Justizministerin sucht Gespräch mit Kirche: Leutheusser-Schnarrenberger bleibt bei Kritik
zuletzt aktualisiert: 24.02.2010 - 16:12Berlin (RPO). Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) ist im Streit um die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen an katholischen Schulen auf die Kirche zugegangen. Die Ministerin sei zu einem Gespräch bereit, sagte ihr Sprecher am Mittwoch in Berlin, bleibe aber bei ihrer Kritik.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, sprach wegen des Streits mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).
Hintergrund der Auseinandersetzung ist die heftige Kritik der Justizministerin an der katholischen Kirche. Leutheusser-Schnarrenberger hatte in den ARD-"Tagesthemen" gesagt, sie erwarte, dass die Verantwortlichen der Kirche "endlich konstruktiv mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten."
Zollitsch hatte ihr daraufhin vorgeworfen, sie polemisiere mit falschen Tatsachenbehauptungen maßlos gegen die Kirche. Er forderte sie auf, innerhalb von 24 Stunden die unwahren Passagen eines Interviews richtigzustellen.
Leutheusser-Schnarrenberger bleibt trotz des Gesprächsangebots bei ihrer grundsätzlichen Kritik. Es gebe keinen Grund, die Kritik zurückzunehmen, sagte der Sprecher des Bundesjustizministeriums. Leutheusser-Schnarrenberger will dem Erzbischof demnach nun "in angemessener Form" antworten.
Die Kritik der Ministerin bezieht sich auf die Leitlinien der Kirche zu diesem Thema. Sie halte es nicht für ausreichend, dass erst in erwiesenen Fällen sexuellen Missbrauchs eine Aufforderung zur Selbstanzeige erfolge, sagte Leutheusser-Schnarrenberger im Deutschlandradio Kultur. Sie sei der Meinung, dass bei Verdachtsfällen die Staatsanwaltschaft tätig werden solle.
Zollitsch telefonierte wegen der Auseinandersetzung mit der Justizministerin bereits am Dienstag mit Bundeskanzlerin Merkel. Zu dem Inhalt machten weder ein Sprecher der Bischofskonferenz noch Regierungssprecher Ulrich Wilhelm Angaben. Wilhelm sagte, die Kanzlerin habe mit Zollitsch und Leutheusser-Schnarrenberger telefoniert.
Merkel habe keinen Zweifel, dass die Bischöfe das Thema "angemessen und ernsthaft" bearbeiteten. Die Deutsche Bischofskonferenz berät derzeit auf ihrer Frühjahrsvollversammlung in Freiburg über den Umgang mit dem Verdacht auf sexuellen Missbrauch an katholischen Schulen.
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