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MS Astor ap 2008
  Foto: AP, AP
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"MS Astor" ist kein Einzelfall: Kreuzfahrt durchs Piratenmeer

VON GREGOR MAYNTZ - zuletzt aktualisiert: 06.12.2008 - 02:24

Berlin (RP). Die „MS Astor“ ist nicht der erste Luxusliner, der möglicherweise knapp einer Entführung entgangen ist. Das Auswärtige Amt hat für die einschlägigen Gewässer vor Somalia und Jemen eine offizielle Reisewarnung ausgegeben. Noch gilt für die Passagiere: Es wird schon nichts passieren.

Die Bremer Reederei gibt sich ganz gelassen. Piraten? Schüsse? War da was? „Es waren 492 Passagiere an Bord, kaum einer hat die Fregatte in fünf Kilometern Entfernung bemerkt, und niemand etwas von den Schüssen gehört.“ Erst nach den Meldungen aus Deutschland habe die Reederei die Besatzung über das aufklären können, was gestern vor einer Woche im Golf von Aden passiert sei, berichtet Transocean-Tours-Sprecher John Will.

Was passierte: Gerade hatte die deutsche Fregatte „Mecklenburg-vorpommern“ drei Seeleute, die Opfer eines Piratenüberfalls geworden und über Bord gegangen waren, aus dem Golf von Aden gerettet. Da entdeckte die Besatzung das deutsche Kreuzfahrtschiff „MS Astor“. Und nicht nur das. Auch zwei Speedboote, die sich dem Luxusliner näherten. Umgehend gab der Fregatten-Kapitän den Befehl, mit dem Kriegsschiff längsseits des Kreuzfahrtschiffes zu gehen, um sich so zwischen den Erholungsdampfer und die potenziellen Angreifer zu stellen. Als eines der Boote seine Fahrt zügig fortsetzte, gab es drei Maschinengewehr-Salven vor den Bug – darauf drehten beide Boote ab und kehrten in jemenitische Hoheitsgewässer zurück.

Auffällig: Das Verteidigungsministerium in Berlin betonte gestern, es sei nicht geklärt, ob die Speedboote tatsächlich von Piraten oder aber von einfachen Fischern benutzt worden seien, die sich lediglich „missverständlich verhalten“ hätten. Damit kommt die Regierung den Reedereien entgegen, die von einer größerer Gefahrensituation ihrer älteren und zumeist auch besser betuchten Klientel lieber nichts wissen wollen. Will berichtete von vielen Medienanfragen. Passagiere und Interessenten seien jedoch offenbar nicht beunruhigt.

Auswärtiges Amt warnt

Reisende berichten, beim Passieren der kritischen Gegend habe die Devise „Es wird schon nichts passieren“ gegolten. Dabei ist die Einschätzung des Auswärtigen Amtes eindeutig: „die Gewässer vor Somalia“ besteht eine „eindringliche“ Reisewarnung. „Im gesamten Golf von Aden bis vor die Küste von Jemen, vor der Küste Somalias und angrenzenden Gewässern besteht ein sehr großes Risiko von Piratenangriffen und Entführungen“, lautet die offizielle Einschätzung der deutschen Diplomaten.

„Wir beobachten die Szene“, berichtet Außenamtssprecher Jens Plötner. Bisher sei zumindest nicht bekannt, dass Reisen in die Piratengebiete gezielt angeboten würden. „Davon würden wir abraten“, so Plötner. Die Bundesregierung sei aber in Kontakt mit den einschlägigen Unternehmen, um sie gezielt auf die Situation hinzuweisen. Es gebe aber neben den Passagierschiffen, die ihre Routen selbst bestimmen können, auch eine ganze Reihe von Schiffen, etwa vom Welternährungsprogramm, die in diesem Bereich navigieren müssten.

Nach Darstellung des Verteidigungsministeriums gibt es keine vollständige Übersicht über Kreuzfahrtschiffe in der Region. Vermutlich müsse man mit 20 000 Schiffen rechnen, die pro Jahr insgesamt rund um das Horn von Afrika unterwegs seien, von kleinen Frachtern über Supertankern bis hin zu Luxuslinern.

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