Mutmaßlicher NS-Kriegsverbrecher: Krankenwagen holt Demjanjuk ab
zuletzt aktualisiert: 11.05.2009 - 22:01Berlin (RPO). Der mutmaßliche NS-Kriegsverbrecher John Demjanjuk, der vor der Abschiebung nach Deutschland steht, ist am Montag mit einem Krankenwagen von seinem Haus in Cleveland abgeholt worden. Der 89-Jährige wurde zu einem Büro der Einwanderungsbehörde gebracht. Zuvor hieß es bereits, Demjanjuk werde am Dienstagvormittag in Deutschland ankommen.
Sein deutscher Anwalt Ulrich Busch sagte der AP, Demjanjuk werde ziemlich sicher am Vormittag in München landen, "so gegen 11.00 Uhr". Der Sprecher des Bundesjustizministeriums, Ulrich Staudigl, sagte in Berlin: "Nach jetzigen Informationen gehen wir davon aus, dass er morgen im Laufe des Tages in Deutschland eintreffen wird."
Von Bord des Ambulanzflugzeuges soll der 89-Jährige sofort ins Untersuchungsgefängnis Stadelheim gebracht werden, wo er ärztlich untersucht werden und vom Ermittlungsrichter den Haftbefehl verkündet bekommen soll. Die Münchner Staatsanwaltschaft will Demjanjuk wegen Beihilfe zum Mord an 29.000 Juden im Vernichtungslager Sobibor vor Gericht stellen.
Der gebürtige Ukrainer war als Rotarmist in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten und soll als Hilfswilliger der SS von März bis September 1943 im Vernichtungslager Sobibor die jüdischen Menschen von den Zügen ins Gas getrieben haben. Die USA entzogen ihm wegen Verschweigens seiner Vergangenheit die amerikanische Staatsbürgerschaft, die er als Einwanderer zunächst erworben hatte. Demjanjuk bestreitet die Vorwürfe.
Demjanjuks Sohn scheiterte am Montag mit einem Antrag beim Berliner Oberverwaltungsgericht, seinen staatenlosen Vater nicht in Deutschland aufzunehmen. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Berlin-Brandenburg bestätigte eine Entscheidung der Vorinstanz zur Auslieferung Demjanjuks. Das Verwaltungsgericht Berlin hatte am vergangenen Mittwoch einen Eilantrag des mittlerweile staatenlosen Mannes gegen die Bundesrepublik zurückgewiesen, wonach diese seine Überstellung aus den USA verhindern müsse.
Gegen Demjanjuk hatte das Amtsgericht München im März 2009 einen Haftbefehl wegen Beihilfe zum vielfachen Mord erlassen. Die Münchner Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, als Wachmann der SS im Vernichtungslager Sobibor im Jahre 1943 an der Ermordung von mindestens 29 000 Menschen beteiligt gewesen zu sein. Demjanjuk bestreitet die Vorwürfe.
Der gebürtige Ukrainer hat seine Abschiebung aus den USA nach Deutschland auf juristischem Wege bereits mehrfach hinausschieben können. Die USA, in die sich der mutmaßliche KZ-Wächter nach dem Krieg begab, hatten Demjanjuk bereits 2001 die Staatsangehörigkeit entzogen und beabsichtigen, den nunmehr Staatenlosen ins Ausland abzuschieben. Deutschland hatte sich gegenüber den USA bereiterklärt, den Mann aufzunehmen.
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