SS-Arzt Heim soll in Südamerika wohnen: Lebt der meistgesuchte NS-Verbrecher noch?
zuletzt aktualisiert: 02.05.2008 - 11:26Baden-Baden (RPO). Der weltweit meistgesuchte NS-verbrecher ist möglicherweise noch am Leben. Nach Informationen des Simon-Wiesenthal-Zentrums soll sich der ehemalige SS-Arzt Aribert Heim in Chile oder Argentinien aufhalten. Die Nazi-Jäger wollen jetzt eine Medienkamagne starten.
Der österreichischen Mediziner Heim soll als SS-Arzt im Konzentrationslager Mauthausen zahlreiche Häftlinge grausam gefoltert und getötet haben. "Von allen Lagerärzten in Mauthausen war Heim der schrecklichste", sagte ein politischer Gefangener 1949 aus. Die Aussage wird in einem österreichischen Haftbefehl für Heim zitiert. Heim arbeitete nach dem Krieg als Arzt in Süddeutschland. Als 1962 Anklage gegen ihn erhoben wurde, tauchte er unter.
Inzwischen wäre Heim 93 Jahre alt. "Wir haben gute Gründe zu glauben, dass er noch am Leben ist", sagte der Direktor des Zentrums, Efraim Zuroff gegenüber einer Nachrichtenagentur. In den vergangenen Jahren habe das Zentrum Hinweise aus Uruguay, Spanien, der Schweiz, Chile und Brasilien über den Aufenthaltsort des Gesuchten bekommen.
Für den Sommer plant das Simon-Wiesenthal-Zentrum eine Medienkampagne in Südamerika. Darin soll auf die Belohnung in Höhe von 485.000 Dollar (310.000 Euro) für Heims Festnahme verwiesen werden. Die Belohnung wurde von dem Zentrum gemeinsam mit Deutschland und Österreich ausgesetzt.
Nach Angaben eines Sprechers des Landes Baden-Württemberg ist es sehr wahrscheinlich, dass sich Heim in Chile oder Argentinien aufhält. Er müsse angesichts seines hohen Alters Helfer haben, sagte der Sprecher weiter. Wenn Heim noch lebe, könne er sich sicherlich nicht alleine versorgen. Ein in Deutschland eingefrorenes Konto, dass Heim zugerechnet wird, weise mehrere hunderttausend Euro Guthaben auf. Mögliche Erben hätten sich nicht gemeldet.
Heims Name steht ganz oben auf einer aktuellen Liste des Simon-Wiesenthal-Zentrums, mit den Namen von hunderten Verdächtigen, die nach Einschätzung des Zentrums noch immer auf freiem Fuß sind.
Das Simon-Wiesenthal-Zentrum verfolgt das Ziel, Nazi-Verbrecher zu finden und vor Gericht zu bringen. Diese Arbeit erschwert sich mit jedem Jahr. Wenn die Täter noch am Leben sind, ist es aufgrund ihres hohen Alters häufig schwierig, einen Prozess gegen sie anzustrengen. Oft gelten die Täter als nicht mehr haftfähig, auch wird es immer komplizierter, ihre Schuld zu beweisen.
Die Aufenthaltsorte der drei nach Heim auf der Liste der meistgesuchten NS-Verbrecher stehenden Männer sind bekannt: Der mutmaßliche ehemalige KZ-Aufseher John Demjanjuk wehrt sich gegen seine Auslieferung aus den USA. Der frühere kroatische Polizeichef Milivoj Asner, der an der Deportation von hunderten Menschen beteiligt gewesen sein soll, lebt in Österreich; und das frühere SS-Mitglied Sören Kam, der in Dänemark wegen der Ermordung eines Journalisten 1943 gesucht wird, in Bayern. Hier verhinderte ein Gericht 2007 Kams Auslieferung mit der Begründung, es lägen keine ausreichenden Beweise für die Mordvorwürfe vor.
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