekräfte würden in NRW stärker dominieren als in anderen Bundesländern mit mehr privaten Anbietern.

Ein Weg, um dem Mangel an Pflegekräften in Zukunft zu begegnen, sei es, Lohnanreize zu schaffen. Außerdem könne man die Beiträge für die Pflegeversicherung erhöhen und die Menschen dazu animieren, in eine private Pflegevorsorge zu investieren. "Das ist aber insofern schwierig, als dass oftmals gerade diejenigen, die eine private Vorsorge bräuchten, sie sich nicht leisten können", sagt Etgeton. "Dahinter, dass in manchen Regionen die Menschen länger zuhause gepflegt werden, steckt also nicht immer eine freie Entscheidung, sondern häufig ökonomische Notwendigkeit", so der Gesundheitsexperte.

Bisher fehle eine Lösung, wie Pflegekräfte angemessen bezahlt werden können, ohne Bedürftige und Angehörige zu überfordern. Neben den Tarifpartnern sei daher auch die Politik gefragt. Am Montag berät der Gesundheitsausschuss des Bundestages über das dritte Pflegestärkungsgesetz. Es soll dafür sorgen, dass Städte und Gemeinden mehr Kompetenzen bei der Planung von Pflegeangeboten erhalten.

(ham/dpa)
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