Schweinegrippe: Krankenkassen übernehmen Schutzimpfung
zuletzt aktualisiert: 28.07.2009 - 17:49Berlin (RPO). Die Finanzierung der Impfung gegen die sogenannte Schweinegrippe ist laut Bundesregierung gesichert. Die Kosten würden von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen, beteuerte Klaus Theo Schröder (SPD), Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium am Dienstag in Berlin.
Die Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) könnten angesichts eines finanziellen Überschusses von rund einer Milliarde Euro im laufenden Haushaltsjahr die Kosten tragen. Zuvor hatte der Verband der Ersatzkassen (VDEK) wegen der anfallenden Kosten vor eventuellen Zusatzbeiträgen gewarnt. Derzeit gibt es bundesweit mehr als 3800 Infizierte.
Noch in diesem Jahr sollen Schröder zufolge die Impfungen gegen das Influenza-Virus beginnen. 30 Prozent der Bevölkerung sowie medizinisches Personal sollen geimpft werden. Die anfallenden Kosten beliefen sich auf 550 Millionen Euro, sagte Schröder. Die ersten Impfseren sollen Ende September oder Anfang Oktober zur Verfügung stehen. Durch die Impfungen könnten Behandlungskosten sowie Arbeitsausfälle eingedämmt werden.
Vertreter der Ersatzkassen forderten Bund und Länder dagegen dazu auf, die Impfkosten zu übernehmen. Andernfalls müssten die Krankenkassen eventuell Zusatzbeiträge von ihren Mitgliedern erheben, warnte eine Sprecherin des Verbandes der Ersatzkassen (VDEK). "Grundsätzlich ist der Umgang mit einer Pandemie Angelegenheit der öffentlichen Gesundheitsdienste", betonte sie.
Schröder wies den Beitragsanstieg indes zurück: "Ich kann eindeutig sagen, das ist nicht der Fall." Eine entsprechende Ministerverordnung über das weitere Vorgehen soll bis 12. August abschließend entschieden werden. Noch stehe nicht fest, ob es sich um eine Regelfinanzierung oder einen Finanzierungsmix aus gesetzlichen und privaten Kassen handeln werde.
Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach forderte die Kassen zur Übernahme der Impfkosten auf. Eine direkte Kostenübernahme durch Bund und Länder, wie sie die Ersatzkassen gefordert hatten, sei "nicht vertretbar", sagte er. "Grundsätzlich sind die gesetzlichen Versicherungen für Schutzmaßnahmen verantwortlich."
Das betonte auch der hessische Gesundheitsminister Jürgen Banzer (CDU) unter Verweis auf die entsprechende Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums. Zudem müsse eine etwaige Quarantäne wie ein normaler Krankheitsfall behandelt werden. "Also wird das durch die Krankenversicherung im Rahmen der Lohnfortzahlung erstattet", sagte er.
Banzer warnte vor gravierenden Folgen für die Volkswirtschaft, sollte die Pandemie nicht einigermaßen kontrolliert werden können. Durch den Ausfall von Arbeitstagen könnte das Bruttosozialprodukt bis zu drei Prozent sinken.
Unterdessen breitet sich die Neue Grippe weiter in Deutschland aus. Innerhalb eines Tages stieg bis Dienstag die Zahl der bestätigten Fälle um 461 auf 3810. Von den neu hinzugekommenen Infizierten sind laut Schröder 384 Menschen von einer Reise zurückgekehrt.
Sollten alle Deutsche geimpft werden, fielen Kosten in Höhe von rund zwei Milliarden Euro an. Deutschland hat laut Schröder einen Anspruch auf zweimal 82 Millionen Impfdosen, um alle Bundesbürger soweit wie möglich zu schützen. Ob weitere Rationen bestellt würden, werde Ende August oder Anfang September entschieden, sagte Schröder. Maximal könnten weltweit rund 4,9 Milliarden Impfdosen in ähnlicher Zeit zur Verfügung gestellt werden.
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