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panorama krater in schmalkalden von oben AP 2010-1101
  Foto: AP, AP
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Straßeneinbruch in Schmalkalden: Krater auch in NRW jederzeit möglich

VON DIETER DORMANN - zuletzt aktualisiert: 03.11.2010 - 15:34

(RP). Im thüringischen Schmalkalden ist auf einer 40 mal 40 Meter großen Fläche die Erde 25 Meter tief eingebrochen. Ursache sind Salzgesteinsauswaschungen im Untergrund. Nach Meinung der Wissenschaftler des Geologischen Dienstes in Krefeld besteht die Gefahr solcher unvorhersehbaren Ereignisse auch in vielen Teilen von Nordrhein-Westfalen.

Die Geräusche, die Wolfgang Peter und seine Frau Christel in der Nacht zu Montag aus dem Schlaf rissen, hat das Ehepaar aus Schmalkalden in Thüringen noch immer im Ohr. Es war ein gewaltiges Donnern, Krachen und Zischen, mit dem unmittelbar vor ihrem Haus ein gewaltiger Krater – 40 mal 40 Meter im Durchmesser, 25 Meter tief – gegen zwei Uhr in der Nacht einbrach. Wie durch ein Wunder kam kein Mensch zu Schaden. 25 Personen mussten allerdings aus neun Häusern rund um das riesige Erdloch evakuiert werden. Geologen gehen inzwischen davon aus, dass aufgelöste Gesteinsschichten im Untergrund den Erdfall auslösten.

Gefahr durch unterirdische Hohlräume 

Die Gefahr, dass derartige Krater unerwartet einbrechen, besteht nicht nur in Schmalkalden. "Auch in vielen Regionen von Nordrhein-Westfalen kann das jederzeit passieren", sagt Stefan Henscheid vom Geologischen Dienst in Krefeld. Überall dort, wo Sulfat- oder Salzgesteine im Untergrund lagern, können diese im Laufe von Jahrtausenden oder Jahrmillionen durch fließendes Grundwasser aufgelöst werden. Die sich dann unterirdisch bildenden Hohlräume stürzen im ungünstigsten Fall irgendwann ein.

Dass dies geschehen kann, dafür gibt es in NRW spektakuläre Beispiele. Am 14. April 1913 brach die Erde im Heiligen Feld bei Ibbenbüren ein. Innerhalb von Stunden entstand dort, wo zuvor ein Acker war, ein See von 300 Metern Durchmesser und mehr als 15 Metern Tiefe. "Dabei handelt es sich um den größten Erdfall, den es in Mitteleuropa gab", sagt Stefan Henscheid. Nicht ganz so groß, aber ähnlich spektakulär war der Kratereinsturz, der sich am 15. Juni 1970 in Bad Seebruch bei Vlotho gegen 16.30 Uhr ereignete. In unmittelbarer Nähe zum Kurbad brach ein Krater ein, der einen Durchmesser von etwa 80 Metern und eine Tiefe von 25 Metern hatte. Insgesamt haben die Wissenschaftler des Geologischen Dienstes in Nordrhein-Westfalen seit Beginn der entsprechenden Kartierungen 2684 Erdfälle nachgewiesen.

Wann die vom fließenden Grundwasser gebildeten Hohlräume im Salz- oder Sulfatgestein einstürzen, können die Geologen nicht vorhersagen. "Dafür gibt es meist keine Anzeichen. Es kann völlig unerwartet passieren", sagt Stefan Henscheid. Entsprechend wenig Möglichkeiten gibt es, sich gegen die Kraterbildungen zu schützen.

Seit Anfang Dezember des vergangenen Jahres informiert der Geologische Dienst auf seinem Internetportal "Gefährdungspotentiale des Untergrundes in NRW" (www.gdu.nrw.de) darüber, wo welche Risiken in der Tiefe lauern. Bürger können dort mit Hilfe von Karten feststellen, wie gefährdet ihre Region ist. Verzeichnet sind dort die Gefährdungspotentiale in Bezug auf die Bereiche "Bergbau", "Methanausgasung", "Verkarstung/Auslaugung" und "Erdbeben". Noch in diesem Jahr sollen "aktive Bewegungen im Untergrund" hinzukommen. Bislang haben 120 000 Bürger den Informationsservice genutzt, der besonders für Bauherren bei der Wahl ihres Grundstückes interessant ist.

Krater als Spätfolge des Bergbaus

Krater-Einstürze entstehen nicht nur auf "natürliche Weise" wie nun in Schmalkalden. Sie können auch Spätfolgen des Bergbaus sein. Vor allem im Ruhrgebiet und im Siegerland ist es bereits mehrfach zu so genannten "Tagebrüchen" gekommen. So stürzte im Februar 2004 in Siegen-Rosterberg eine alte Erzgrube ein – zwei Mietshäuser wurden zu Ruinen. Vier Jahre zuvor war die Erde in Wattenscheid-Höntrop plötzlich weggesackt. Ein fast 30 Meter tiefes Loch blieb zurück. Seit 1986 hat die zuständige Bezirksregierung Arnsberg, Abteilung Bergbau und Energie, in NRW 1600 Tagebrüche registriert.

"Mehr, als über die vorliegenden Erkenntnisse zu informieren, kann man zum Schutz der Bevölkerung nicht tun", so das NRW-Wirtschaftsministerium. Mit dieser Gefahr müsse man einfach leben.

In Bad Seebruch bei Vlotho versucht man seit dem Krater-Einbruch von 1970 dennoch, die Sicherheit zu erhöhen. Dort registriert ein Messgerät Bodenbewegungen und löst im Ernstfall einen Alarm in der Rezeption des Bades aus. Zudem kontrolliert der Hausmeister, ob sich am Gebäude angebrachte Markierungen verschoben haben, und Mitarbeiter des Geologischen Dienstes vermessen regelmäßig Festpunkte. Des Risikos eines erneuten Kratereinbruchs ist man sich in dem Kurort bewusst. Ein geplante Ferienhaussiedlung wurde auf Anraten des Geologischen Dienstes dort nicht gebaut.

Quelle: RP

 
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