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Eklat in Sachsen-Anhalt
Lehrerverband will Mädchen vor Sex mit Muslimen warnen

Magdeburg. Der Lehrerverband in Sachsen-Anhalt hat mit einem Text zu Flüchtlingen und muslimischen Männern große Empörung ausgelöst. Unter anderem wird gefragt, wie junge Mädchen vor Sex mit muslimischen Männern gewarnt werden können.

"Eine Immigranteninvasion überschwappt Deutschland", heißt es im Editorial der Zeitschrift des Verbandes, das von Verbandschef Jürgen Mannke und der Vize-Chefin Iris Seltmann-Kuke unterzeichnet ist. Im Text wird unter anderem gefragt, wie junge Mädchen vor Sex mit muslimischen Männern gewarnt werden könnten.

Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) sagte der "Mitteldeutschen Zeitung" (Samstag), der Verband würde "Gerüchte verstärken, Halbwahrheiten verbreiten und unsere Werte als Keule benutzen".

Linken-Landeschefin Birke Bull erklärte: "Das grenzt an Hetze". Die Vorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, Claudia Dalbert, bemerkte: "Das ist inhaltlich auf einem unterirdischen Niveau, das bedient Vorurteile und den rechten Rand." Mannke wies gegenüber der Zeitung die Kritik zurück. Er bediene keine rassistischen Ressentiments.

Mit Entsetzen reagierte der nordrhein-westfälische Philologenverband auf die Äußerungen aus Sachsen-Anhalt. "Wir sind schockiert", hieß es in einer Pressemitteilung; man distanziere sich "aufs Schärfste". Der NRW-Landesverband denke und handle anders. "Das ist üble Diffamierung und Diskriminierung", sagte der Landesvorsitzende Peter Silbernagel unserer Redaktion: "Was wir brauchen, sind Willkommenskultur und Wertschätzung der Flüchtlinge, nicht eine solche Wortwahl, die an Pegida erinnert."

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(dpa)