Impfung gegen die Schweinegrippe: Lieferprobleme sorgen für Verzögerungen
zuletzt aktualisiert: 11.11.2009 - 17:42Berlin (RPO). Erst Ende März ist Deutschland für eine großflächige Impfung gegen die Schweinegippe gerüstet. Wegen Lieferproblemen stehen zwei Monate später als geplant die notwendigen 50 Millionen Impfdosen zur Verfügung.
Das erklärte Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler am Mittwoch nach dem Impfgipfel mit seinen 16 Länderkollegen in Berlin. Bis dahin geht es schleppend voran: Ende November sollen 9,3 Millionen Impfdosen, Ende Dezember weitere 10,7 Millionen zur Verfügung stehen. Für Schwangere gibt es 150.000 Extra-Dosen.
Die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Malu Dreyer erklärte, man sei in den vergangenen Wochen von anderen Liefermengen ausgegangen. "Dieser Konflikt konnte auch nicht beseitigt werden", sagte sie nach dem Treffen, an dem den Angaben zufolge ein Vertreter des Herstellers teilnahm.
Die 150.000 zusätzlichen Impfdosen speziell für Schwangere stammen vom Hersteller CSL Biotherapie und kommen ohne Wirkverstärker aus, wie es hieß. Sie sollen im Dezember geliefert werden. Mehr Impfstoff dieser Art sei nicht lieferbar, sagte der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann: "Das war keine politische Entscheidung."
Taubert warnt vor Hysterie
Trotz der schnellen Ausbreitung der Schweingrippe warnte die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, die thüringische Gesundheitsministerin Heike Taubert, vor Hysterie. Es gebe keinen Grund daran zu zweifeln, dass bis Ende Dezember 20 Millionen Impfdosen vorlägen, sagte sie.
Ein Vertreter des Robert-Koch-Instituts machte den Ernst der Lage deutlich. Aktuell gebe es rund 50.000 bestätigte Fälle. Die Zahl neuer Infektionen verdoppele sich ständig, allein in der letzten Woche seien 7000 dazugekommen.
Rösler sagte, die Zahl der zur Verfügung stehenden Impfdosen mache deutlich, "dass nicht jeder geimpft werden kann". Bund und Länder hielten sich deshalb an die Empfehlung der Impfkommission, die einen stufenweise Immunisierung vorsieht.
Die Bundesländer hatten im Juli entschieden, 50 Millionen Dosen Pandemrix beim Pharma-Unternehmen GlaxoSmithKline zu kaufen. Die Auslieferung läuft seit dem 19. Oktober und ist eigentlich bis Ende Januar vereinbart. Deutschland bekommt vertraglich zugesichert nicht etwa bestimmte Mengen an Impfdosen, sondern 16 Prozent der Weltproduktion: Wenn die Produktion stockt, sinkt die Zahl der gelieferten Impfdosen.
Der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Wolfram Hartmann, kritisierte die Impfstrategie der Regierung. Kinder müssten genauso wie Feuerwehrleute oder Gesundheitspersonal vorrangig gegen die Schweinegrippe geimpft werden, sagte er der "Leipziger Volkszeitung". Hartmann forderte, Kinder gemeinsam mit "systemrelevanten Gruppen" wie Sicherheitskräften vorzuziehen.
Autofahrer sollten nach einer Schweinegrippeimpfung ihren Wagen besser stehen lassen. Wie der Auto Club Europa (ACE) erklärte, kann die Impfung unliebsame Nebenwirkungen auslösen und die Fahrtüchtigkeit stark beeinträchtigen. Die Symptome seien Kopf-, Gelenk oder Muskelschmerzen sowie Mattheit und Fieber.
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