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Erfinder von Hagens kassierte Provision: Leichen-Handel: Uni Heidelberg unter Druck

zuletzt aktualisiert: 01.03.2004 - 18:37

Heidelberg (rpo). Die Universität Heidelberg hat ein Millionengeschäft mit dem Verkauf plastinierte Leichenteile in den 90er Jahren zugegeben. Ein Sprecher bestätigte am Montag einen entsprechenden "Spiegel"-Bericht: "Das stimmt und war rechtens." Nun gerät die Uni zunehmend unter Druck. Unterdessen bestritt Gunther von Hagens, seine Tätigkeit an der Universität für private Interessen missbraucht zu haben.

Die Hochschule bestätigte, dass es an ihrem Institut für Anatomie Anfang der 90er Jahre ein Millionengeschäft mit Präparaten menschlicher Leichen gab. "Zwei bis drei Millionen Mark" aus dem Verkauf von solchen Plastinaten an andere Medizininstitute seien damals auf ein eigens dafür eingerichtetes Drittmittelkonto der Universität geflossen, sagte Pressesprecher Michael Schwarz.

Allein 1991 gab es laut Schwarz zwei Zahlungseingänge über insgesamt 768 350 Mark, die aus Kuwait und Saudi-Arabien stammten. Dies ergaben nach seinen Worten die Ermittlungen der Abteilung Innenrevision der Hochschule, die seit einem Monat die Geschäfte des universitären "Plastinationslabors", das Hagens leitete, überprüft.

Der Uni-Sprecher bestätigte damit weitgehend einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel". Die entsprechenden Geldeingänge seien "formal überprüft" und dann dem Anatomie-Institut der Universität zugewiesen worden, an dem Hagens bis 1996 Mitarbeiter war. "Dass die Universität selbst damit Geld verdient hat, schließen wir weitgehend aus", sagte Schwarz. Hagens seien damals gemäß einer Dienstvereinbarung 15 Prozent aus dem Plastinationsgeschäft als Provision zugestanden worden.

Über Geldfluss nicht Bescheid gewusst

Ende Januar hatte der frühere Chef von Hagens, Professor Wilhelm Kriz, noch den Vorwurf eines "schwunghaften Leichenhandels" zurückgewiesen und betont, dass mit dem Verkauf von Präparaten ein Jahresumsatz von nur rund 100 000 Mark erzielt worden sei. Kriz habe jetzt angegeben, "dass er über die Geldflüsse nicht Bescheid wusste", sagte Schwarz. Anfang der 90er Jahre sei behauptet worden, dass die von Hagens entwickelte Plastinationsmethode sehr teuer sei und das Geld zur Weiterentwicklung dieser Methode eingesetzt werde.

Das exakte Wissen über die Zahlungseingänge aus Kuwait (417 531 Mark) und Saudi-Arabien (350 819 Mark) sei "einem Zufall zu verdanken, durch den der Jahrgang 1991 im Uni-Archiv aufbewahrt wurde", sagte Schwarz. Da nach der Landeshaushaltsordnung Belege nach sechs Jahren vernichtet würden, könne man die übrigen damaligen Vorgänge "heute nicht mehr überprüfen".

"Volles Vertrauen"

Institutsleiter Kriz habe Anfang der 90er Jahre "volles Vertrauen" in seine Mitarbeiter gehabt, sagte Schwarz. "Das hat sich ein wenig Mitte der 90er Jahre geändert und hat letztendlich zum Ausscheiden von Hagens aus der Universität im Jahr 1996 geführt", ergänzte er. Damals sei klar gewesen, dass der Bereich der Plastination von dem des Anatomie-Instituts getrennt werden musste.

Schwarz sagte, die Universität habe Anfang der 90er Jahre "offenbar Leichen aus Moskau geliefert bekommen". Er fügte hinzu: "Ihre Zahl können wir nicht feststellen." Es habe damals aber eine "wissenschaftliche Kooperation" zwischen Hagens und einem Moskauer Medizin-Institut gegeben. Für die gelieferten formalin-fixierten Leichen gebe es am Institut für Anatomie "keine Eingangs- und Ausgangsbescheide" mehr. Sehr genaue Auflistungen lägen hingegen für Leichen aus Vermächtnissen vor - also von Menschen, die ihren Körper nach dem Tod für Zwecke der Forschung und Lehre zur Verfügung stellten.

Hagens hatte am Sonntag die Vorwürfe zu einem "Millionengeschäft" mit menschlichen Präparaten zurückgewiesen. Es gebe keine "dunklen Kanäle", in denen er oder Dritte Gelder verschwinden ließen.

Von Hagens bestreitet Missbrauch privater Interessen

Gunther von Hagens hat bestritten, seine Tätigkeit an der Universität für private Interessen missbraucht zu haben. Universitätssprecher Michael Schwarz sagte auf AP-Anfrage, von Hagens habe als Erfinder der Plastination Provisionen in Höhe von 15 Prozent erhalten. Einer entsprechenden Dienstvereinbarung habe damals das Stuttgarter Wissenschaftsministerium zugestimmt.

Von Hagens war von 1974 bis 1996 Mitarbeiter an der Universität Heidelberg. Seit Jahren sorgt er mit seiner Ausstellung "Körperwelten" für Schlagzeilen. Zu den jüngsten Vorwürfen hatte der Anatom am Wochenende erklärt, seine Tätigkeit an der Heidelberger Hochschule habe dem bewährten "Zusammenspiel zwischen universitärer Forschung und privater Unternehmenstätigkeit" entsprochen. Diese Drittmittelforschung hätten die Beschaffung nötiger Sachmittel des Labors und die Bezahlung von Uni-Mitarbeitern erst ermöglicht, so von Hagens.

Von Hagens mit einem seiner Ausstellungsstücke.  Foto: RPO
Von Hagens mit einem seiner Ausstellungsstücke. Foto: RPO

 
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