Mitarbeiter haben Mädchen nie gesehen: Lea-Sophie: Behörden weisen Schuld von sich
zuletzt aktualisiert: 23.11.2007 - 13:18Schwerin (RPO). Im Fall der verhungerten Lea-Sophie in Schwerin sind Oberbürgermeister Norbert Claussen (CDU) und Behördenmitarbeiter an die Öffentlichkeit gegangen. Noch einmal betonte der OB, dass Mitarbeitern der Behörden keine Versäumnisse vorzuwerfen sind. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel meldete sich zu Wort. Sie sei "tief erschüttert" über den Hungertod, so ein Sprecher.
Die Behörden dürften aus Datenschutzgründen nicht alle Details des Falls preisgeben, so der Oberbürgermeister. Dennoch dürfe am Ende des Falls nicht die Erklärung stehen "alles richtig gemacht, trotzdem ein Todesfall", so der CDU-Politiker. Die Umgangsweise mit solchen Themen müsse allerdings verbessert werden.
Dennoch geraten die Behörden stark unter Druck. Denn nach dem bisher bekannten Ablauf haben die Mitarbeiter der Ämter die kleine Lea-Sophie überhautp nicht zu Gesicht bekommen. Die Eltern zeigten immer nur den Bruder.
"Wir brauchen eine ehrliche Aufklärung, wie es zum Versagen der zuständigen Behörden und damit zum grausamen Tod eines Kindes kommen konnte", sagte der familienpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion in Mecklenburg-Vorpommern, Harry Glawe, am Freitag. "Es muss geklärt werden, an welcher Stelle wer versagt hat." So zu tun, als ob alles richtig gelaufen sei, "ist angesichts des grausamen Todes der fünfjährigen Lea-Sophie nicht hinnehmbar".
Glawe warnte davor, sich hinter Zuständigkeiten zu verstecken: "Der Staat muss eingreifen, wenn Eltern ihre Verantwortung trotz aller Angebote nicht wahrnehmen. Gerade wenn durch eine Anzeige ein Anfangsverdacht besteht, muss mehr getan werden, als im Schweriner Fall."
Der CDU-Politiker forderte deshalb die Einrichtung von Kriseninterventionsteams und warnte davor, so zu tun, als sei der Spardruck der Kommunen für den Fall ausschlaggebend. Damit werde die bestehende Verantwortung nur weggeschoben. Die Behörden sehen bei sich hingegen keine Fehler.
Kanzlerin "tief erschüttert" über Hungertod
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich "tief getroffen" über den Hungertod der fünfjährigen Lea-Sophie. Die Kanzlerin sei "tief erschüttert" über das, was dem kleinen Mädchen wiederfahren sei, sagte Vizeregierungssprecher Thomas Steg am Freitag in Berlin. Sie könne aber nicht beurteilen, wo es Versäumnisse gegeben habe.
Zur Diskussion über eine Zunahme der Fälle von vernachlässigten Kindern sagte ein Sprecher von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU), die Zahl der Anzeigen nehme zu, aber über die tatsächlichen Fälle gebe es keine gesicherten Zahlen.
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