Bettencourt-Affäre: L'Oreal-Aktionär klagt wegen Schädigung
zuletzt aktualisiert: 20.07.2010 - 15:46Paris (RPO). Die Affären rund um die L'Oréal-Milliardärin Liliane Bettencourt haben sich auf den Kosmetikkonzern ausgeweitet: Nach der Anzeige eines Kleinanlegers ermittelt die französische Justiz nun wegen möglicher Schädigung der Aktionäre, wie es am Dienstag in Pariser Justizkreisen hieß. Hintergrund ist ein L'Oréal-Beratervertrag in Millionenhöhe für einen Künstler, der als enger Freund Bettencourts schon lange im Mittelpunkt der Affären steht.
Der Fotograf François-Marie Banier habe im Jahr 2002 einen Vertrag für "Beratungen in Mode- und Kunstfragen" bei L'Oréal unterschrieben, für den er jährlich 405.000 Euro erhalte, sagte der Anwalt des Kleinanlegers, Frédérik-Karel Canoy. Eingehalten habe der Künstler, der dafür unter anderem jedes Jahr eine Ausstellung mit seinen eigenen Werken organisieren sollte, den Vertrag höchstens teilweise. Bettencourt habe Banier mit dem über zehn Jahre laufenden Vertrag offensichtlich "einen Gefallen" getan, sagte der Anwalt. "Dieser Vertrag bedeutet missbräuchliche und illegale Ausgaben, die gegen das gemeinschaftliche Interesse des Unternehmens gerichtet sind." Die Anzeige des Aktionärs von Anfang Juli lautet auf Unterschlagung von Aktionärsvermögen. Der Konzern bestätigte, dass es den bis Ende 2011 laufenden Vertrag gebe.
Betencourt-Tochter klagt ebenfalls gegen Barnier
Gegen Banier geht auch Bettencourts Tochter gerichtlich vor. Sie wirft dem Künstler vor, ihre 87-jährige Mutter auszunutzen und der alten Dame im Laufe der Jahre rund eine Milliarde Euro in Form von Lebensversicherungen, Gemälden und Immobilien aus der Tasche gezogen zu haben. Die Tochter will ihre Mutter deshalb entmündigen lassen. Der erbitterte Familienstreit hatte aufgrund von heimlichen Tonbandaufnahmen aus der Villa Bettencourt zu weiteren Enthüllungen geführt, darunter Steuerhinterziehungen in Millionenhöhe. Außerdem wird der reichsten Frau Frankreichs vorgeworfen, sie habe die konservative Regierungspartei UMP sowie Präsident Nicolas Sarkozy mit illegalen Partei- beziehungsweise Wahlkampfspenden unterstützt.
Der von Bettencourts Tochter angestrengte Prozess gegen Banier hatte Anfang des Monats begonnen, war aber auf unbestimmte Zeit vertagt worden, weil die kurz zuvor heimlich aufgenommenen Gespräche aus Bettencourts Villa ausgewertet werden sollen. Unter heftigen Druck geriet dadurch auch Frankreichs Arbeitsminister Eric Woerth, der noch vor wenigen Monaten als Haushaltsminister zur Jagd auf Steuersünder geblasen hatte, während seine Frau für Bettencourts Vermögensverwaltung arbeitete. Darüber hinaus soll er als langjähriger Schatzmeister der Regierungspartei UMP die Parteispenden in bar erhalten haben. Er soll demnächst von der Polizei verhört werden, lehnte einen Rücktritt am Dienstag im Interview mit dem Sender Europe 1 jedoch erneut ab.
Neben den beiden Verfahren gegen Banier laufen im Zusammenhang mit den Affären noch drei weitere Ermittlungsverfahren bei der Staatsanwaltschaft Nanterre in der Nähe von Paris. In diesen Verfahren geht es um Eingriff in die Privatsphäre aufgrund der heimlichen Tonaufzeichnungen, um die Steuerhinterziehungen sowie um alle Komplexe, die sich aus den Inhalten der Tonbandaufnahmen ergeben. Die L'Oréal-Milliardärin hat wiederum die Löschung der Tonaufnahmen von bestimmten Internetseiten verlangt, ist damit aber bisher vor Gericht gescheitert.
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